Mittwoch , 28. September 2016
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Schon länger stehen Gatter an den Ortseingängen von Erbstorf, machen die Straße optisch schmaler. Kurz hinter dem Ortsschild folgt ein Dialog-Display, wenige hundert Meter weiter eine Anlage, die die Geschwindigkeit misst und registriert.
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Schon länger stehen Gatter an den Ortseingängen von Erbstorf, machen die Straße optisch schmaler. Kurz hinter dem Ortsschild folgt ein Dialog-Display, wenige hundert Meter weiter eine Anlage, die die Geschwindigkeit misst und registriert. Foto: be

Tempo-Bremse im Test

pet Adendorf. Fast wären die 20 Jahre voll geworden. Schon 1994, so erzählte das langjährige Ratsmitglied Karl-Heinz Brandt gestern, hätte sich Anwohnerin Regina Rathmann erstmals bei ihm mit der Beschwerde gemeldet, in Erbstorf, im Zuge der Erbstorfer Landstraße, werde oft zu schnell gefahren. Das erste Schreiben an den Landkreis wurde auf den Weg gebracht. Seitdem hat Brandt das Thema immer wieder in den Gremien angesprochen – jetzt können die Erbstorfer auf mehr Sicherheit und auch Ruhe hoffen.

Vertreter von Politik, Verwaltung und Polizei weihten gestern offiziell die dreiteilige Kombination ein, die in der Ortsdurchfahrt Erbstorf dauerhaft für ein gemäßigteres Tempo sorgen soll: Die „Dialog-Displays“, die Kraftfahrern anzeigen, ob sie korrekt oder zu schnell fahren. Dazu die weißen Gatter, die die Fahrbahn optisch einengen sollen. Und in Verbindung damit die Geschwindigkeitsmessanlage in der Ortsmitte. „Ein Pilotprojekt“, wie Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack und Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte der Lüneburger Polizei, gemeinsam erklärten, in die Planungen sei auch der Landkreis Lüneburg einbezogen gewesen. „Von den Gattern gibt es in Dänemark schon lange ganz viele“, hat Maack beobachtet.

Wie ist das Tempo des Kraftfahrzeugverkehrs, der in einen Ort hineinfließt, am besten zu drosseln? Darüber zerbrechen sich Verkehrsplaner im ganzen Land den Kopf – auch die in Adendorf. Über Verschwenkungen der Fahrbahn dachten die Verantwortlichen nach, zuletzt gab es Planungen für einen Kreisverkehr an der Einmündung zur Dorfstraße, die aber wegen der großen Kosten nach einem Bürgervotum gestoppt wurden.

Mit Tempokontrollen Ende letzten Jahres hatte das Projekt begonnen – vier Wochen lang waren die gefahrenen Geschwindigkeiten im Ort gemessen und registriert worden, dazu die Art der Fahrzeuge und der Geräuschpegel. Eklatante Tempoüberschreitungen waren damals kaum festgestellt worden. Maack: „Es gab frühmorgens ein paar Ausreißer.“ Aber dennoch lagen die meisten Kraftfahrer über den vorgeschriebenen 50 km/h. „Auch wenn wir durch unsere Maßnahme das Tempo um weitere vier, fünf Kilometer pro Stunde senken, wäre das ein Erfolg“, erklärte Bürgermeister Maack gestern.

Jetzt, da inzwischen Dialog-Displays und Gatter installiert worden sind, werden erneut Messungen aufgenommen. Das soll in den nächsten Jahren so weitergehen. „Erst nach zwei, drei Jahren werden wir wissen, was die Maßnahmen bringen. Ob sich etwa bei den Kraftfahrern wieder ein Gewöhnungseffekt einschleicht“, erklärt Andreas Dobslaw. Dann wisse man möglicherweise auch, ob man dem Land Niedersachsen ein kostengünstiges und wirksames Mittel zur Temporeduzierung im Ortsbereich anbieten kann.

Für Ur-Erbstorfer Karl-Heinz Brandt jedenfalls hat sich ein lange gehegter Wunsch erfüllt: „Die meisten Anwohner sind zufrieden mit dem, was hier entstanden ist. Endlich ist es geschafft, jetzt müssen wir sehen, was es bringt.“