Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Kampf gegen den Ärztemangel

dth Amelinghausen. Die drohende ärztliche Unterversorgung in der Samtgemeinde Amelinghausen ist vorerst nicht nur abgewendet, sondern die Situation ist plötzlich so gut, dass die Heidjer den Durchschnitt im Landkreis Lüneburg nach oben ziehen. Ab August wird eine Ärztin aus Gelsenkirchen eine neue Praxis in dem Heideort eröffnen. Damit steigt laut Kassenärztlicher Vereinigung Niedersachsen (KVN) der Versorgungsgrad in dem Bereich von 81 auf 102 Prozent. Gleichzeitig wurde aber auch die Messlatte verschoben.

Nichtsdestotrotz: „Die Gemeinde Amelinghausen erfährt gerade großen Zuspruch bei Ärzten“, sagt Oliver Christoffers, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Lüneburg. „Der Erfolg hängt offenbar zum einen mit persönlichen Präferenzen der Ärzte, aber auch mit dem geschickten Marketing der Gemeinde zusammen.“

Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker sagt: „Uns war es sehr wichtig, die Ärzteversorgung wieder zu verbessern und wir stellen dafür auch die Räume zur Verfügung.“ So wird am bisherigen Standort des Amelinghausener Familienservicebüros (Rackerstieg 1) eine Hausärztin ihre Praxis einrichten und im August eröffnen. Die kommunale Einrichtung weicht dafür ab sofort ins „Ameling-Haus“ (Gärtnerweg 2), Sitz der Hans Hedder Bürgerstiftung, aus. Das Servicebüro ist weiterhin unter Tel.: 0 41 32 / 93 34 75 erreichbar.

Doch damit nicht genug. Christoffers: „Zum Jahreswechsel hat ein weiterer Arzt für Amelinghausen eine Zulassung beantragt. Damit ist dort dann eine Versorgungssituation erreicht, die sich andere Gemeinden nur wünschen können.“ Der Versorgungsbereich liege dann bei 122 Prozent und damit über dem Durchschnitt des Kreises Lüneburg (115 Prozent).

Damit gilt dann der Landkreis Lüneburg – offiziell – sogar als überversorgt. Allerdings hätten dieselben Zahlen im vergangenen Jahr „nur“ für rund 100-prozentige Vollversorgung gereicht. In diesem Jahr wurde aber die geforderte Verhältniszahl „Patienten pro Arzt“ heraufgesetzt, im Rahmen einer bundesweiten Anpassung der Bedarfszahlen – für „schönere“ Versorgungszahlen und zukasten der Ärzte: Wurde in den vergangenen Jahren schon bei 1490 Patienten auf einen Arzt von einer 100-prozentigen Vollversorgung gesprochen, muss sich ein Arzt künftig für das gleiche Ziel um 1671 Patienten kümmern. Im Umkehrschluss steigt nun der Versorgungsgrad um rund zwölf Prozent auch bei gleichbleibender Zahl von Hausärzten.

Ohne Amt Neuhaus kommen nach den aktuellen KVN-Zahlen in Stadt und Landkreis Lüneburg 115,5 Hausarztstellen auf 173 535 Einwohner. Demnach versorgt ein Arzt im Durchschnitt jetzt 1503,77 Patienten. Von einer Unterversorgung wird bei 75 Prozent und weniger gesprochen.

Eine andere Grenze wird beim Wert von 110 Prozent gezogen, dann gilt Überversorgung, Neuzulassungen von Praxen werden von der KVN nicht mehr gewährt. Christoffers: „Dann sind nur noch Nachfolgen in bereits bestehenden Praxen möglich.“ Doch das gilt als schwierig.

Zur Situation in Amt Neuhaus sagt Oliver Kahl von der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) in Schwerin: „Zurzeit sind in Neuhaus vier Hausärzte mit Hauptsitz niedergelassen. Einer von ihnen ist in einer größeren länderübergreifenden Berufsausübungsgemeinschaft mit weiteren Hausärzten aus Bleckede und Neetze tätig. Einer der Hausärzte in Neuhaus ist auch ausgebildeter Kinderarzt. Insofern ist bei einer Einwohnerzahl von zirka 4800 die ambulante medizinische Grundversorgung als gesichert zu betrachten.“ Die nächsten Facharztpraxen auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern befinden sich in Boizenburg.

Im Zuge der Rückgliederung der Gemeinde Amt Neuhaus 1993 von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen gab es eine Vereinbarung zwischen beiden Bundesländern, dass die ärztliche Versorgung im Zuständigkeitsbereich der KVMV bleibt – und das gilt bis heute. Ein Grund dafür ist, dass sich von dort aus die Bereitschaftsdienstversorgung besser organisieren lässt. Christoffers: „Eine Elbbrücke wäre aber sicherlich ein Anstoß, neu über die Zuständigkeiten nachzudenken.“