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Emma (10), Jana (9) und Emma (10, v.l.) vertreten als Hofdamen Amelinghausens Heidekönigin und helfen beim Entkusseln in der Schwindebecker Heide. Sie reißen Kiefern aus, damit aus der Heide kein Wald wird. Foto: t&w
Emma (10), Jana (9) und Emma (10, v.l.) vertreten als Hofdamen Amelinghausens Heidekönigin und helfen beim Entkusseln in der Schwindebecker Heide. Sie reißen Kiefern aus, damit aus der Heide kein Wald wird. Foto: t&w

„Ich sag‘ nichts, ich will entkusseln“

dth Amelinghausen/Südergellersen. Rund 550 Teilnehmer packten am Freitag und Sonnabend beim 3. Naturpark-Tag an und halfen an 27 Orten in der Lüneburger Heide bei der Landschaftspflege. „Schulklassen, Betriebe, Vereine und Privatpersonen von Groß bis Klein engagierten sich trotz herbstlichen Wetters unermüdlich für die Pflege der Heidelandschaft“, sagte Hilke Feddersen, Geschäftsführerin des Naturparks Lüneburger Heide, zufrieden.

In Bispingen halfen beim Entkusseln der Heide zudem 50 Soldaten des Panzerlehrbataillons 93 aus Munster und in Hanstedt griff Schirmherrin Alida Gundlach ebenfalls zum Spaten. Die beiden Aktionen im Landkreis Lüneburg, in Amelinghausen und Südergellersen, besuchte unterdessen die niedersächsische Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz, die unter anderem einer Schleiereule die Freiheit schenkte.

Zu Beginn der Aktion in der Samtgemeinde Amelinghausen winkte Staatssekretärin Kottwitz auf die Bitte, ein Grußwort zu sprechen, ab: „Ich sag‘ nichts, ich will entkusseln.“

Insgesamt zwei Hektar befreiten die rund 30 Helfer in der Schwindebecker Heide von Birken- und Kiefernsetzlingen. Der Lüneburger Umweltfachmann Burkhard Jäkel leitete die Aktion an, mahnte aber: „Wir wollen hier keine Hermann-Löns-Gedächtnisheide schaffen.“ Anstatt eine ringsum kahle Heidelandschaft herzustellen, sollten gezielt einige Kiefern stehen gelassen werden, die sich in den nächsten 30 Jahren zu sogenannten „Heidkiekern“ entwickeln werden: Solitärbäume, die in der Heidelandschaft als Hingucker wirken.

Dennoch mussten einige bereits mehrjährige Bäume weichen. Dafür griff Forstfachmann Heinrich Matzke beherzt zur Motorsäge. Der Drögennindorfer, der zu den Gründungsmitgliedern des Amelinghausener Landschaftspflegevereins „RegioKult“ zählt, nahm zum wiederholten Mal beim Naturpark-Tag teil: „Das Schöne ist, dass hier viele Leute gemeinsam in ihrer Heimat etwas Sinnvolles für die Pflege der Kulturlandschaft tun.“

Und auch an die Tierwelt wurden gedacht. Zum Abschluss der Aktion in Schwindebeck stapelten die Helfer größere Steinhaufen „als neue Strukturelemente für die Förderung von Reptilien“. Fachmann Ortwin Harms sagte: „Hier können Eidechsen und Schlangen überwintern und haben gute Versteckmöglichkeiten. Allen voran die Schlingnatter, das Reptil des Jahres 2014.“

Versteckt hatte sich, anders als in Schwindebeck, die Sonne während der Aktion in Südergellersen: Vom Regen durchnässt ackerten sich die Helfer dort regelrecht durch den Bürgerwald im Naherholungsgebiet Hambörn, um einerseits die Spuren einer Wildschweinrotte zu beseitigen, die dort gewühlt hatte, und um andererseits einen rund 200 Meter langen Holzhackschnitzel-Weg wiederherzustellen, den sich die Natur in den vergangenen Jahren zurückgeholt hatte. Kräftig mit angepackt hat dabei auch eine sechsköpfige Truppe der Jugendfeuerwehr Südergellersen sowie Gustav Isermann mit seinem Schwiegersohn Dietmar Gehrke, der als Kreisarchäologe meist nur Grabungen in anderen Zusammenhängen kennt. Und Sigurd und Mareile Dobbertin nutzten die Gelegenheit, im Bürgerwald eine junge Eiche anlässliche ihrer Silberhochzeit vor wenigen Tagen zu pflanzen. Beim Pflanzen packte auch Jürgen Krumböhmer an, Lüneburgs Erster Kreisrat und stellvertretender Vorsitzender des Naturparks: „Wenn ein Beamter erst richtig in Fahrt kommt, ist er nicht mehr zu stoppen.“

Nicht mehr zu stoppen war auch eine Schleiereule, die Ralf Neumann von der „Wildtierhilfe Lüneburger Heide“ zur Auswilderung mitgebracht hatte: „Das Tier haben wir verletzt bei Amelinghausen gefunden und wieder aufgepäppelt.“ Gellerserns Verwaltungschef Josef Röttgers, der zwischenzeitlich auch zur Harke griff, kommentierte das aus dem Hintergrund: „Auch wenn sie aus Amelinghausen kommt, wird sie sich in Gellersen wohlfühlen.“ Den Schubs in die Freiheit gab dem Tier Staatssekretärin Kottwitz, die nach Hannover den Eindruck mitnimmt, „dass in der Lüneburger Heide sich viele Menschen mit guter Laune und Begeisterung für ihre Heimat engagieren“. Deshalb steht für Naturpark-Geschäftsführerin Hilke Feddersen fest: „Es wird einen vierten Naturpark-Tag geben.“ Der Termin steht schon: Sonnabend, 8. November 2014.