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Rund 160 Zuhörer verfolgten gestern den Gastvortrag von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) im Gasthaus Schenck in Amelinghausen. Foto: t&w
Rund 160 Zuhörer verfolgten gestern den Gastvortrag von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) im Gasthaus Schenck in Amelinghausen. Foto: t&w

Isegrim stiehlt Minister die Show

off Amelinghausen. Hoher Besuch bei der Kreisversammlung des Bauernverbandes Nordostniedersachsen. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) höchstpersönlich hielt gestern Nachmittag im Gasthaus Schenck in Amelinghausen vor rund 160 Zuhörern den Gastvortrag „Ansprüche an die Fläche Schutz und Nutzung“. Ein Thema, das sich trocken anhört, Landwirte aber seit Jahren beschäftigt. Doch stärker noch als die zunehmende Flächenkonkurrenz bewegte die anwesenden Landwirte gestern offenbar ein anderes Thema: die Rückkehr des Wolfes.

Viele Landwirte und Pferdehalter fürchten Isegrim, in seinem Bericht wies Kreislandwirt Jens Wischmann noch einmal deutlich darauf hin: „Mit dem Wolf lebt hier wieder ein Tier, das uns töten könnte.“ Die Fachleute im Umweltministerium hat das Interesse an dem Thema offenbar nicht weiter überrascht. Denn neben dem Minister und seinem Sprecher war auch Melina Heinrich aus Hannover angereist, die Artenschutz- und Wolfsexpertin im Ministerium.

Heinrich versuchte, die Zuhörer zu beschwichtigen. „Der Wolf ist kein gefährliches Tier, wenn auch mit Vorsicht zu genießen.“ In anderen Bundesländern lebten die Wölfe bereits seit Jahren, „und dort hat es bisher keine Unfälle mit Menschen gegeben“. Sollte sich ein Wolf trotzdem zu sehr an den Menschen gewöhnen oder andere Auffälligkeiten zeigen, „dann wird er gegebenenfalls auch weggefangen“, so Heinrich.

Auch Minister Wenzel ist überzeugt: „Der Wolf hat in der Regel mehr Angst vor uns als wir vor ihm.“ Sollte er wie bereits geschehen Nutztiere reißen, „werden wir auch weiterhin freiwillig Schadensersatz zahlen“, so Wenzel. Derzeit werde geprüft, wie der Vorgang beschleunigt werden könne. „Außerdem erarbeiten wir gerade eine Förderrichtlinie, die auch eine Bezuschussung von wolfssicheren Zäunen in bestimmten Regionen vorsieht.“

Keine Lösung parat hatte Wenzel indes für die zunehmende Flächenkonkurrenz in der Landwirtschaft. Seit Jahren ziehen die Pachtpreise für Land immer weiter an, die Gründe sieht Wenzel unter anderem im zunehmenden Anbau von Energiepflanzen. Gleichzeitig wolle man die Energiewende weiter vorantreiben. „Eine gigantische Herausforderung“, so Wenzel.

 Minister Wenzel ist überzeugt: "Der Wolf hat in der Regel mehr Angst vor uns als wir vor ihm."
Minister Wenzel ist überzeugt: „Der Wolf hat in der Regel mehr Angst vor uns als wir vor ihm.“

Lang ist auch die Wunschliste, die Jens Wischmann dem Umweltminister mit den auf den Weg gegeben hat. Eine Forderung des Kreislandwirts: Windkraftanlagen sollten auch in Waldgebieten zugelassen werden. Ein weiteres Anliegen: eine Lösung für die Ausbringung von Klärschlamm. „Fast 30 Jahre haben wir das hier ausgebracht und alles hat gut geklappt“, sagte Wischmann, „mit der neuen Landesregierung wird uns nun die Lagerung am Ackerrand unmöglich gemacht.“ Handlungsbedarf gebe es außerdem bei der Feldberegnung. „Um die auch in Zukunft sicherstellen zu können, müssten Projekte finanziert werden zum Anlegen von Regenwasserrückhaltebecken und die Wasserentnahme aus dem Elbeseiten-Kanal.

Und noch ein Thema, das die Gemüter in der Region erhitzen kann, brachte Wischmann auf den Tisch: den Hochwasserschutz. Seine Forderung: „Wenn hier Überflutungsflächen ausgewiesen werden, darf es keine schleichende Enteignung von Landwirten geben.“ Eine Sorge, die Wenzel zu zerstreuen suchte. „Wenn hier Polder angelegt werden sollten und ein Landwirt im Hochwasserfall vielleicht seine ganze Ernte verliert, gehört da natürlich auch eine Entschädigung zu.“

Wie viel Wenzel für die Landwirte im Kreis Lüneburg tatsächlich bewegen kann, blieb offen. Trotzdem war Wischmann zufrieden: „Mir war es wichtig, ihm unsere Gedanken und Anliegen nahe zu bringen.“ Und auch der Umweltminister betonte: „Wir sind bemüht, für Probleme im Dialog mit allen Beteiligen eine Lösung zu finden.“ Einstimmigkeit herrschte bei den Wahlen des Bauernverbandes Nordostniedersachsen. Einstimmig wurden die beiden Vorstandsmitglieder Hubertus Meyer und Werner Oldenburg wieder und Junglandwirt Tim Rechenberg neu als Gast in den Vorstand gewählt.