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Auf einem Hektar baut Wolfgang Wrede zwischen Embsen und Barnstedt Feldkresse an. Eine Wildpflanze, die auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, bei Floristen als Bindegrün mittlerweile aber durchaus beliebt ist. Foto: phs
Auf einem Hektar baut Wolfgang Wrede zwischen Embsen und Barnstedt Feldkresse an. Eine Wildpflanze, die auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, bei Floristen als Bindegrün mittlerweile aber durchaus beliebt ist. Foto: phs

Die Entdeckung der Feldkresse

off Heinsen. Alles beginnt auf einer Raststätte an der Autobahn. Wolfgang Wrede steht neben seinem blauen Transporter und lässt die Gedanken schweifen, als sein Blick auf einen wild bewachsenen Erdhaufen fällt. Eine krautige, wadenhohe Pflanze weckt die Neugier des Gärtners, bei genauerer Betrachtung wittert er seine Chance. Er erntet die Samen der Wildpflanze, beginnt sie zu kultivieren — und ist wenig später der erste auf dem Hamburger Großmarkt, der Feldkresse anbietet. „Ein Kraut, das für Laien vielleicht wie Unkraut aussieht“, sagt er, „das aber als Bindegrün in Blumensträußen richtig was her macht.“

Auf einem Acker bei Heinsen hat der 68-Jährige aus Vögelsen den Anbau von Feldkresse inzwischen professionalisiert, steckt gerade mitten in der Erntezeit. Kniehoch steht das Kraut zwischen wild aufgelaufenen Roggenpflanzen, mit der Hand schneiden drei Erntehelfer die schönsten Exemplare und binden sie unter einem großen orangenen Sonnenschirm zu Sträußen. Dreimal pro Woche bietet Wrede sie auf dem Großmarkt an. „Kein Geschäft zum Reichwerden“, sagt er, „aber ein gutes Standbein.“

Kein Geschäft zum Reichwerden

Schon früh entdeckte Wolfgang Wrede als Gärtner sein Faible für Wildpflanzen, „für all das Schöne, was man in der Natur so finden kann“. In Melbeck hatte er eine zeitlang seine eigene Plantage mit verschiedenen Wildgehölzen, probierte sich später auch im Anbau von Silberblättern (Lunaria) oder buntem Mais. Keine leichte Aufgabe, „denn nicht alle Wildpflanzen lassen sich so einfach kultivieren“, sagt er. Sobald sie die Pflanzenvielfalt um sich herum verlieren, „bekommt man schnell Probleme mit Schädlingen, Krankheiten oder Pilzen“. Die Feldkresse indes gibt sich bisher unkompliziert. Doch Wrede weiß auch: „Das kann sich ganz schnell ändern.“

Ist die Ernte der Lepidium campestre nach sechs bis acht Wochen abgeschlossen, ist es Zeit für die Virginische Kresse. „Eine feinere Kresse, die wir ebenfalls als Bindegrün verkaufen.“ Im Winter konzentriert sich Wrede dann auf Dekomaterial, arbeitet Kiefernwurzeln auf, nutzt, was „Mutter Natur uns schenkt“. „Ich bin ein Nischenhopper“, sagt Wrede, „und ich habe immer alles, was mir Spaß gemacht hat, ausprobiert.“ Damit will er weitermachen, solange es Geist und Körper zulassen. Vorerst mit der Feldkresse. Und wenn die mal nicht mehr mitmacht, „dann mal sehen“, sagt Wrede. Inspiration findet er zwischen Wald und Autobahnraststätte genug.