Aktuell
Home | Lokales | Adendorf | Kaufleute fürchten um Gemeinde
Auf der rot schraffierten Grünfläche in unmittelbarer Nähe des Aldi-Marktes in Scharnebeck soll ein Einkaufszentrum entstehen. Die Pläne dafür stoßen auf erheblichen Widerstand in den Reihen der Werbegemeinschaft Adendorf, und auch der Kreis ist skeptisch. Foto: tja
Auf der rot schraffierten Grünfläche in unmittelbarer Nähe des Aldi-Marktes in Scharnebeck soll ein Einkaufszentrum entstehen. Die Pläne dafür stoßen auf erheblichen Widerstand in den Reihen der Werbegemeinschaft Adendorf, und auch der Kreis ist skeptisch. Foto: tja

Kaufleute fürchten um Gemeinde

pet Adendorf. Die erstmalige Wahl der Eiskönigin, Nikolausmarkt, Gänsebratenessen und Kirchwegsause viel Erfreuliches hatten die Geschäftsleute der Werbegemeinschaft Adendorf während ihrer Mitgliederversammlung in der Ratsdiele zu besprechen (LZ berichtete). Aber es gab auch Ernstes: Der beabsichtigte Bau eines Einkaufszentrums in Scharnebeck, gelegen am Schiffshebewerk, macht den Adendorfer Händlern Angst. Einstimmig wurde beschlossen, die ablehnende Haltung der Gemeinde Adendorf zu unterstützen.

Mitte Juli hatten die Planer die Überlegungen für ein neues Einkaufszentrum mit einem neuen Lebensmittelmarkt (1500 Quadratmeter), einem Drogeriemarkt (600 Quadratmeter) und der Erweiterung des bereits ansässigen Discounters (1200 Quadratmeter) der Öffentlichkeit vorgestellt. Damit verbunden wäre der Umzug des bestehenden Lebensmittelmarktes im Ortskern an die Peripherie. Schon in der Einwohnerversammlung gab es auch kritische Scharnebecker Stimmen, die vor einer Verödung des Ortskerns warnten.

Notwendig für die Umsetzung der Pläne ist die Änderung sowohl des Flächennutzungsplans als auch des Bebauungsplans. Im Zuge der ,,Beteiligung der Nachbargemeinden“ gemäß dem Baugesetzbuch wurde Anfang September unter anderem auch die Gemeinde Adendorf über das Vorhaben informiert. Anfang Oktober folgte die Reaktion aus Adendorf und die war eindeutig.

Die Gemeinde sprach sich gegen die vorgesehenen Änderungen der Bauplanung aus, äußerte „erhebliche Bedenken gegen die geplanten Änderungen“. Die Adendorfer wiesen darauf hin, dass für eine nach dem Regionalen Raumordnungsprogramm als „Grundzentrum“ eingestufte Gemeinde wie Scharnebeck nur eine Einzelhandelsverkaufsfläche von nicht mehr als 2000 Quadratmetern zulässig sei. Die Verkaufsfläche für das geplante EKZ Scharnebeck betrage aber 3300 Quadratmeter.

Die Stellungnahme ihrer Verwaltung nahmen die Mitglieder der Adendorfer Werbegemeinschaft dankbar auf. ,,Scharnebeck will in seinen Nachbargemeinden wildern. Die Pläne gefährden unser Dorfzentrum“, fürchtet Werbegemeinschaftsmitglied und Einzelhandelskaufmann Rainer Dittmers. ,,Wir müssen uns da positionieren, sonst machen die unser schönes Adendorf platt.“ Einen Umsatzrückgang von etwa zwölf Prozent für den gesamten Adendorfer Bereich habe das „Verträglichkeitsgutachten“ zum EKZ Scharnebeck ergeben, erklärte Volker Bergmann, ebenfalls Kaufmann und Vorsitzender der Werbegemeinschaft.

Kritisch sieht der Landkreis Lüneburg die laufenden Planungen in Scharnebeck. Kreisrätin Monika Scherf erklärt: „Der Landkreis hat der Gemeinde jetzt seine Stellungnahme zum Flächennutzungsplan und zum Bebauungsplan vorgelegt: Der Standort für das Einkaufszentrum ist aus Sicht der Regionalplanung problematisch, weil damit die Nahversorgung aus dem Zentrum gezogen wird. Der Ortskern würde wichtige Funktionen verlieren, die dort zur Belebung beitragen. Hinzu kommt: Es wäre ein völlig neuer Standort auf der grünen Wiese, der nicht innerhalb des zentralen Siedlungsgebietes liegt.“

