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Helles Köpfchen unter der Heidekrone

emi Amelinghausen. „Ich bin noch gar nicht richtig in dem Amt angekommen“, sagt Lara-Sophie Sebastian und lächelt scheu. Am Sonntagnachmittag ging für die 19-Jährige ein Kindheitstraum in Erfüllung: Sie wurde auf dem Kronsberg in Amelinghausen zur neuen Heidekönigin gekürt. Seitdem überschlugen sich für die Medizinstudentin die Ereignisse. Am Sonntag führte sie den Festumzug durchs Dorf an und prämierte die Festwagen, am Montag ging es zum Kleid- und Schuhekaufen – und das alles mitten in den Vorbereitungen zum Physikum. Heute wird Lara-Sophie Sebastian, genannt Lara, rund sechs Stunden lang in Physiologie, Anatomie und Biochemie geprüft.

Am Tag nach ihrer Wahl sitzt Lara in aufrechter Haltung am Esstisch im heimischen Wohnzimmer. Es duftet nach Vanille und im Hintergrund läuft leise klassische Musik. Die frisch gekürte Heidekönigin hat noch Schwierigkeiten, ihre Gefühle und Gedanken im Moment der Krönung in Worte zu fassen. „Das war unglaublich. Ich habe an meine Familie gedacht und dass ich jetzt zum ersten Mal selbst auf diesem Holzstuhl sitze und nicht zugucken muss.“ Bereits als Kind erlebte sie diesen Augenblick, durfte als Prinzessin und Hofdame aber nur dabei zusehen, wie älteren Mädchen die Krone aufgesetzt wurde. Damals träumte sie schon davon, selbst einmal Heidekönigin zu werden. Nun ist ihr Traum urplötzlich in Erfüllung gegangen. „Ich brauche wohl noch ein bisschen, um das zu realisieren“. Alleine beim Einkaufen in Lüneburg sei sie von Passanten „schon vier bis fünf Mal angesprochen“ worden, erzählt Lara mit sanfter Mädchenstimme. Eine neue Erfahrung, aber Lara-Sophie Sebastian lernt schnell. Nicht nur in ihrem neuen Amt.

Mit zarten 19 Jahren studiert sie bereits im 5. Semester Medizin in Hamburg: „Ich habe nach dem ersten Halbjahr der 5. Klasse ein Jahr übersprungen, mit 17 Abi gemacht und direkt mit dem Studium angefangen.“

Schon von Kindesbeinen an habe sie Ärztin werden wollen, „das hat mich einfach fasziniert“. Nach dem Studium möchte die 19-Jährige am liebsten als Chirurgin arbeiten. „Aber auch Gynäkologie und Pathologie interessieren mich.“

Vater Stefan Sebastian schaltet sich ins Gespräch ein: „Lara ist ein helles Köpfchen“, sagt er stolz, während seine Tochter bescheiden, fast peinlich berührt auf die Tischkante schaut. „Sie spricht zum Beispiel fließend Spanisch, war während der Schulzeit sieben Monate in Mexiko.“

Wenn sie nicht gerade lernt, schwimmt oder tanzt, liest die neue Regentin Amelinghausens gern. Im heimischen Wohnzimmer türmen sich die Harry-Potter-Bände. Auch in ihrem eigenen Zimmer stapeln sich die Bücher, allerdings die zum Lernen. Lara-Sophie Sebastian freut sich deshalb jetzt schon, „dass es in meinem Studium bald ruhiger wird“.

Und auch, was ihr Jahr als Heidekönigin betrifft, ist sie „positiv gestimmt“. Sie freue sich auf „alle Termine“ und wolle „alles auskosten“. Nun darf sie endlich ihren lang gehegten Kindheitstraum leben.