Mittwoch , 28. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Adendorf | Zwergtaucher trifft Golfer
3498328.jpg

Zwergtaucher trifft Golfer

rov Adendorf. Auf den Spielbahnen in Adendorf sind nicht nur Sportler mit Golfbags unterwegs: Der seltene Austernfischer brütet hier, die Mosaikjungfer fliegt über die Teiche, und nachts treibt hier der Blutbär sein Unwesen. Aber nicht nur Vögel, Libellen und Falter haben auf dem Golfplatz in Adendorf einen Lebensraum gefunden. Viele Amphibien, Reptilien, Insekten und eine große Anzahl von Pflanzen sind hier zu Hause. Viele stehen auf der roten Liste, sind also vom Aussterben bedroht.

„Golf im Einklang mit der Natur im Golf Resort Adendorf“ lautet der Titel einer Untersuchung des Lüneburger NABU (Naturschutzbund Deutschland), die jetzt vorgestellt wurde. Demnach ist der 70 Hektar große Golfplatz für viele seltene Tiere und Pflanzen ein Ort geworden, an dem sie überleben und sich vermehren können. „Vor 20 Jahren hätte man sich nicht vorstellen können, dass NABU und Golfclub gemeinsam an einem Tisch sitzen“, sagte Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack vor rund 70 Naturinteressierten im Castanea Resort Hotel in Adendorf.

Die letzte Untersuchung dieser Art habe es 2010 gegeben, „und seitdem ist viel passiert“, erklärte der Ökologe Karl-Wilhelm Kirsch, der das Projekt wissenschaftlich begleitet hat. Laut der Untersuchung gab es 2010 auf dem Golfplatz 102 Arten, wovon 55 besonders geschützt sind, 2012/2013 zählten die NABU-Helfer 143 Arten, 71 stehen auf der roten Liste. „Sogar der Zwergtaucher brütet hier“, freut sich Kirsch. Der faustgroße Vogel ist in Niedersachsen sonst kaum noch zu entdecken. „Und die Kothäufchen der Regenwürmer, die es auf den Spielbahnen gibt, die finden sie sonst auf kaum einem Acker“, so der Wissenschaftler weiter. Vor dem Golfplatz-Bau sei das Areal ein Acker gewesen mit wenig individuellen Lebensräumen für Flora und Fauna.

Thomas Garner vom Bundesamt für Naturschutz war extra aus Bonn zur Informationsveranstaltung angereist. „Aus intensiver landwirtschaftlicher Nutzung einen Golfplatz zu machen, ist immer noch besser, als wenn er in einem Naturschutzgebiet gebaut wird“, erklärte der Bundesbeamte. Das Golf Resort in Adendorf sei ein gutes Beispiel dafür, wie Golfclubs in die Landschaft integriert werden können.

So werden auch Disteln auf den künstlich angelegten Hügeln und in den Senken nicht abgemäht. Das ist gut für Bienen und andere Insekten. Auch profitiert die Artenvielfalt davon, dass die Grünflächen in unterschiedlichen Höhen gemäht werden. Biotope und künstliche Fließgewässer helfen der Tier- und Pflanzenwelt, und über die Streuobstwiesen freut sich auch der eine oder andere Golfer, wenn er über den Platz läuft, erklärte Clubmanagerin Marion groß Osterhues. Vogelnester an den Gebäuden auf dem Areal bleiben hängen, unter anderem nisten Mehlschwalben und Sperber.

Noch weiter vorangetrieben werden könnte die Artenvielfalt durch Schwalbenhotels, lautet eine Empfehlung des Wissenschaftlers Kirsch. Und NABU-Kreis-Vorsitzender Thomas Mitschke erklärte, dass als nächstes Wildbienen auf dem Areal angesiedelt werden. Schon bald sollen die Blütenbestäuber Schutz in den Insektenhotels finden. „Wir wollen das Projekt mit unseren Kindern und Jugendlichen aus dem Golf Resort im Herbst angehen“, erklärte groß Osterhues vom Golf Resort Adendorf.