Weiter sagt Kreisrätin Scherf: „Zur Frage, inwieweit der Einzelhandel in benachbarten Gemeinden beeinträchtigt würde, liegt uns ein Einzelhandelsgutachten vor. Dieses weist aus unserer Sicht allerdings Mängel auf, so dass eine abschließende regionalplanerische Einschätzung nicht getroffen werden kann. Das Gutachten muss aus unserer Sicht nachgearbeitet werden.“

Zuversichtlich stimmt die Adendorfer Geschäfsleute auch eine kürzlich vom Oberverwaltungsgericht in Lüneburg getroffene Entscheidung aus dem Kreis Harburg. Das stoppte vor einigen Wochen die Pläne der Gemeinde Jesteburg für die Ansiedlung des Warenhauskonzerns Famila mit etwa 3000 Quadratmetern. Angestrengt hatte das Normenkontrollverfahren die Gemeinde Hanstedt. Auch Jesteburg ist, wie Scharnebeck, im RROP als Grundzentrum ausgewiesen

3 Kommentare

  1. Scharnebeck wurde jahrzehntelang durch den örtlichen Sparmarktbetreiber vehemend von einer guten Versorgung abgeschnitten. In der Regel sind alle Gemeinden mit Supermärkten überversorgt, nur nicht Scharnebeck. Für die ständig steigende Einwohnerzahl plus Umland wundert es mich warum es so lange gedauert hat das Angebot zu erweitern.
    Angst brauchen die Adendorfer Händler nicht zu haben, da die meisten Scharnebecker im Löwe Center einkaufen. Ein Betreiber im Löwe Center kommt aber aus Adendorf und der muss dann tatsächlich um Kundschaft fürchten.

  2. Dies ist mir unverständlich, wie kann das aufwerten eines Ortes um weitere Einkaufsmöglichkeiten, an Stellen wo diese sowieso spärlich gesäht sind der Umgebung schaden.
    Im Gegenteil kurbelt Konkurrenz nicht eigentlich den Markt an?

  3. Mmh… Wenn ich an Scharnebeck denke, habe ich einen ziemlich „toten“ Schlafort vor den Toren Lüneburgs vor Augen. Sicher zum wohnen nicht schlecht, weil weitgehend ruhig. Wenn es um Möglichkeiten für den Einkauf geht fallen mir ein Edeka-Markt, der Aldi und eine etwas abseits vom Ortskern liegende Bäckereifiliale ein. Und das Schiffshebewerk natürlich! Wer also spezielle Dinge kaufen möchte, muß nach Adendorf fahren. Immerhin ein paar Kilometer entfernt. Ein Auto ist natürlich Voraussetzung oder jemand, der einen fährt. Aber wer könnte das sein werden sich besonders viele ältere Bewohner in Scharnebeck fragen. Ein besseres und umfangreicheres Angebot in Scharnebeck könnte somit grundsätzlich nicht schaden.

    Aber da kommen die Kleinkrämereien (erinnert mich an Krämerläden von früher) aus Adendorf ins Spiel. Adendorf ist schließlich ein „Grundzentrum“. Naja – wenn man sich darauf berufen muß und vielleicht sogar noch stolz ist… Mir entlockt es ein schmunzeln. Als weiteres Argument führt ein Werbegemeinschaftsmitglied an, dass die Scharnebecker Pläne das Dorfzentrum in Adendorf gefährden würden. Nein! Nur den Umsatz und Gewinn vielleicht, denn ansonsten ist da ab 18:00h auch tote Hose. Aber haben wir denn nicht eine freie Marktwirtschaft? Umsatz- und Gewinngarantien gibt es in Deutschland offiziell nicht. Also muss man sich dem Wettbewerb schon stellen und gegen Mitbewerber überzeugen.

    Und dann wird es lustig. Jetzt kommen auch noch Gutachten ins Spiel, die sicher nicht ganz billig sind. Naja – und heutzutage gibt es ja auch keine Projekte ohne Gegner mehr.

    Fazit: Eine Erweiterung des Angebotes in Scharnebeck ist mit Sicherheit wünschenswert und angebracht. Der Standort dafür ist eine Diskussion wert. Doch andererseits sind diese Flächen im Ortskern nicht zu finden. Und die Argumente bezüglich eines lebendigen/lebenden Ortskernes können wirklich nur für die Tageszeit geltend gemacht werden. Was hier in der Diskussion mit Sicherheit nicht angebracht ist sind Kleinkrämerei und die Angst vor eventuellen Umsatzeinbußen. Das regelt die Nachfrage und das Angebot. Dem muss sich jeder Selbstständige stellen.