Donnerstag , 29. September 2016
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Mir gehts gut singt die Lüneburger BlueBand auf dem Adendorfer Rathausplatz. Die Gruppe lebt bereits die Inklusion. Ihr Motto: Kannste nix, das ist schon krass. Komm zu uns, hier kannste was! Foto: t&w
Mir gehts gut singt die Lüneburger BlueBand auf dem Adendorfer Rathausplatz. Die Gruppe lebt bereits die Inklusion. Ihr Motto: Kannste nix, das ist schon krass. Komm zu uns, hier kannste was! Foto: t&w

Zugewandert, behindert, bunt

dth Adendorf. „Eine gelungene Party“, sagte Thomas Maack beim Blick über den Rathausplatz. Dort feierten Menschen mit und ohne Handicap, Zugewanderte und Einheimische, Jung und Alt ein buntes Adendorf bei Musik und internationalem Büfett. Auch Organisatorin Sandra Eddelbüttel zeigte sich mit der Resonanz zufrieden. Die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs für Ordnung und Soziales in der Gemeinde Adendorf sagte: „Es reicht eben nicht, nur über Inklusion etwa in der Schule zu reden und Lehrer zu Fortbildungen zu schicken. Wir müssen auch die Kinder und die Eltern, wir müssen alle mitnehmen und etwas dafür tun.“ Deshalb entwickelte die Gemeinde gemeinsam mit der Sozialraumkonferenz die Dorf-Rallye „Adendorf inklusiv aktiv“. Zur Teilnahme waren auch Zuwanderer aufgerufen. Eddelbüttel: „Wir wohnen und leben alle zusammen in Adendorf und wollen uns besser kennenlernen.“

Die Akteure aus der Sozialraumkonferenz hatten quer durch Adendorf verteilt zehn Spiel- und Erlebnisstationen organisiert. Vom „Bogensport, auch im Rollstuhl“, über „blind Puzzeln“ bis Riechmemory bot die Rallye ein buntes Programm für die ganze Familie. So organisierten etwa drei Studentinnen mit libanesischen Wurzeln auf dem Hof der „AWO Soziale Dienste“ ein lebensgroßes Brettspiel mit Wissensfragen für Jung und Alt. Auch Martin Schadt (26) aus Lüneburg und Adendorferin Anne Heer (24) hatten sich mit dem Rad aufgemacht und stellten sich nun dem bunten Quiz: „In welcher Religion gilt der Freitag als ein Ruhetag im Christentum, Judentum oder Islam?“, wollte Studentin Zeinab Salami (20) unter anderem wissen. Dem lustigen Würfelspiel wohnten auch syrische Asylbewerber bei, die in Adendorf untergekommen sind.

Die Rallye für einen Familienausflug genutzt haben Tom und Daniela Genth mit ihren Kindern Julien (9) und Lotta (4). Tom Genth: „Diese Rallye ist ein tolle Idee. Das macht nicht nur Spaß, sondern die Kinder lernen auch den Umgang mit Menschen, die ein Handicap haben oder aus anderen Kulturkreisen stammen.“ Die Familie schaute in den Räumen der Schülerbetreuung Dorfmäuse vorbei beziehungsweise tastete sich dort durch. In Anlehnung an das Blinden-Projekt „Dialog im Dunkeln“ hatten Interessierte 90 Sekunden Zeit in einen stockfinsteren Raum hineinzukrabbeln und auf dem Boden Dinge zu ertasten, die „typisch für Adendorf“ sind. „Ich habe schon fünf Sachen, einen Golfschläger, einen Tennisschläger … und einen Wasserball“ rief Julien aufgeregt ins Dunkle. Schwester Lotta ertastete einen Schwimmflügel.

Nur etwas fehlte, vonwegen „typisch Adendorf“. Dabei hatte es am Eingang auf Nachfrage noch geheißen: „Der Bürgermeister liegt rechts in der Ecke.“ Der besuchte zu dem Zeitpunkt aber tatsächlich die Station der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) neben dem Freibad. Anschließend versuchte er sich beim Adolph-Holm-Kindergarten beim Rollstuhlhindernisparcours. Danach sagte Bürgermeister Thomas Maack: „Die Stimmung war so gut, dass ich keine Hemmungen hatte, das auszuprobieren. Aber ich war überrascht, was für eine Kraftanstrengung es ist, mit dem Rollstuhl zu fahren. Hut ab vor alljenen, die darauf angewiesen sind.“

Drei Stunden probierten sich Interessierte an den Rallye-Stationen in Perspektivwechseln und Lernspielen aus. Schließlich versammelten sich alle Teilnehmer zu einem Fest auf dem Rathausplatz. Für Stimmung sorgte die Lüneburger „BlueBand“, sang zum Auftakt „Mir gehts gut“. Die Gruppe lebt bereits die Inklusion. Ihr Motto: „Kannste nix, das ist schon krass. Komm zu uns, hier kannste was!“