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Professionell posiert Lara-Sophie Sebastian für den Fotografen. "Gerade sitzen und lächeln, das lernt man als Heidekönigin", sagt die 20-Jährige. Die Blumengeschenke zeugen vom nahenden Abschied. Fotos: t&w
Professionell posiert Lara-Sophie Sebastian für den Fotografen. "Gerade sitzen und lächeln, das lernt man als Heidekönigin", sagt die 20-Jährige. Die Blumengeschenke zeugen vom nahenden Abschied. Fotos: t&w

„Ich könnte noch eine Runde!“

emi Amelinghausen. Lara-Sophie Sebastian öffnet barfuß die Haustür. Ihre nackten Füße passen irgendwie nicht so recht zum übrigen Erscheinungsbild, dem akkurat gezogenen Lidstrich, den eleganten Ohrringen, dem perfekt frisierten Haar. „Möchten Sie einen Espresso oder Wasser?“, fragt die 20-Jährige noch im Eingangsbereich. Höflich, eloquent, geradezu makellos tritt die Amelinghausener Heidekönigin auch in der Öffentlichkeit auf. Im vergangenen Jahr wurde mit der Ernennung auf dem Kronsberg ihr Kindheitstraum wahr, bereits als Prinzessin und Hofdame hatte sie die größeren Majestäten angehimmelt. Nun geht der Mädchentraum für Lara-Sophie Sebastian zu Ende, ab Sonntag darf ihn ihre Nachfolgerin leben. „Der Schmerz ist groß“, sagt die scheidende Majestät. „Das Jahr war einfach so schön. Ich könnte noch eine Runde!“

Lara-Sophie Sebastian schiebt eine Blumenvase zur Seite und nimmt am Holztisch im Wohnzimmer Platz, das weiße Königinnenkleid hängt an der Tür. Auf der Tischplatte, dem Sideboard, dem Boden, überall lehnen Bilderrahmen zwischen Blumen in allen Formen und Farben. „Abschiedsgeschenke“, sagt die 20-Jährige, und schlägt die Augen nieder. Das ganze Wohnzimmer erinnert an ein Jahr voller Höhepunkte.

Das weiße Kleid der Amelinghausener Heidekönigin hängt zwar schon am Haken, doch noch hat Lara-Sophie Sebastian mit ihm ein paar Termine zu bestreiten.
Das weiße Kleid der Amelinghausener Heidekönigin hängt zwar schon am Haken, doch noch hat Lara-Sophie Sebastian mit ihm ein paar Termine zu bestreiten.

„Es fällt mir schwer, den besten Moment herauszugreifen“, sagt Lara-Sophie Sebastian. „Der Tag der Wahl und der Umzug waren mit am schönsten. Da hatte ich mit den Tränen zu kämpfen. Die Fahrt zur schwimmenden Bühne am letzten Samstag war auch überwältigend. Und ansonsten war es einfach die Vielzahl an Auftritten, ein positives Gefühl, wenn ich zurückblicke.“

Ein Jahr lang wurde Lara-Sophie Sebastian behandelt wie eine richtige Königin. „Immer hat mir jemand die Tür aufgehalten, den Schirm getragen. Bevor ich nur daran gedacht habe, dass ich Durst haben könnte, stand schon jemand mit dem Wasserglas neben mir.“ Schwierigkeiten, diese Privilegien aufzugeben, habe sie nicht: „Ich werde mich weiterhin freuen, wenn mir jemand die Autotür aufhält, aber ich bin nicht darauf angewiesen. Für mich unterstreichen diese Erlebnisse nur die Einzigartigkeit dieses Jahres.“

Rund 90 Termine Reisen, Bälle und Feste verlangten der Medizinstudentin aber auch einiges ab. Zwar habe sie alle Prüfungen bestanden, aber es sei „schon stressig“ gewesen. Umso mehr freue sie sich jetzt darauf, „einfach mal wieder einen ganzen Tag und eine ganze Nacht in der Bibliothek zu sitzen. Das macht unheimlich viel Spaß, man kann sich super konzentrieren.“

Nach wie vor sei Chirurgin ihr Traumberuf und großes Ziel. „Wenn alles glatt läuft, habe ich im Sommer 2017 mein Examen in der Tasche.“ Die Zeit als Heidekönigin habe ihr aber auch gezeigt, dass sie zusätzlich gern etwas in der Öffentlichkeit machen würde. „Ich habe Selbstvertrauen bekommen und gelernt, wie man Situationen managen kann.“

Nach dem Gespräch öffnet Lara-Sophie Sebastian barfuß die Haustür. „Hinfallen, aufrichten, Krönchen richten, weitergehen“ steht auf dem Fußabstreifer. Hingefallen ist die 20-Jährige bei ihren Auftritten als Heidekönigin nie. „Es gab keinen peinlichen Moment.“

Eine rundum makellose Jubiläumsmajestät? Lara-Sophie Sebastian winkt ab. „In den Augen kleiner Mädchen ist die Heidekönigin immer perfekt.“ Das mache schließlich auch den Reiz aus. „Wenn man das von klein auf mitbekommt, will man Königin werden.“