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Sie sind bereits seit 40 beziehungsweise seit 50 Jahren Mitglied in der CDU. Dafür wurden sie nun geehrt. Kreisvorsitzender Günter Dubber (l.) und MdB Eckhard Pols (r.) gratulieren. Foto: kre
Sie sind bereits seit 40 beziehungsweise seit 50 Jahren Mitglied in der CDU. Dafür wurden sie nun geehrt. Kreisvorsitzender Günter Dubber (l.) und MdB Eckhard Pols (r.) gratulieren. Foto: kre

„Ignorieren ist das falsche Signal“

kre Amelinghausen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein Gefolgschaftsproblem: Zumindest, was den von der CDU-Bundesvorsitzenden vorgegebenen Kurs im Umgang mit der AfD angeht: „Die beste Antwort auf die AfD ist natürlich die gute Arbeit, die wir als Regierung leisten müssen dort, wo wir in Regierungsverantwortung sind“, so die Kanzlerin. Für die CDU-Vorsitzende ist der Aufstieg der AfD ohnehin ,,ein Problem aller Parteien“. Kurz: Merkel will die AfD am liebsten ignorieren.

Nun ist aber ihre Maxime nicht die der CDU-Basis im Landkreis Lüneburg. Deutlich wurde das am Freitagabend bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des CDU-Kreisverbandes. Der neugewählte Vorstand um den Vorsitzenden Günter Dubber hatte eingeladen, um über aktuelle politische Themen zu diskutieren. Über Inklusion und eben über den Umgang mit der ,,Alternative für Deutschland“, der AfD. 105 Parteifreunde waren der Einladung des Kreisvorstandes ins Gasthaus Schenck gefolgt. Für Dubber ein schöner Erfolg: ,,Dieser Zuspruch zeigt, dass wir unsere Parteifreunde auch dann motivieren können, wenn keine Kandidatenwahlen auf der Tagesordnung stehen.“

Lief die Diskussion beim Thema Inklusion eher noch etwas schleppend an, wurde sie dafür umso munterer, als es um die AfD ging: Im EU-Parlament und in den Landesparlamenten Sachsen, Thüringen und Brandenburg ist die ,,Alternative für Deutschland“ bereits vertreten. ,,Ich bin der Meinung, dass man eine solche Partei nicht einfach ignorieren kann“, glaubt auch der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols, auch wenn er persönlich die AfD nicht als möglichen Koalitionspartner für die CDU sieht: ,,Da gibt es Passagen im AfD-Parteiprogramm, die ich so nicht mittragen und unterstützen kann!“

Trotzdem: Pols machte in seinem Sachstandsbericht deutlich, dass die Truppe um den AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke mitnichten nur Wählerinnen und Wähler mit geringem Bildungsgrad anspreche: ,,Mehr als 60 Prozent der deutschen Manager haben keine Vorbehalte gegen die AfD, verorten die euroskeptische Partei im demokratischen Spektrum“, zitierte der Bundestagsabgeordnete das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Top-Managern, die das ,,Handelsblatt“ durchgeführt hatte.

Dass die AfD zudem bei den jüngsten Wahlen nicht nur Wählerinnen und Wähler von den etablierten Parteien zu sich ziehen konnte, sondern vor allem auch Tausende Nichtwähler mobilisierte, nimmt Pols ebenfalls sehr genau zur Kenntnis. 2016 sind Kommunalwahlen in Niedersachsen und der CDU-Bundestagsabgeordnete wagte am Freitagabend einen Blick in die Zukunft: ,,Ich gehe stark davon aus, dass FDP, Piraten- und die Rentnerpartei es nicht mehr in den Lüneburger Stadtrat schaffen werden, dafür aber die AfD einziehen wird.“ Pols weiter: ,,Wir müssen deshalb überlegen, wie wir jetzt schon mit der AfD und ihren Argumenten umgehen wollen!“

Ignorieren ist für viele Lüneburger Christdemokraten keine Option, im Gegenteil: ,,Parteien, egal welcher Couleur, die in demokratische Parlamente gewählt wurden, mit denen muss man sich politisch auseinandersetzen“, fordert nicht nur der Kreisvorsitzende der Christlich-Demokratischen-Arbeitnehmerschaft (CDA), Wolfgang-Peter Paul. ,,Ignorieren ist unter Demokraten nicht üblich“, findet auch CDU-Schatzmeister Felix Petersen.

