Aktuell
Home | Lokales | Landesamt bohrt nach
3489813.jpg

Landesamt bohrt nach

dth Lüneburg. Bis in 29 Meter Tiefe dringt der Bohrer der 14 Tonnen schweren Maschine vor und holt Millionen Jahre alte Bodenschichten ans Tageslicht. Interessiert begutachten gestern die Mitarbeiter des LBEG (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) den ersten spiralförmigen Bodenaushub, den sie in Reihe auf dem Acker zwischen Süder- und Kirchgellersen ausgebreitet haben. Erkenntnisse über mögliche Schiefergasvorkommen, die mithilfe der umstrittenen Fördermethode „Hydraulic Fracturing“ (kurz: „Fracking“) gehoben werden könnten, werden dabei nicht zutage gefördert, sagt LBEG-Diplom-Geologe Jörg Mandl. Vielmehr gehe es etwa um die Kartierung der Beschaffenheit in den oberen Bodenschichten. Der jetzt untersuchte Standort könnte allerdings für Bodenabbau-Unternehmen interessant werden, die Ton fördern möchten.

Grund zur Besorgnis gebe es wegen der Bohrungen nicht, heißt es beim Landkreis Lüneburg. „Wir wurden rechtzeitig in Kennnis gesetzt, haben das an die betroffenen Gemeinden weitergegeben und sehen die Kartierungsbohrungen als unproblematisch an“, sagt Kreissprecherin Christina Benedict.

Das LBEG führt in seiner Funktion als Geologischer Dienst des Landes Niedersachsen, noch bis zum 27. August sogenannte Kartierbohrungen im Landkreis Lüneburg durch. Und zwar in den Gemeinden Kirchgellersen, Südergellersen, Rullstorf, Reinstorf und Scharnebeck. Gesammelt werden dabei geologische Grundlagendaten. LBEG-Mitarbeiter Veit Müller sagt: „Wir untersuchen die Bodenbeschaffenheit nach ihrer Zusammensetzung, ob es sich um Sand, Lehm oder Schluff – in der Körnung zwischen Ton und Sand – handelt, welche Farbe der Boden hat, welchen Kalkgehalt . . .“ Die erhobenen Daten könnten dann beispielsweise auch Landwirte nutzen für Analysen des Ertragspotenzials des Bodens oder private Hausbauer, die sich im Vorfeld erkundigen möchten, wie hoch der Grundwasserspiegel ist.

„Wir dürfen hier nicht im Auftrag von Firmen Untersuchungen durchführen“, betont Müller. Und Geologe Mandl ergänzt: „Aber wir richten uns beispielsweise nach den Regionalen Raumordnungsprogrammen und darin ausgewiesenen Rohstoffsicherungsgebieten.“ So ist es wohl zu erklären, dass die Bohrungen im Landkreis in der Nähe bereits bestehender Bodenabbaugebiete durchgeführt werden – ingesamt sind zirka 25 Bohrungen geplant.

Im Bereich Südergellersen und Kirchgellersen wurden laut des bisherigen LBEG-Kartenmaterials im Internet zuletzt in den Jahren 1980, ’81 und ’84 geologische Bohrungen durchgeführt. Bei Scharnebeck gab es zwei solcher Bohrungen in den Jahren 1989 und ’91, sowie ’91 bei Rullstorf. Im Umfeld der Gemeinde Reinstorf waren die staatlich bestellten Geologen mit mehreren Bohrungen in den Jahren 1990 bis ’93 zugange.

Zwar werden die Bodenproben zusätzlich noch im Labor auf die mineralogische und chemische Zusammensetzung überprüft. Nach der ersten Inaugenscheinnahme ließ sich für die erste Bohrung zwischen Süder- und Kirchgellersen, östlich der Kreisstraße 10, bereits sagen, „dass eine durchgehende Tonschicht bereits ab einer Tiefe von 50 Zentimetern beginnt“, erklärte Mandl. Die Erkenntnisse der punktuellen Bohrungen, die nach der Entnahme der Proben wieder den Bodenschichten gemäß verfüllt werden, werden später auf die umliegenden Flächen projiziert.
Die Daten sollen dann ebenfalls im Internetangebot des LBEG abrufbar sein (direkt zu erreichen unter folgender Kurzadresse „http://k-urz.de/FA5“).