Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Heike Teismann beschäftigt sich viel mit Pflanzen. Sie isst jeden Tag Kräuter, macht daraus Tee, Tinkturen und Salben. Foto: t&w
Heike Teismann beschäftigt sich viel mit Pflanzen. Sie isst jeden Tag Kräuter, macht daraus Tee, Tinkturen und Salben. Foto: t&w

Unterwegs mit der Kräuterfrau

Schon als junges Mädchen nahm ihre Großmutter Heike Teismann regelmäßig zu Fahrradausflügen in die Natur mit. Sie zeigte ihrer damals achtjährigen Enkelin die heimischen Kräuter und machte sie mit Büchern über Pflanzenkunde vertraut. Seitdem hat Heike Teismann die Begeisterung für Pflanzen, deren Wirkung und Wesen nie wieder losgelassen. Und doch sollte es noch viele Jahre dauern, bis sie ihr Hobby zum Beruf machte. Seit Anfang dieses Jahres lebt die 49-jährige Münsterländerin in Rolfsen und gibt ihr Wissen bei Kräuterwanderungen weiter.

emi Amelinghausen. Ein sonniger Frühlingstag Ende April. Rund um den Amelinghausener Lopausee blühen Gänseblümchen und Löwenzahn. Mit ihren weißen und gelben Blütenblättern sind die Pflanzen im Gras nicht zu übersehen. Was sich aber neben ihnen am Wegesrand verbirgt, erfreut sich nicht immer großer Bekannt- oder gar Beliebtheit. Für die einen ist es lästiges Unkraut, für Heike Teismann Nahrungsmittel, Heilpflanze und Begleiter. Bei einer Kräuterwanderung will sie an diesem Tag unter anderem über Brennnessel, Giersch und Vogelmiere informieren. Vier Frauen im Alter um die 50 Jahre sind zum vereinbarten Ausgangspunkt gekommen.

Die kleine Gruppe bleibt schon nach wenigen Schritten an einer Wiese voller Gänseblümchen stehen. Heike Teismann pflückt ein paar Stengel und hält sie in die Runde. Gänseblümchen helfe, Traumata zu überstehen, bei Prellungen und Verstauchungen. Zudem sei es eine „gute Entgifterin“. „Jede Heilpflanze hat ein Wesen“, erklärt die 49-Jährige. „Unsere Vorfahren hatten einen intuitiven Zugang zu den Pflanzen und bestimmten ihre Wirkung auch anhand ihrer äußeren Kennzeichen.“

Besonders deutlich werde das an der Brennnessel: „Sie gilt als wehrhaft und hilft Menschen, die sich schlecht Grenzen setzen können.“ Ihre vielfältigen Wirkungs- und Verwendungsweisen faszinieren die Kräuterfrau: „Zur Linderung von Muskelverspannungen im Rücken kann man mit der Pflanze auf die betroffenen Partien schlagen. Außerdem sorgt sie als Haarwasser für Glanz, man kann Stoff daraus fertigen, sie als Dünger benutzen und man kann Brennnessel natürlich auch im Salat oder als Spinatersatz essen, Tee oder Smoothies daraus machen.“

Es sind genau diese ungeahnten Möglichkeiten, die Petra Weßling aus Betzendorf zur Teilnahme an der Kräuterwanderung veranlasst haben: „Warum sollte man Unkraut wegwerfen, wenn man es auch verwenden kann?“, fragt sie. Die 48-Jährige ärgert sich zunehmend über die Lebensmittelindustrie: „Ich habe genug davon, was uns alles als gesund verkauft wird und was überhaupt nicht gesund ist, sondern nur teuer. So vieles wächst kostenlos vor unserer Haustür.“

Dass selbst Giersch ­ Gartenfreunden als hartnäckiges Unkraut verhasst nützlich ist, überrascht die Frauen. Interessiert reiben sie seine Blätter zwischen den Fingern, ein leichter Geruch nach Petersilie breitet sich aus. Man könne Giersch problemlos verzehren, sagt Teismann, er sei gut gegen rheumatische Beschwerden, Gicht und Übersäuerung. Zuerst etwas skeptisch, dann immer mutiger probieren die Teilnehmerinnen Kraut um Kraut.

Nach anderthalb Stunden fahren die Frauen mit duftenden Händen und rosigen Wangen nach Hause. Auch wenn sie bei ihrer Kräuterwanderung nur ein paar Hundert Meter weit gekommen sind ihr Wissenszuwachs war ungleich größer.

Teismanns Kräuterwanderungen finden jeden 1. und 3. Sonntag, 16 bis 17.30 Uhr, in Lüneburg statt (Treffpunkt Rote Schleuse, Café Forsthaus), jeden Freitag, gleiche Zeit, in Amelinghausen (Lopausee, Seestübchen). Eine Anmeldung ist nicht nötig. Teilnahme: sieben Euro, Kinder sind frei.