Die Diskussion über die AfD für die Mitglieder des CDU-Kreisverbandes eine prima Gelegenheit, sich auch mit der ,,Vermarktung“ des eigenen politischen Profils auseinander zu setzen. „Weil wir uns als CDU zu wenig der echten Probleme der Bürger annehmen“, lautete ein vielfach geäußerter Vorwurf am Freitagabend. „Wenn Volker Kauder sich als Chef der CDU-Bundestagsfraktion hinstellt und die CDU als ,Europa-Partei lobt, dann ist das schön und gut“, machte ein CDU-Mitglied seinem Ärger Luft ,,ich würde mich aber vielmehr freuen, wenn er sagen würde, dass die CDU eine Volkspartei ist.“

„Wir müssen uns um das kümmern, was die Menschen bewegt“, forderte auch Wolfgang-Peter Paul nicht abgehoben über Haushaltszahlen und Verschuldung der Kommunen debattieren, sondern echte Probleme ansprechen.“

Möglichkeiten dazu gebe es genug: ,,Für bezahlbaren Wohnraum, für gute Schulen, eine gute Infrastruktur sorgen….“. Kurz: Dem Bürger dem Wähler wieder mehr ,,aufs Maul“ schauen. Dann klappe es mit der CDU-Politik.

Anträge und Ehrungen

Verabschiedet wurde während des CDU-Kreisparteitages ein Antrag zur geplanten Wahlkreis-Änderung. Einstimmig sprachen sich die Mitglieder dagegen aus, dass die Samtgemeinden Ilmenau und Amelinghausen künftig dem Wahlkreis 44 Soltau zugeschlagen werden sollen. ,,Dieser Vorschlag hinsichtlich der Neustrukturierung der Wahlkreise in Nordostniedersachsen ist nicht akzeptabel und geht an der Lebenswirklichkeit der Bürger vorbei“, heißt es in dem CDU-Papier. Stattdessen fordern die Lüneburger ihre Parteifreunde im Landtag auf, sich dafür einzusetzen, ,,dass die Samtgemeinde Amelinghausen im Wahlkreis Lüneburg verbleibt und die Samtgemeinde Ilmenau aus dem Wahlkreis 47 Uelzen wieder in den Wahlkreis Lüneburg zurückgeholt wird.“ Durch die Schaffung zweier neuer Wahlkreise im Landkreis sei dies möglich“ so die Unionspolitiker. Außerdem wurden Parteimitglieder geehrt. Für 50 Jahre: Georg Haenel und Dr. Peter Hennings, für 40 Jahre: Kurt Bobinger, Theodor Bross, Frank Gerstenkorn, Werner Griese, Walter Grickschat, Peter Gürtler, Günter-Martin Hauschildt, Wilhelm Kruse, Peter Monréal, Heinrich Moritz, Hans Müller, Klaus Olshof, Jürgen Putensen, Jürgen Struebe, Klaus-Peter Werner und Hans-Heinrich Wieckhorst.

10 Kommentare

  1. Jeder dritte Deutsche wünscht sich die AfD im Bundestag, wie die neueste Forsa-Umfrage im Auftrag des Stern ergeben hat. Allerdings ist jeder dritte Deutsche auch übergewichtig, psychisch krank, für die PKW-Maut und Single. Außerdem fürchtet er die Gefahr einer Immobilienblase, geht nie zum Friseur, nimmt sein Smartphone mit in den Urlaub und möchte unbedingt wissen, ob er später an Alzheimer erkrankt. Er würde gerne als Tourist ins Weltall fliegen, wäre aber bei unerwarteten, größeren Ausgaben sofort pleite und ist irgendwann in seinem Leben von Fußpilz betroffen. Prima, so hatte man sich diese Typen auch vorgestellt!

    Daß irgendjemand Eckhard Pols auf irgendeiner Ebene noch ernst nimmt, wurde nun vom Vatikan im Gasthaus Schenk (hinter der Tapetentür im oberen Stockwerk) als Wunder der Kategorie XI eingestuft (bedeutet: ein Wunder, bei dem man davon ausgeht, daß Gott bald sein Jahrtausende währendes Schweigen bricht, nur, um jede Beteiligung an diesem Wunder zu bestreiten).

