Aktuell
Home | Lokales | Amelinghausen | Afrikanisches Dinner
Die Küchencrew: Stundenlang standen die Männer in der Küche, um das afrikanische Dinner vorzubereiten. Unterstützt wurden sie dabei von Martina Brammer. Foto: t&w
Die Küchencrew: Stundenlang standen die Männer in der Küche, um das afrikanische Dinner vorzubereiten. Unterstützt wurden sie dabei von Martina Brammer. Foto: t&w

Afrikanisches Dinner

kre Amelinghausen. Es riecht nach Gewürzen, nach gebratenem Fleisch, nach gedünstetem Gemüse: Ein Duft, der den Appetit weckt. Dicht gedrängt sitzen die Amelinghausener im Amelinghaus, probieren von den gefüllten Paprika, essen Reis, probieren die Süßspeisen. Den Leuten schmeckts und Koch Hota Machmut Hassan freuts: Denn an diesem Abend sind die Asylbewerber die Gastgeber. Stundenlang haben sie in der Küche gestanden, geschält, geschnippelt, gebrutzelt und gekocht. Auf dem Tisch stehen typisch afrikanische Gerichte. Das perfekte Dinner und alle langen kräftig zu.

Die Koch-Aktion ist eingebettet in die ,,Toleranz-Woche“: Mit verschiedenen Veranstaltungen angefangen von der Hörbuchvorstellung über ein Interkulturelles Frauenfrühstück bis hin zu einem öffentlichen Forum zum Thema ,,Flucht und Asyl“ will die Samtgemeinde Amelinghausen gemeinsam mit den sozialen Einrichtungen der Gemeinde für mehr Verständnis für die Situation der Flüchtlinge werben.

Gefüllte Paprika hat Hota Machmut Hassan jetzt den Amelinghausenern serviert - und bewiesen, dass Toleranz auch gut schmecken kann. Foto: t&w
Gefüllte Paprika hat Hota Machmut Hassan jetzt den Amelinghausenern serviert – und bewiesen, dass Toleranz auch gut schmecken kann. Foto: t&w

40 Asylbewerber sind es zur Zeit, die in der Heidegemeinde untergebracht sind. Sie kommen aus dem Sudan, aus Eri­trea, aus dem Iran, aber auch aus Albanien und aus Serbien. „Die Integration ins dörfliche Leben funktioniert“, sagt Mathias Kraft, Mitarbeiter des Mehrgenerationenhauses in Amelinghausen. Mit vielen ehrenamtlichen Unterstützern kümmert er sich um die jungen, zumeist männlichen Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten, die in Amelinghausen nun erst einmal Zuflucht gefunden haben. Wie sehr sich die Flüchtlinge in der Heidegemeinde wohlfühlen, macht Kraft mit diesem Zitat deutlich: Als einer der Männer gehört habe, dass er nach Amelinghausen komme, habe er zunächst nur Haus verstanden, berichtet Mathias Kraft, doch inzwischen fühle sich der Mann in Amelinghausen tatsächlich auch zu Hause.

Die Asylbewerber übernehmen Arbeiten in der Gemeinde auf dem Bauhof, sie unterstützen den Hausmeister der Grundschule oder helfen als Beifahrer des Bürgerbusses den Fahrgästen beim Ein- und Aussteigen und beim Verstauen des Gepäcks. Umgekehrt engagieren sich Amelinghausener in ihrer Freizeit, den Flüchtlingen die deutsche Sprache beizubringen. Eine von ihnen ist Dagmar Zierau. Dass Frauen afrikanischen Männern nichts zu sagen haben, diese Erfahrung hat die Deutschlehrerin nicht gemacht. Im Gegenteil: ,,Die Flüchtlinge sind höflich und hilfsbereit. Sie sind bemüht und wirklich dankbar“, stellt die Amelinghausenerin fest ,,sie wischen die Tafel, rücken mir sogar den Stuhl zurecht.“

Und sie kochen für die deutschen Gastgeber: Alleine 22 Kilogramm Rind- und Lammfleisch haben die Männer für das Dinner verarbeitet. Einen Großteil der Zutaten haben sie in Amelinghausen gekauft, die anderen in Winsen. ,,Da gibt es einen afrikanischen Laden“, berichtet Kraft und fügt schmunzelnd hinzu: ,,Da wurde Gemüse verarbeitet, das habe ich noch nie gesehen, geschweige denn gegessen.“ Macht aber auch nichts. Geschmeckt hat es den vielen hungrigen Gästen trotzdem.

Weiter geht es am heutigen Donnerstag, 20. November, mit dem Interkulturellen Frauenfrühstück von 9 Uhr bis 11 Uhr in „Unser Lädchen e. V.“ Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an die Frauen, die als Flüchtlinge oder Asylbewerber in die Samtgemeinde gekommen sind, um hier ein neues Leben in Freiheit führen zu können. Mit dem Frauenfrühstück werden beispielsweise Frauen mit muslimischer Religionszugehörigkeit angesprochen, die in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert sind.