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Drogensucht als Motiv

ca Lüneburg. Nach der Tat schrieb er zwei Briefe: ein Geständnis an die Staatsanwaltschaft und eine Entschuldigung an sein Opfer: „Es tut mir von tiefstem Herzen leid.“ Abgeschickt hat der 45-Jährige beide Schreiben nicht. Er habe kein Geld für das Porto gehabt. Die Beute, 200 Euro Kleingeld, sei sofort bei seinem Dealer gelandet. Die Polizei fand die Briefe später bei einer Durchsuchung. Seit gestern muss sich der Lüneburger wegen schweren Raubes, Einbruchs und Diebstahls vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

Die Anklage: Der Mann soll am 18. Januar den Kiosk im Psychiatrischen Klinikum überfallen haben. Er bedrohte einen Mitarbeiter mit einer Gaspistole, schnappte sich Wechselgeld und flüchtete. Ein bis zwei Wochen später soll der Mann dann in die Gärtnerei der Klinik eingebrochen sein. Er stahl Motorsägen, Laubbläser und Bohrmaschinen, packte alles auf einen Transporter, schloss ihn kurz und fuhr davon.

All das räumte der Angeklagte ein. Sein Motiv: Drogensucht. Er habe Schulden bei seinem Dealer gehabt, zudem drohten ihm wegen anderer Taten Strafbefehle und ein Widerruf seiner Bewährung: „Ich war verzweifelt und brauchte Geld.“

Besonders schlau ging er nicht vor: Er erzählte, er sei am Tattag mehrmals in der Cafeteria der Klinik gewesen, habe mit dem Angestellten mindestens zwei Zigaretten geraucht. Er habe ihm auch von seinen Geldproblemen erzählt, ihm sogar die ungeladene Waffe gezeigt. Schließlich habe er den Mitarbeiter überfallen.

Auch bei der zweiten Tat benötigte die Polizei wenig kriminalistisches Geschick, um auf den Süchtigen zu kommen. Seine Version: Eigentlich wollte er bei einem Einbruch ins Depot der Cafeteria an Geld kommen. Er fand einen Tresor und einen Bewegungsmelder vor. Ihm war klar, dass er einen Alarm auslösen würde. Er lief weg, versteckte sich und sah zu, wie die Polizei den Bereich absuchte. Da kam ihm die Idee, in die Gärtnerei einzusteigen. Er lud den Transporter voll, karrte seine Beute nach Kaltenmoor, schaffte alles in eine Wohnung an der Wilhelm-Leuschner-Straße. Die habe seit Jahren leergestanden, er habe sie einfach bezogen. Den Wagen ließ er vorm Haus stehen. Es bedurfte nur begrenzter Kombinationsgabe, um einen Zusammenhang herzustellen.

Festnahme, Untersuchungshaft, Gefängnis in Celle wegen anderer begangener Taten. Er schilderte, dass er täglich Marihuana rauche, Heroin und Speed konsumiere auch als er Überfall und Einbruch beging. Der Knast hatte eine Drehtür für den Mann. Seine Strafakte weist seit seinem 14. Lebensjahr 27 Einträge auf: Eigentums-, Körperverletzungs- und Drogendelikte.

Bei dieser Vita sitzt selbstverständlich ein psychiatrischer Gutachter im Saal. Verteidiger Ulrich Albers stellte gegen den Arzt einen Befangenheitsantrag: Der Psychiater habe seinen Mandanten schon in der Vergangenheit behandelt und ihm erklärt, er könne ein Gutachten nur erstellen, wenn der Angeklagte Mediziner von der Schweigepflicht entbinde, eben auch ihn als Sachverständigen. Der Psychiater: „Ich kann das Wissen ja in meinem Kopf nicht ausschalten.“ Der Angeklagte sagte, die Hoffnung, dass das Verfahren vorangehen möge, habe ihn zustimmen lassen, den Psychiater zu akzeptieren. Doch eigentlich habe er sich einen anderen Sachverständigen gewünscht. Diesen Antrag wies die Kammer zurück.