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Eines der wenigen historischen Gebäude in Adendorf ist die Johanneskapelle mit ihren wuchtigen Findlingen als Unterbau.
Foto: sel
Eines der wenigen historischen Gebäude in Adendorf ist die Johanneskapelle mit ihren wuchtigen Findlingen als Unterbau. Foto: sel

Adendorfer Geschichtspunkte

sel Adendorf. Dunkel, eng und stickig war es in der Schäferkate, der ersten Adendorfer Schule, im Süden der Ortschaft an den späteren Bahngleisen gelegen. Für 30 Kinder aus Erbstorf, Lüne und Adendorf gab es bescheidenes Mobiliar – alle anderen mussten ihre Schularbeiten stehend oder kniend erledigen. Erst 1824 zog die Dorfschule aus dem ehemaligen Schafstall um in ein Gebäude an der Dorfstraße. Wo genau Adendorfs erste Schule lag, ist mit einem roten Punkt auf dem neuen digitalisierten, historischen Ortsplan markiert. Wer will, kann sich per Mausklick weitere Informationen in Text und Bild auf den Computerbildschirm holen. Insgesamt 50 rote Info-Punkte laden zu einer historischen Tour durch Erbstorf und Adendorf ein und versprechen viele erstaunliche und spannende Erkenntnisse.

Zu verdanken ist dieser im Landkreis erste digitalisierte, historische Ortsplan dem Engagement von Dr. Ulrich Picht. Zwei Jahre lang hat sich der pensionierte Geschichtslehrer mit dem aufwendigen Projekt beschäftigt, Dokumente und Fotos zusammengetragen und ausgewertet, recherchiert und sich vor allem mit der technischen Umsetzung all dieser Materialien beschäftigt. „Dabei hat mich Andrea Struve von der IT-Stelle des Landkreises Lüneburg unterstützt. Dort wurden mir auch kostenlos die Karte und das Arbeitsprogramm zur Verfügung gestellt“, berichtet Picht, der zum ehrenamtlichen Archiv-Team der Gemeinde Adendorf gehört. Die Ortskarte ist Teil des „Geoportals“ des Landkreises.

Die lokale Geschichte liegt Picht am Herzen – und davon gibt es in Adendorf nicht mehr viele sichtbare Zeugnisse. An das alte Rittergut, die Ziegeleien und die ehemaligen Gastwirtschaften erinnern heute bestenfalls noch Dokumente und Bilder. Und eben deshalb stellte sich Picht die Frage: „Wie kann man das vergangene Adendorf lebendig machen?“ Gelungen ist ihm das bereits während der gut besuchten Führungen durch den Ort vor fünf Jahren. „Strengen Sie Ihre Fantasie an, dann sehen Sie das alte Adendorf“, hatte er damals die Teilnehmer aufgefordert. Tatsächlich wurden für den einen oder anderen die Weinberge sichtbar, an die heute der Straßenname Weinbergsweg erinnert, und die einst den Messwein für das Kloster Lüne hervorbrachten. Nordöstlich der Weinberge befand sich, um den einstigen Marktplatz gelegen, der Mittelpunkt des kleinen Dorfes, das um 1450 aus elf großen Hofstellen und sieben Katen bestand.

Auch einige Punkte außerhalb der Gemeindegrenze laden zu einem geschichtlichen Spaziergang am Bildschirm ein, etwa der einstige Flugplatz an der Lüner Rennbahn, einer der ersten in Niedersachsen überhaupt. Einer der schillerndsten Persönlichkeiten begegnet man in einer ehemaligen Erbstorfer Gärtnerei: Albert Bartels, der als „Si Hermann“ während des Ersten Weltkrieges in Marokko gelebt hatte. Der Ortsplan selbst findet sich im Internet unter der Adresse http://www.adendorf.de/index.php/gemeinde/geschichte/historischer-ortsplan-adendorf.