  2. Klaus, was meinen Sie?

    “Wir müssen uns um das kümmern, was die Menschen bewegt”, forderte der Kreisvorsitzende der Christlich-Demokratischen-Arbeitnehmerschaft (CDA), Wolfgang-Peter Paul.

    Fangen Sie hier an, Herr Paul, Herr Pols und Herr Petersen: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/195796-ein-bitterer-sieg

    ,,Ich bin der Meinung, dass man so etwas nicht einfach ignorieren kann”, glaubt der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols.

    ,,Ignorieren ist unter Demokraten nicht üblich”, findet auch CDU-Schatzmeister Felix Petersen.

    • was ich meine? wenn ich das hier schreibe, wird es wahrscheinlich nicht veröffentlicht. in der politik haben wir viele wanderprediger. die sollten lieber auf dem jakobsweg unterwegs sein, als immer so zu tun, als ob sie für die bürger da währen.

  3. Kerstin Dörbächler

    Ich heiße zwar nicht Klaus, bin aber der Ansicht, dass die Herren Paul, Pols und Petersen sehr nah bei dem wären, „was die Menschen bewegt“, wenn sie sich für Frau Linda Sulimma einsetzten. Und die Herren Paul, Pols und Petersen hätten ebenfalls Recht, wenn sie bezüglich der unten (Links) aufzufindenden Ungeheuerlichkeiten ausriefen: „Ignorieren ist das falsche Signal !“

    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/153370-per-gericht-zur-angestellten

    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/195796-ein-bitterer-sieg

    http://www.alphabetisierung.de/fileadmin/files/Einladung_zur_Fortbildung_08_10_12doc.pdf

    Die Diskussion über Gesellschafter, Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Leitung der VHS Region Lüneburg und deren Umgang mit ihren Mitarbeitern wäre für die Mitglieder des CDU-Kreisverbandes mit Sicherheit „eine prima Gelegenheit, sich auch mit der ‚Vermarktung‘ des eigenen politischen Profils auseinander zu setzen“. Anstatt bis zu den niedersächsischen Kommunalwahlen von 2016 durch anhaltende Diskussionen in den Kreis-, Bezirks- und Landesverbänden der CDU kostenlose Dauerreklame für die AfD zu machen, wie Eckhard Pols vorschlägt, sollte man in der konkreten Sache „Sulimma“ beweisen, dass man noch weiß, wofür das Attribut „Christlich“ im Parteinamen steht.

  4. aber jetzt mal butter bei den fischen. dass obrige bild spricht bände. ich sehe nur frauen, upps, war wohl mehr der wunsch der vater des gedanken. diese altherrenriege hat innerhalb dieser partei das sagen. selbst mutti hat noch keinen zögling zugelassen. wer dem volk aufs maul schaut , wird so einiges zu hören bekommen. deswegen schaut man garnicht erst. das pfeifen im walde ersetzt keine politik. wenn cdu- abgeordnete eine andere meinung haben, hört man sie meistens nicht. woran das bloß liegt? wenn die cdu mit der afd den gleichen fehler macht, wie die spd mit den linken, dann gute nacht. rechts ist bei uns schon immer mehr los gewesen. ob parteien wirklich ein interesse an demokratie haben? ich habe meine zweifel. die kümmerlinge in unseren parteien, kümmern sich in erster linie um sich. wird gern abgestritten. ob sie für unseren allseits geliebten herrn pols schon einen aufsichtsratsposten vorgesehen haben? der gute herr paul sieht also keine echten probleme in der verschuldung der kommunen. kann ich verstehen, es ist ja nicht sein geld, oder doch? tja, probleme verdrängen konnten politiker schon immer am besten von allen. sie sind ja auch die einzigen, die weiter schulden machen können, selbst wenn sie pleite sind. ob deswegen die vhs so klamm ist, weil die kommunen in wirklichkeit in geld schwimmen?

    • Ein „Kampfhund“ fehlt der CDU in Lüneburg. So hoffen viele auf die Rückkehr des früheren Doktors und Kultusministers Bernd Althusmann. Der 47-jährige Lüneburger hat nach dem Verlust seines Landtagsmandats die Stelle des Leiters der Konrad-Adenauer-Stiftung in Windhuk in Namibia angenommen. Das politische Geschick und das Gewicht in der eigenen Partei dürfte er für den erneuten Anlauf in der Landespolitik haben, er hält sich aber zurück, weil ja für 2017 auch ein CDU-Kandidat im Bundestagswahlkreis Lüchow-Dannenberg – Lüneburg gesucht wird.

