Mittwoch , 28. September 2016
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Fragen sich, warum der Kreis für das Vogelhaus eine Baugenehmigung will: Amelinghausens Bauamtsleiter Michael Göbel (v.l.), Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker und Erbauer Oliver Wegener. Foto: t&w
Fragen sich, warum der Kreis für das Vogelhaus eine Baugenehmigung will: Amelinghausens Bauamtsleiter Michael Göbel (v.l.), Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker und Erbauer Oliver Wegener. Foto: t&w

Schwalbenhotel als Schwarzbau ?

dth Amelinghausen/Melbeck. „Ich bin zwar keine Schwalbe, aber mir gefällt’s“, sagt Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker gestern bei der Errichtung des Schwalbenhotels am Waldbad. Bei dem neuen Vogelhaus dürfte es sich nach Ansicht des Landkreises aber um einen Schwarzbau handeln. Der Kreis verlangt nämlich für die neue Nistmöglichkeit von Schwalben und Fledermäusen eine Baugenehmigung. Was das nun für das bereits im Auftrag der Kommune errichtete Vogelhaus bedeutet, ist noch unklar. Melbeck hat sich gestern ebenfalls ein Schwalbenhotel gleicher Bauart in Kooperation mit dem Naturpark Lüneburger Heide aufstellen lassen. „Uns hat man schon eine mündliche Baugenehmigung ausgesprochen“, versichern Jürgen Stebani, Bürgermeister der Samtgemeinde Ilmenau, und Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner.

Der Fachdienst Bauen des Kreises Lüneburg teilte der Samtgemeinde Amelinghausen vergangene Woche zum Thema „Errichtung eines Schwalbenhauses“ mit: „Der Landkreis Lüneburg als zuständige Bauaufsichtsbehörde ist derzeit nicht in der Lage, die Prüfung der bautechnischen Nachweise (…) im Hause vorzunehmen. Der Auftrag wurde daher einem Prüfingenieur erteilt.“

Daraufhin antwortete Amelinghausens Verwaltungschef Völker via E-Mail an die zuständige Lüneburger Kreisrätin Monika Scherf: „Jetzt wird die Sache aber richtig lustig: Für unser Schwalbenhäuschen wird ein externes Büro für die bautechnische Prüfung beauftragt. Damit entstehen uns nun weitere Kosten im Rahmen dieses ‚wohl überhaupt nicht notwendigen Baugenehmigungsverfahrens‘. Oder warum dürfen die Schwalbenhäuser innerhalb des Naturparks Lüneburger Heide in den Landkreisen Heidekreis und Harburg ohne Baugenehmigungen aufgebaut werden?“

Die Schwalbenhotels in Amelinghausen und Melbeck sind Nummer acht und neun, die in den vergangenen Wochen in der Naturparkregion Lüneburger Heide errichtet wurden. So im Kreis Harburg in Seppensen, Jesteburg, Hanstedt und Marxen sowie im Heidekreis zwei Stück in Bispingen und eines in Schneverdingen. Die dort zuständigen Landkreise folgten auch der Argumentation des Erbauers Oliver Wegener, dass es sich bei dem 2,5 mal 2,5 Meter großen Vogelhaus auf einem Mast mit bis zu fünf Metern Höhe um ein „Gestaltungselement für Garten- und Parkanlagen“ handelt. Auch der Landkreis Harburg sieht laut Kreissprecher Johannes Freudewald „keinen Anlass für eine Baugenehmigung“. Die sei bei Mast- oder Antennenanlagen erst ab einer Höhe von mehr als zehn Metern erforderlich. Beim Kreis Lüneburg liegt die Schmerzgrenze auf Nachfrage offenbar bei fünf Metern. Kreissprecherin Elena Bartels sagt: „Uns reicht es auch aus, wenn im Bauantrag belegt ist, dass sich vorher ein Experte mit der Statik befasst hat.“

Unstrittig ist jedenfalls, dass die Schwalbenhotels im Rahmen des Naturpark-Projektes „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ von EU und Land mit 80 Prozent der Kosten von jeweils maximal 9000 Euro gefördert werden, sagt Hilke Feddersen, Geschäftsführerin des Naturparks Lüneburger Heide. Die in Amelinghausen am Waldbad sowie in Melbeck beim Biotop Billerbeck (Ätzberg) aufgestellten Schwalbenhotels bieten laut dem hessischen Erbauer Wegener zunächst 48 vorgefertigte Schwalbennester sowie vier integrierte Nistkästen für Fledermäuse. Für die Betreuung des Melbecker Schwalbenhotels hat die Jugendfeuerwehr Melbeck die Patenschaft übernommen.

Ein Video vom Schwalbenhotel-Bau gibt es unter www.facebook.com/landeszeitung

2 Kommentare

  1. Die Aktion mit den Schwalbenhotels ist echt eine gute Sache! Schade, dass die Baubehörde das nicht erkennt…

  2. Der Bau eines Schwalbenhotels muss natürlich seitens des Landkreises genau geprüft werden, eine bautechnische Überprüfung ist unbedingt erforderlich. Man könnte auch ein Gutachten/mehrere Gutachten in Auftrag geben.
    Mal wieder eine erstklassige Lachnummer (wenn das nicht so traurig wäre….)
    Es ist bei uns nun mal einfacher, viele Biogasanlagen genehmigt zu bekommen oder Vorrangflächen für Windkrafträder 800 m von bewohnten Häusern auszuweisen.