Aktuell
Home | Lokales | Adendorf | Vorlesen quer durch Deutschland
Der Kinder- und Jugendbuchautor Stefan Gemmel im Kreise der Adendorfer Grundschüler  sein Ziel ist ein neuer Weltrekord. Foto: t&w
Der Kinder- und Jugendbuchautor Stefan Gemmel im Kreise der Adendorfer Grundschüler sein Ziel ist ein neuer Weltrekord. Foto: t&w

Vorlesen quer durch Deutschland

cb/pet Adendorf. Einen Weltrekord hat Kinderbuchautor Stefan Gemmel bereits in seinem Besitz: 2012 hielt er zwei Lesungen nacheinander vor fast 11000 Kindern ab — das hatte noch niemand geschafft. Seit dieser Woche ist der 35-Jährige aus Rheinland-Pfalz wieder auf Rekordjagd — in 16 Tagen will Gemmel in ganz Deutschland 80 Lesungen halten. Und 300 Kinder aus der Grundschule Adendorf sind Bestandteil der Weltbestleistung.

Drei Lesungen in Hamburg hat Gemmel schon hinter sich, als er mittags in Adendorf ankommt. Dort warten 292 Mädchen und Jungen in der Turnhalle am Weinbergsweg auf ihn. Die hat Clown Blankoh mit seiner Zaubershow schon in Stimmung gebracht. Jubel dann, als Stefan Gemmel in die Halle stürmt. Bei ihm: Eva Pfitzner, Geschäftsführerin der Leserattenservice GmbH, die Kinder und Jugendliche für das Lesen begeistern will, mit einem Tablet-PC, das die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden seit Beginn der Lesetour zählt.

„Schöner kann man nicht begrüßt werden“, freut sich Stefan Gemmel und verspricht den Kindern. „Ihr seid Teil der schnellsten Lesereise der Welt.“ Schnell gewinnt Gemmel die Mädchen und Jungen für sich: „Wer ist in der zweiten Klasse?“ 100 Hände gehen hoch. „Wer ist in der dritten Klasse?“ Noch einmal melden sich 100 Kinder. „Wer ist in der vierten Klasse?“ Wieder gehen 100 Hände nach oben. „Und welches ist die coolste Klasse?“ Alle Hände schnellen nach oben.

Die Leserförderung ist großes Anliegen von Stefan Gemmel, dessen Bücher schon in 19 Sprachen übersetzt wurden. 2007 wurde er für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet — mit 27 Jahren und als einer der jüngsten Deutschen überhaupt. In Sachen Lesen hat er die jungen Adendorfer auf seiner Seite: „Wer liest denn gern?“, fragt er in die Runde — und fast alle melden sich. „Und wer findet lesen total bescheuert?“ Wenige Kinder trauen sich, die Hand zu heben.

Das Rekord-Institut Deutschland hat Gemmel feste Regeln für seinen Rekord gegeben. So muss jede der 80 Lesungen mindestens eine Stunde dauern, Zeugen müssen die Lesung bestätigen, und in jedem der 16 Bundesländer muss der Autor mindestens drei Lesungen halten. Auch für die Kinder in Adendorf stellt Gemmel Regeln auf. „Erstens, ihr müsst zuhören. Zweitens: ihr müsst aber auch wirklich zuhören. Und Drittens: ihr müsst aber auch ganz, ganz, ganz wirklich zuhören.“

Gemmel: „Noch einmal alle aufstehen, sich recken und strecken. Und dann geht es los mit der Lesung aus „Im Zeichen der Zauberkugel — Das Abenteuer beginnt“, dem Buch, das der Autor extra für den Rekord geschrieben hat. Gebannt sind die Adendorfer Kinder dabei, als ihnen Stefan Gemmel vom zwölfjährigen Alex erzählt, der auf dem Dachboden seiner Großeltern eine Zauberkugel entdeckt. In der Kugel lebt Dschinn Sahli, der früher auch ein normaler Junge war und Alex nun drei Wünsche erfüllt — das bleibt nicht ohne Folgen.

Stefan Gemmels Weltrekord von 2012 fand Eingang ins das Guinness Buch der Rekorde, in diesem Jahr wird sein Rekord vom „Rekord Institut Deutschland“ registriert. Das hatte unter anderem Olaf Kuchenbecker, mehr als zehn Jahre Chefredakteur der deutschen Ausgabe des „Guinness Buch der Rekorde“, 2014 gegründet. Damals war das deutsche Büro von „Guinness World Records“ geschlossen worden. Präsentiert werden die Rekorde auf www.rekord-institut.de.

Christine Thun von der Adendorfer Bücherstube, Dörte Christensen von der Bücherei am Rathausplatz und Schulleiterin Gesa Johannsen hatten die Lesung möglich gemacht — viel Zeit zum Plaudern hatte Stefan Gemmel nach seiner Lesung nicht mehr: Von Adendorf aus ging es weiter nach Lauenburg, Ratzeburg, Scharbeutz an der Ostsee.