      Zum Trauerspiel „VHS Lüneburg gegen Frau Linda Sulimma — Was sagt Birte Schellmann?“:

      Wolfgang Kubik verkündete gestern in der Welt: »Leute, die kein Selbstbewußtsein haben, verdienen es auch nicht, unterstützt zu werden.« Das war zwar auf die eigene Partei gemünzt, aber wenn man in zwanzig Jahren jemandem erklären müßte, wofür der politische Liberalismus stand und für welche Ziele und Werte er einst kämpfte, hätte man damit eigentlich alles beisammen.

      • der gute wolfgang verdient sein geld bei der beratung von steuerhinterziehern. das dürfte im moment seine einzige freiheit sein, die er sich leisten kann. liberalismus richtig gemacht, ist was feines. ist wie beim sozialismus. hand in hand wären beide mus am effektivsten. wurde leider vergessen. was kampfhunde in der politik angeht, die sind selten teamfähig. da überwiegt zu oft das selbstbewußtsein. na ja, kultusminister wird man ja nicht freiwillig. da hat man wohl bei einer sitzung den kleinsten streichholz gezogen. die cdu sollte sich mehr um den nachwuchs kümmern. alter wein in neuen schläuchen verkauft sich nicht gut. dieses trifft auch für die fdp zu. überhaupt hat die politik ein nachwuchsproblem. warum wohl?

  5. Wie verräterisch:

    Die CDU will sich „der echten Probleme der Bürger annehmen“, allein weil das eine prima Methode ist, das eigene politischen Profil zu „vermarkten“?

    Mögliche Marketingthemen sind: “ ‚Für bezahlbaren Wohnraum, für gute Schulen, für eine gute Infrastruktur sorgen….‘. Kurz: Dem Bürger, dem Wähler wieder mehr ‚aufs Maul‘ schauen. Dann klappe es mit der CDU-Politik“?

    Verstehen wir richtig? Nicht „bezahlbarer Wohnraum, gute Schulen, eine gute Infrastruktur“ als solche sind eigentlich wichtig, sondern vielmehr die „prima Gelegenheit“, die Reklameparolen „Für bezahlbaren Wohnraum, für gute Schulen, für eine gute Infrastruktur sorgen“, etc. werbetechnisch zu platzieren?

    Dürfen wir angesichts dieser entwaffnenden Enthüllungen wahlkampfpsychologischer Einfalt zusammen mit dem „CDU-Bundestagsabgeordneten Pols einen Blick in die Zukunft wagen“?

    Die 105 „Parteifreunde“ der CDU, die „der Einladung des Kreisvorstandes ins Gasthaus Schenk gefolgt“ waren, werden sich die Augen reiben, wenn sie 2016 am Abend der Kommunalwahlen in Niedersachsen feststellen, „dass FDP, Piraten- und die Rentnerpartei es nicht mehr in den Lüneburger Stadtrat“ geschafft haben, „dafür aber die CDU ebenfalls nicht mehr einziehen wird.“

    • Zugegeben – Ihr Prognose dass die FDP, Piraten und Rentnerpartei nach der nächsten Kommunalwahl nicht mehr in den Gremien vertreten sein werden ist nicht kühn. Auf die CDU bezogen dagegen schon. Die deutschen Wähler sind träge, bodenständig, überwiegend politisch wenig bis gar nicht interessiert und leicht ein zu lullen. Deshalb werden die „traditionellen“ Parteien (dazu gehören ja seit einigen Jahrzehnten auch die Grünen) wieder ausreichend Stimmen erhalten. Ich vermute auch die „Linken“.
      Doch was ist die Ursache, der Hintergrund für dieses Desaster? Es gibt keine ernsthaften und überzeugenden Alternativen. Und solange es die nicht gibt, wird sich politisch in Deutschland auch nichts ändern. Ein Trauerspiel, denn so wird es auch keine Reformpolitik die diesen Namen verdienen würde geben. Es ist im Grunde ein Stillstand.