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Königspython Hewitt war vor fast 20 Jahren Andreas Haubners erste Anschaffung. Inzwischen hält der Amelinghausener 62 Schlangen. Fotos: t&w
Königspython Hewitt war vor fast 20 Jahren Andreas Haubners erste Anschaffung. Inzwischen hält der Amelinghausener 62 Schlangen. Fotos: t&w

Exoten im Blick +++ mit Fotogalerie

emi Amelinghausen. Katze, Hund und Hamster kann jeder. Bei den Deutschen liegen zunehmend Gecko, Schildkröte und Schlange im Trend. In rund 800000 Haushalten sollen im vergangenen Jahr Reptilien gehalten worden sein. Die Bundesregierung will die private Haltung exotischer Tiere deutschlandweit vereinheitlichen sowie das Geschäft mit ihnen verbieten: Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass gewerbliche Börsen für Exoten untersagt werden sollen. Einer, der von der neuen Regelung betroffen wäre, ist Andreas Haubner aus Amelinghausen. Seit gut neun Jahren veranstaltet der 44-Jährige die Reptilienbörse „Terra-Nord“, die am morgigen Sonntag, 7. September, in Bad Fallingbostel stattfindet.

Königspythons, Korn- und Hakennasennattern, eine Tigerpython und eine Indigonatter: 62 Tiere ringeln und schlängeln sich in den Terrarien und Boxen von Andreas Haubner. Seit knapp 20 Jahren züchtet der Vollziehungsbeamte des Finanzamts Schlangen. „Die Tiere üben eine Faszination auf mich aus, die sich schwer beschreiben lässt.“ Haubners Hobby ist längst zum lukrativen Nebenberuf geworden. Für bis zu 3000 Euro werden besonders schöne Exemplare auf der „Terra-Nord“ angeboten.

Dass die Bundesregierung dem Geschäft einen Riegel vorschieben möchte, kann Andreas Haubner nicht verstehen. „Auf einer Börse habe ich direkten Kontakt zum Züchter, der das Tier kennt. Gibt es keine Börsen mehr, werden die Tiere im Internet bestellt und per Post verschickt. Das ist nicht gut.“

95 Prozent der Reptilien bei der „Terra-Nord“ seien Nachzuchten. „Darauf achte ich, damit der Reptilienfang in den Herkunftsländern eingedämmt wird.“ Im Übrigen wollten Kunden ohnehin keine Importe mehr: „Denn bei den Nachzuchten wissen sie, dass die Tiere keinen Transportstress hatten und dass sie keine Krankheiten einschleppen.“

Die Exotenhaltung komplett abzuschaffen, wie einige Tierschützer fordern, hält der 44-Jährige für „Quatsch“: „Man kann den Leuten nicht die Tiere wegnehmen, die haben ja auch einen gewissen Wert.“ Die meisten würden sowieso im stillen Kämmerlein weiterzüchten, glaubt Andreas Haubner, „und dann hat man eine hohe Dunkelziffer“. Allerdings ärgert sich auch der Amelinghausener über manchen Halter.

„Zum Beispiel Leute, die einen Badagam für zehn Euro kaufen und sich keine Gedanken über die Folgekosten für Terrarium, Lampe, Futter und Strom machen.“ Oder die, die ihre Tiere entwischen lassen. „Denn die bringen alle Halter in Verruf.“ Sinnvoll fände Andreas Haubner deshalb die Einführung eines Sachkundenachweises. Damit sich jeder intensiv mit Tierhaltung auseinandersetzen muss. Laut Studien stirbt mehr als jedes zweite Reptil im Terrarium wegen Haltungsfehlern.

Die Reptilienbörse „Terra-Nord“ öffnet an diesem Sonntag, 7. September, um 10 Uhr in der Heidmarkhalle, Bad Fallingbostel.

Übrigens . . .
In der niederländischen Stadt Drimmelen ist die Aufregung derzeit groß. Eine hochgiftige Kap-Kobra ist entkommen – und versetzt Behörden und Bevölkerung in Alarmbereitschaft. Kein Einzelfall und ein Grund, warum Nordrhein-Westfalen aktuell ein Verbot gefährlicher Haustiere wie Schlangen und Giftspinnen plant. Niedersachsen hat die Haltung gefährlicher Tiere bereits geregelt – in der Gefahrtier-Verordnung, kurz GefTVO, vom 5. Juli 2000. Danach ist es verboten, „nicht gewerblich Giftschlangen . . .  Giftechsen, tropische Giftspinnen und giftige Skorpione zu halten. Der Kreis kann eine Ausnahme erteilen, wenn „durch die Haltung des gefährlichen Tieres im Einzelfall keine Gefahr für Dritte entsteht und gewährleistet ist, dass der Tierhalter . . . festgelegte Gegenmittel und Behandlungsempfehlungen bereithält.“ Der Kreis Lüneburg hat aktuell für 13 Giftspinnen eine Ausnahme erteilt, wobei unklar ist, wie hoch die Dunkelziffer ist. Genehmigungspflichtig ist zudem die nicht gewerbliche Haltung 13 weiterer gefährlicher Tierarten. Die Genehmigung ist zu erteilen, „wenn durch die Tierhaltung im Einzelfall die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet wird“. Folgende Tierarten sind in Niedersachsen genehmigungspflichtig: Großkatzen wie Löwe oder Tiger, Puma, Luchse, Serval, Gepard, Nebelparder, Ozelot, Affen (Primaten), Wolf, Bären, Echte Krokodile, Alligatoren und Kaimane sowie der Gavial. off

 

One comment

  1. „Laut Studien stirbt mehr als jedes zweite Reptil im Terrarium wegen Haltungsfehlern.“

    Diese Aussage ist entweder schlampig recherchiert oder blind / bewusst von sogenannten Tierrechtsorganisationen übernommen worden. PETA macht mit dieser Aussage seit Jahren Propaganda gegen die Exotenhaltung. Die Hintergründe gestalten sich jedoch folgendermaßen: Laut einer Studie der Uni Leipzig aus dem Jahre 2008 starben zwar tatsächlich 51 % der untersuchten Tiere aufgrund von Haltungsfehlern. Untersucht wurden allerdings nur Tiere, die bei ihren Haltern im ersten Jahr verstorben waren. Also nur eine spezielle Vorauswahl. Das bei dieser der Anteil entsprechend hoch ist, ist irgendwie auch logisch. Das würde bei klassischen Kleintieren bei einer derartigen Vorauswahl nicht anders aussehen. Exotische Terrarientiere, die bereits seit vielen Jahren oder gar Jahrzehnten erfolgreich in Privathand gehalten werden (und die den Großteil des Bestandes in deutschen Terrarien ausmachen), wurden in dieser Studie überhaupt gar nicht abgebildet! Die hier wiederholte Aussage von PETA, dass die Hälfte ALLER Reptilien aufgrund von falscher Haltung stirbt, ist somit vollkommen falsch und wird von der Studie nicht gestützt. Hier wäre eine Korrektur des Artikels anzuraten.

    Wenn in einem Hospiz über die Hälfte der Patienten im ersten Jahr an Krebs stirbt, leidet deswegen doch noch nicht gleich die halbe deutsche Bevölkerung an Krebs. Derartige Übertragungen von Ergebnissen aus besonderen Einzelfallsituationen auf die Gesamtheit sind schlichtweg unwissenschaftlich und sollten in den Medien nicht ständig ohne Hintergrundrecherche wiederholt werden.