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Ihre Heimat sind die Hochlagen Südamerikas. Doch auch in der Lüneburger Heide fühlen sich Lamas pudelwohl, sagt Dietmar Preißler (vorn). Der Natur- und Landschaftsführer bietet Trekking-Touren mit seinen neun Tieren an. Foto: t&w
Ihre Heimat sind die Hochlagen Südamerikas. Doch auch in der Lüneburger Heide fühlen sich Lamas pudelwohl, sagt Dietmar Preißler (vorn). Der Natur- und Landschaftsführer bietet Trekking-Touren mit seinen neun Tieren an. Foto: t&w

Da bleibt einem die Spucke weg

emi Amelinghausen. Der Schäferhund ist außer Rand und Band. Wie wild zerrt er an der Leine seiner Besitzerin, springt hoch und bellt. Was den Hund so aus der Fassung bringt, sind Lamas mitten in der Lüneburger Heide. Völlig unbeeindruckt von seinem Kläffen grasen die Tiere auf einer Wiese im Marxener Paradies. Mittagspause ist angesagt. Denn sowohl Lamas als auch Menschen haben schon einen ordentlichen Fußmarsch hinter sich. Sie sind mit Dietmar Preißler ab Oldendorf/Luhe zu einer Ganztages-Trekking-Tour durch die Heide aufgebrochen.

Jahrelang war Preißler, von Beruf Landwirt, auf einem Hof angestellt, auf dem psychisch Kranke betreut werden. Aber er wollte etwas Eigenes kreieren. „Eines Tages kam ein Bekannter von mir mit einem Lama an da hat es Klick gemacht. Eine Woche später war ich im Erzgebirge und habe meine ersten zwei Tiere gekauft.“ Das war 2010. Über die Jahre kamen immer mehr Lamas dazu. Heute sind es neun: Ein Hengst und acht Wallache im Alter zwischen vier und elf Jahren. Jeder Einzelne ist dem 59-Jährigen ans Herz gewachsen.

„Als Landwirt hatte ich schon viel Kontakt mit Tieren“, sagt Preißler. „Aber Lamas sind einfach so speziell: Sie sind neugierig und wachsam, haben aber auch ihren Stolz sie selbst bestimmen, wie viel Nähe sie zulassen wollen.“ Der jeweilige Charakter der Tiere zeigt sich auch bei der Trekking-Tour.

Der braun-weiß-gefleckte Beppo hat stets die Nase vorn und derjenige, der das Lama führt, mitunter Mühe, es im Zaum zu halten. Dietmar Preißler kennt die Eigenheiten seiner Tiere nur zu gut: „Beppo neigt dazu, die Führung zu bestimmen und macht ordentlich Tempo“, erzählt der ausgebildete Natur- und Landschaftsführer schmunzelnd. „Der Chef ist aber eigentlich Pedro. Das sieht man schon daran, wie lang er seinen Hals macht.“ Mit erhobenem Kopf überragt der Herdenälteste Preißler locker. Das elfjährige Lama fühlt sich dann am wohlsten, wenn es die anderen Tiere um sich herum weiß.

„Bei den Lamas gibt es eine ausgeprägte Rangordnung“, erklärt Preißler. Die Dominanz innerhalb der Herde wird durch Spucken ausgedrückt. „Wenn ein Tier sich bedrängt fühlt und seine Artgenossen auf Abstand halten will, spuckt es zuerst ganz dezent.“ Und wenn das nichts hilft? „Dann würgt es schon mal halb verdauten, übelriechenden Mageninhalt hoch.“

Auf Menschen spucken die Tiere zwar normalerweise nicht. Aber wer nicht schnell genug reagiert, kann schon mal eine Ladung abkriegen. Entsprechend vorsichtig sind die Teilnehmer zu Beginn der Tour. Die bis zu zwei Meter großen Tiere sind ganz schön respekteinflößend erst recht, wenn sich zwei in die Wolle kriegen. „Lamas haben oben und unten Reißzähne“, sagt Preißler. „Wenn die Tiere miteinander kämpfen, reißen sie ihrem Gegner auch schon mal Fleischstücke raus. Bei meinen Lamas ging es aber bisher zum Glück ohne Kämpfe ab.“

So friedlich wie die Tiere im Marxener Paradies grasen, kann man sich Kampfszenen ohnehin kaum vorstellen. Denn haben sich die Lamas erst einmal an den Menschen gewöhnt, der sie führt, lassen sie sich streicheln, kraulen und die Unterlippe massieren.

Die Herzen der Frauen erobern die flauschigen Vierbeiner im Sturm. Am Ende sind auch die Männer überzeugt. „Das war einzigartig“, berichtet Tobias Schüler strahlend. Dietmar Preißlers Konzept ist wieder einmal aufgegangen: „Mir ist wichtig, dass Natur, Mensch und Tier im Einklang sind.“ Der 59-Jährige hat etwas kreiert, womit er sich voll identifizieren kann. Es ist etwas ganz Eigenes.