Donnerstag , 29. September 2016
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Bei der Neuauflage des Forums Gemeinsam Leben tauschen sich Helfer und Asylbewerber aus. Foto: t&w
Bei der Neuauflage des Forums Gemeinsam Leben tauschen sich Helfer und Asylbewerber aus. Foto: t&w

Heidjer suchen Paten für Flüchtlinge

dth Amelinghausen. Es ist ein tiefer Ausdruck bürgerschaftlichen Engagements. Und sie springen dort ein, wo die Behörden an ihre Grenzen stoßen: Bei der Neuauflage des Forums „Gemeinsam Leben in Amelinghausen“ dokumentierten im Rathaus jetzt rund 50 Amelinghausener ihren Willen, den mehr 25 Flüchtlingen und Asylbewerbern in ihren Dörfern zu helfen, sie zu integrieren, ein lebenswertes Umfeld zu schaffen und im äußersten Fall mit anwaltlichem Beistand vor einer Abschiebung zu bewahren. Weil der Kommune bei vielen rechtlichen Fragen die Hände gebunden sind, ruft Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker deshalb die Einwohner auf, sich als Paten und Begleiter für die Menschen zur Verfügung stellen, die ihre Heimatländer wegen Krieg und Verfolgung hinter sich gelassen haben.

Gebündelt und koordiniert werden die Anstrengungen im „Ameling-Haus“ der „Hans Hedder Bürgerstiftung Amelinghausen“ (Gärtnerweg 2), künftig werden dort dazu offene Treffen freitags ab 15.30 Uhr angeboten. Bei der Versammlung am vergangenen Freitag im Rathaus fand Stephan Kuns vom Sozialraum-Büro lobende Worte für das bereits stattfindende Engagement. So ließen Einwohner die Asylbewerber an ihrem Leben teilhaben, gehen mit ihnen einkaufen, verbringen Freizeit mit ihnen. Sportvereine ermöglichen Asylbewerbern die Teilnahme an ihren Programmen. Und die ehrenamtliche Initiative „Unser Lädchen“ vermittelt beispielsweise Sportsachen und unterstützt die Flüchtlinge auch in anderen Lebensfragen. Kuns: „Außerdem haben sich mehr als 15 Bürgerinnen und Bürger gefunden, die den Asylbewerbern im Ameling-Haus zusätzlich Deutschunterricht geben.“ Das soll die Basis sein für ein größeres Netzwerk.

Zu den ehrenamtlichen Deutschlehrern zählt auch Regina Rheinwald, die vor nicht allzu langer Zeit von Hamburg nach Soderstorf gezogen ist. Auch sie meldete sich beim Forum zu Wort: „Ich bin beeindruckt von der Offenheit und Herzlichkeit nicht nur von den Bürgern hier, sondern auch von der Kommune.“ Ein Lob, dem sich Karin Kuntze vom Bildungs- und Integrationsbüro von Stadt und Landkreis Lüneburg ausdrücklich anschloss. Sie verfolgte das Forum interessehalber und half, in dem Dialog zwischen Asylbewerbern und Einheimischen zu vermitteln.

So wie der 29 Jahre alte Sudanese El-Hadi Adam Ali, der als Flüchtling derzeit in Scharnebeck untergebracht ist, und beim Forum für die anderen Flüchtlinge aus dem Sudan ins Arabische übersetzte. Er formulierte stellvertretend den Dank an die Amelinghausener. Es sei schwer, seine Heimat zu verlassen und schrecklich, vor Krieg fliehen zu müssen. Umso glücklicher seien sie, in Amelinghausen solche Menschen gefunden zu haben, die sich ihrer annähmen.

Der Lüneburger Rechtsanwalt Mohammad Daoud Karimi stand an dem Nachmittag zudem Rede und Antwort zum Asylrecht. Viele Einwohner fragten, wie sie die Flüchtlinge beispielsweise vor einer Abschiebung nach Italien bewahren könnten, wo die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft zuerst registriert wurden. Dort befürchten nämlich die betroffenen Asylbewerber aus dem Sudan wieder auf der Straße zu leben zu müssen. Einer sagte: „Lieber gehe ich ins Gefängnis.“ Karimi betonte immer wieder, dass immer der Einzelfall geprüft werden müsse und dafür sei eben Rechtsbeistand notwendig.

Dazu sagte Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker: „Wir als Kommune können und dürfen da nichts machen aber wir können als Gemeinschaft etwas bewirken.“ Deswegen habe er jetzt nicht als Samtgemeindebürgermeister, sondern als Privatperson handeln müssen, als am Donnerstag drei der sudanesischen Gäste die Abschiebungsanordnung zugestellt wurde. Völker: „Sogar als Deutscher hat man seine Mühe, diese Regelungen zu verstehen. Zwar können die Betroffenen gegen die Anordnung klagen. Die Klage hat aber keine aufschiebende Wirkung für die Abschiebung.“ Die aufschiebende Wirkung muss separat beim zuständigen Verwaltungsgericht innerhalb einer Woche beantragt werden.

Damit die Sudanesen „nicht zum Spielball deutscher und europäischer Behörden werden“, haben Helmut und Renate Völker jetzt einen Anwalt eingeschaltet. Völker: „Wir hoffen auf weitere Mitbürger, die uns unterstützen und bereit sind, weitere Fälle anwaltlich begleiten zu lassen.“

Wer helfen möchte, als Pate oder Begleiter im Alltag oder mit Spenden, wendet sich an Stephan Kuns unter der Telefonnummer04132/933475 oder an Helmut Völker unter04132/920922.