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DRK klagt über Verlust von Blutspendern

mm Lüneburg. Ein neuer kommerzieller Blutspendedienst in Lüneburg macht dem Roten Kreuz in Lüneburg unliebsame Konkurrenz und bereitet dem NSTOB, dem Blutspendedienst des DRK, große Sorgen. „Bei der Blutspende steht die Freiwilligkeit im Vordergrund, sonst wäre es ja keine Spende mehr“, kritisiert NSTOB-Koordinator Udo Kley das Angebot des neuen Blutspendedienstes. Der Ableger des Blutspendedienstes Hamburg öffnete im Mai seine Türen am Lüneburger Markt und sorgt beim Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes für ein rückläufiges Spenderaufkommen.

Nach offiziellen Zahlen des NSTOB kamen in diesem Jahr von Juni bis August 218 Freiwillige zur Blutspende in Lüneburg, während es im Vergleichszeitraum 2012 noch 289 Spender waren. „Wir haben den Rückgang von rund einem Viertel der Spender zum Anlass genommen, um über zusätzliche Angebote nachzudenken, um die Rotkreuz-Blutspende attraktiver zu gestalten und den Wünschen der Spenderinnen und Spender entgegenzukommen“, sagt Thomas Bischoff, Pressesprecher des NSTOB.

Der neue Blutspendedienst Lüneburg sieht sich selber nicht als Konkurrenz. „Das Ziel ist es doch, insgesamt mehr Spender zu gewinnen. Es gibt unterschiedliche Spendertypen, deshalb sollte auch das Angebot variabel sein. Wir wollen niemanden abwerben“, sagt Dr. Melanie Braun, Herstellungsleiterin beim Blutspendedienst Hamburg. Bei Engpässen würde man mit dem DRK zusammenarbeiten. Der Grund, warum der Blutspendedienst Hamburg eine Zweigstelle in Lüneburg eröffnet hat, sei ein chronischer Mangel an Blutkonserven in der Metropolregion Hamburg. So gehen die Spenden aus Lüneburg auch an den zentralen Standort in Hamburg-Eilbek und würden von dort aus an die Kunden verteilt. In Lüneburg beliefere man eine größere Praxis zur Versorgung von Krebspatienten.

Dr. Braun ist mit den bisherigen Spenderzahlen zufrieden, natürlich gebe es aber auch noch Potenzial nach oben: „Wir haben hier in Lüneburg zehn bis 20 Spender pro Tag. Eine feste Spenderschaft muss erst einmal aufgebaut werden, am Anfang dürfen Neuspender nur alle drei Monate spenden.“ Beim Blutspendedienst Lüneburg erhalten Neuspender einen Einkaufsgutschein, ab dem dritten Mal werden Vollblutspenden mit 23,50 Euro und Plasmaspenden mit 15,50 Euro vergütet. Spenderinnen wie Stephanie Gurwell-Tredzka kommen jede Woche zur Plasma-Pherese, die 45 Minuten dauert: „Ich freue mich über die Möglichkeit, hier jede Woche etwas Gutes zu tun.“ Es gibt auch Spenderinnen wie Carolin Conrad, die vorher beim Blutspendedienst Hamburg waren und nun das neue Angebot in Lüneburg nutzen.

Das Städtische Klinikum Lüneburg, das seine Blutkonserven vom NSTOB in Uelzen erhält, sieht aufgrund der zurückgehenden Spenderzahlen beim DRK keinen aktuen Handlungsbedarf. „Für das Klinikum hat sich durch den neuen Blutspendedienst nichts geändert. Die für die Patientenversorgung nötigen Blutkonserven werden nach wie vor vom gleichen Anbieter bezogen, der das Klinikum seit Jahren beliefert“, sagt Angela Wilhelm, Pressesprecherin der Gesundheitsholding Lüneburg.

Der NSTOB lädt in den DRK-Ortsvereinen einmal im Monat zu Blutspendeterminen ein. Dort gibt man sich noch zuversichtlich, dass die zurückgehenden Spenderzahlen Ausdruck des warmen Sommers sind. Allerdings könnten durch den neuen Dienst Freiwilligkeit und Ehrenamtlichkeit beim DRK verloren gehen, befürchtet Sabine Reckermann, Geschäftsführerin des Ortsvereins Lüneburg: „Das kommerzielle Angebot ist natürlich attraktiver als unseres. Aber wir wären finanziell auch gar nicht in der Lage, Spenden zu vergüten.“ Bei den Blutspendeterminen in den DRK-Ortsvereinen gibt es für Spender ein Büfett-Angebot mit kalten Speisen und Getränken. Zudem erhalten Freiwillige als Ehrung für häufiges Spenden kleine Geschenke. „Bei uns wird es aber keine Flachbildfernseher als Anreize geben“, sagt Udo Kley vom DRK-Blutspendedienst.