Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Neue Herausforderung für die Gefängnisse
3496468.JPG

Neue Herausforderung für die Gefängnisse

ca Lüneburg. Der Angeklagte, der sich vor dem Landgericht verantworten muss, weil er nahe Soltau seine Frau getötet haben soll, stellt das Untersuchungsgefängnis am Markt vor Herausforderungen: Der 71-Jährige ist gehbehindert, Augen und Ohren funktionieren nicht mehr gut. Darauf sind der Lüneburger Anstaltsleiter Rainer Stolze und seine Mitarbeiter nur begrenzt eingestellt. Das Schicksal dieses Gefangenen ist kein Einzelfall. Und für Antje Niewisch-Lennartz ein Grund zum Handeln. Die niedersächsische Justizministerin besuchte gestern die Justizvollzugsanstalt (JVA) am Markt.

„Das Problem ist für mich neu“, sagte die 60-Jährige, die seit Februar ihr Amt inne hat. Als Richterin kenne sie zwar die Justiz, aber nicht die 13 selbstständigen Gefängnisse im Land, die schaue sie sich an, um einen Eindruck zu gewinnen. Eine Erkenntnis nach Gesprächen mit den JVA-Chefs: „Die Zahl der alten Strafgefangenen nimmt zu, manche sind pflegebedürftig und gebrechlich.“ Dazu kämen Menschen, aus denen Drogen- und Alkoholmissbrauch „körperliche Wracks“ gemacht habe. Doch ein Konzept, wie die Justiz mit der sich wandelnden Situation umgehen kann, hat sie nicht.

„Ich hasse es, wenn Politiker gleich eine Lösung aus dem Ärmel schütteln“, sagt die Grüne, die bei ihrem Antrittsbesuch von Parteifreunden wie der Bundestagskandidatin Julia Verlinden und der Landtagsabgeordneten Miriam Staudte sowie der SPD-Abgeordneten Andrea Schröder-Ehlers begleitet wurde. Sie wolle mit Mitarbeitern der Gefängnisse sprechen, einen Eindruck gewinnen, um dann nach neuen Wegen zu suchen: „Aber das Thema wird eine Herausforderung sein.“

Die Ministerin war hauptsächlich gekommen, um den alten Präsidenten des Lüneburger Verwaltungsgerichts, Hennig von Alten, zu verabschieden und Nachfolger Wolfgang Siebert in sein Amt einzuführen (siehe Kasten), der Besuch im Knast schloss sich an.

Antje Niewisch-Lennartz kennt das Lüneburger Gefängnis gut – von außen: Sie wurde Silvester 1952 in Lüneburg geboren und wohnte mit ihrer Familie ganz in der Nähe, nämlich Hinter der Bardowicker Mauer. „Aber weder ich noch meine vier Brüder haben den Kontakt ins Gefängnis gesucht“, sagt die Ministerin mit einem Lächeln. Allerdings könne sie sich noch deutlich an den abweisenden Bau in der Nachbarschaft erinnern: „Hier war unser Spielrevier.“ Sabine Hamann, Leiterin der JVA Uelzen, zu der Lüneburg gehört, und ihr Kollege Stolze gewährten ihr nun einen Blick hinter die hohen Mauern, in Werkstätten, Küche und Zellen.