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Über ein neues Tourismuskonzept für die Oldendorfer Totenstatt denkt derzeit die Samtgemeinde Amelinghausen nach. Der Oldendorfer Gemeinderat entscheidet heute, wie weit die Entwicklung gehen soll. Foto: dth
Über ein neues Tourismuskonzept für die Oldendorfer Totenstatt denkt derzeit die Samtgemeinde Amelinghausen nach. Der Oldendorfer Gemeinderat entscheidet heute, wie weit die Entwicklung gehen soll. Foto: dth

Neues Konzept für die Totenstatt

dth Oldendorf/Amelinghausen. England hat Stonehenge, Oldendorf hat die Totenstatt. Beiden ist gemeinsam, als steinerne Zeugen der Vorgeschichte mehr als 5000 Jahre überdauert zu haben. Gegen den Bekanntheitsgrad der englischen Druidenstätte wird die Oldendorfer Totenstatt zwar nicht ankommen. Mit einem neuen Tourismuskonzept soll aber zumindest versucht werden, das Gräberfeld im Luhetal gemessen an seiner archäologischen Bedeutung für Besucher aufzuwerten. Bisher erstreckt sich die touristische Erschließung auf ein kleines Wegenetz, eine alte Wetterhütte und alte Schilder. Im Auftrag der Samtgemeinde Amelinghausen haben zwei Büros aus der Region bereits ein mögliches Konzept skizziert, das von seiner bloßen Aufhübschung der vorhandenen Anlage reicht bis hin zum Ausbau zu einem Freilichtmuseum mit zusätzlichen Erlebnis­angeboten.

Wie weit die Entwicklung gehen soll, liegt heute, 27. August, vor allem in den Händen des Gemeinderates Oldendorf/Luhe, der sich um 20 Uhr im Feuerwehrhaus Wetzen zu einer öffentlichen Gemeinderatssitzung zusammenfindet.

Foto: A.
Foto: A.

Im vergangenen Jahr hatte die Lüneburger Sparkassenstiftung der Samtgemeinde Amelinghausen 15000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zur Verfügung gestellt. Dazu haben Dr. Lars Wohlers vom Lüneburger Büro für Bildungs- und Erlebnisplanung Kon-Tiki sowie Dr. Frank Andraschko von „AGIL Büro für angewandte Archäologie“ die Köpfe zusammengesteckt. Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker sagt: „Formal ist die Samtgemeinde zuständig für Tourismus und Kulturförderung. Doch jetzt sind wir bei dem Projekt an einem Stand angekommen, bei dem wir wissen wollen, ob und in welchem Maße die örtliche Gemeinde sowie Einwohner und Vereine eine Weiterentwicklung wünschen und mittragen.“ Gegebenenfalls bräuchte die Machbarkeitsstudie, die bei einer Projektumsetzung auch zum Einwerben von Fördermitteln geeignet wäre, gar nicht weiter verfolgt zu werden. Dabei ist die bevorstehende neue EU-Förderkulisse erst ein Anreiz gewesen, die Neugestaltungspläne der Totenstatt wieder aus der Schublade zu holen.

Dabei knüpft das bisher skizzierte Konzept an Ideen an von Mitstreitern des Vereins zur Förderung des Archäologischen Museums Oldendorf/Luhe um den mittlerweile verstorbenen Oldendorfer Peter Cornils. Der hatte sich seinerzeit eine engere Verzahnung von Archäologischem Museum und Totenstatt gewünscht.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sorgt dafür schon Christel Wegener als Gästeführerin: „Von mir gibt es Führungen durch die Totenstatt nur, wenn sich die Besucher auch das Museum anschauen, in dem die Fundstücke ausgestellt sind.“ Michael Göbel vom Amelinghausener Bauamt nennt Beispiele, wie die Neugestaltung aussehen könnte, die über die Sicherung der Grabanlagen hinausgeht. „Es wäre denkbar, das Areal um die benachbarte Ackerfläche zu erweitern, um dort Bogenschießen anzubieten.“ Darüberhinaus schlagen die Planungsbüros vor, als zusätzliche Attraktion zwei Häuser nach steinzeitlichem Vorbild zu errichten, die als Lernort genutzt werden können. Hinzu kommen könnte ein Aussichtsturm in Palisadenumzäunung.

Vorbild ist der Steinzeitpark Dithmarschen, der mit verschiedenen Mitmachaktionen die Steinzeit erlebbar machen will. Hinzu kommen Überlegungen, ein vollständig begehbares Hünengrab zu rekonstruieren. Auch das Marketing soll überarbeitet werden bis hin zur Erstellung einer Totenstatt-App fürs Smartphone. Auch jährliche Veranstaltungen sind denkbar, von Theater- und Filmvorführungen bis zu einem „Tag als Steinzeitmensch“ inklusive Übernachtung in der Totenstatt. Göbel: „Die Frage ist, wie weit will man gehen?“

„Für die Ewigkeit“
„Das Besondere an der Oldendorfer Totenstatt ist die Tatsache, dass sich auf diesem Gelände Denkmäler aus allen Epochen der hiesigen Ur- und Frühgeschichte befunden haben oder noch befinden“, sagt auf LZ-Nachfrage Lüneburgs Kreisarchäologe Dietmar Gehrke. „Die ältesten sichtbaren Monumente sind die Großsteingräber der Jungsteinzeit, aber es gibt auch noch Funde aus der Zeit der Jäger und Sammler.“ Hinzu kommen Grabhügel aus der Bronzezeit sowie Urnenfriedhöfe aus der Zeit vor und nach Christi Geburt. Gehrke: „Die Oldendorfer Totenstatt steht stellvertretend für die Ur- und Frühgeschichte der Region um Lüneburg.“ Die Anlage umfasst eine Fläche von insgesamt rund vier Hektar. Unter dem Titel „Wohnungen für die Ewigkeit – 5700 Jahre Oldendorfer Totenstatt“ zeigt das Archäologische Museum in Oldendorf die Grabfunde der Totenstatt.