Donnerstag , 29. September 2016
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Martin Metterhausen hat viel Geld ausgeben müssen für den Bau seiner Kanalisation - und noch mehr Geld für den Anschluss des Kanals an das öffentliche Netz. Foto: t&w
Martin Metterhausen hat viel Geld ausgeben müssen für den Bau seiner Kanalisation - und noch mehr Geld für den Anschluss des Kanals an das öffentliche Netz. Foto: t&w

Teure Kanalisation gefährdet 13 Jobs

kre Vögelsen. So schnell bringt Martin Metterhausen gemeinhin nichts aus der Ruhe. Schließlich mag es der Unternehmer schon von seiner Statur her eher gemütlich. Doch jetzt kann der 39-Jährige nur mit Mühe Haltung bewahren: „Im schlimmsten Fall könnte der Gebührenbescheid unserem Unternehmen sogar das Genick brechen“, bescheibt der Vögelser in düsteren Farben die Zukunft der Metterhausen Metalltechnik GmbH. 73 000 Euro Kanalbaubeitrag fordert nämlich die Samtgemeinde Bardowick von dem Unternehmen, das elf Mitarbeiter beschäftigt, für den Anschluss des Firmenneubaus am Ortsausgang von Vögelsen an die Schmutzwasserkanalisation. Eine Summe, mit der Martin Metterhausen und sein Bruder Hermann (49) nie im Leben gerechnet hatten.

Zahlen müssen sie trotzdem – das Satzungsrecht ist auf Seiten der Abwassergesellschaft Bardowick. Diese Lektion haben die beiden gelernt. „Nur leider viel zu spät“, ärgert sich Martin Metterhausen und setzt nach: „Ich bin Metallbauer und kein Städteplaner. Die Satzung war mir unbekannt.“ Was den 39-Jährigen und seinen zehn Jahre älteren Bruder besonders wurmt: Unser Planer hätte das wissen müssen. Aber der hat uns auch nicht darauf hingewiesen.“ Für die beiden steht fest: „Wir werden uns rechtliche Schritte gegen das Planungsbüro vorbehalten.“

Hätten die beiden Unternehmer vor Erschließung ihres Grundstücks einen städtebaulichen Vertrag mit der Gemeinde geschlossen, „hätten sie sich vorab viel Geld und viel Ärger sparen können“, sagt auf LZ-Anfrage Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann. Auch dieser Hinweis aber ist vom Planungsbüro, das die Metterhausens beauftragt hatten, offenbar nicht gekommen. „Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen“, bedauert auch der Samtgemeindechef.

Die Metterhausen Metalltechnik GmbH gibt es seit 1979: „Unsere Eltern hatten das Unternehmen gegründet“, berichtet Hermann Metterhausen. Jetzt sind es die Söhne, die den Betrieb weiterführen.

Und das so erfolgreich, dass die Erweiterung auf dem neuen Betriebsgelände am Ortsrand von Vögelsen anstand. Dort haben die Metterhausens ein 22 373 Quadratmeter großes Gewerbegrundstück erworben, ihre 600 Quadratmeter große Produktionshalle errichtet. Der Rest des Areals liegt brach – „Erweiterungsfläche“, so Martin Metterhausen. Aber: Der Kanalbaubeitrag richtet sich nach der Gesamtgröße des Grundstücks.

1,1 Millionen Euro haben die beiden Vögelser nach eigenem Bekunden in die Betriebserweiterung investiert – für Grundstückskauf, Planung, Erschließung, Bauten und Maschinen.

Dazu kommen rund 120 Meter Abwasserkanal und ein Hebewerk, um die 2,60 Meter Gefälle zur Straße zu überbrücken. Dass diese Anlage auch von ihnen bezahlt werden musste, steht für Martin Metterhausen außer Frage: ,Logisch, die Anlage liegt schließlich auf unsererem Gelände.“ Dass allerdings die letzten zehn Meter – der Anschluss an das Netz – mit 73 000 Euro fast doppelt so teuer sein soll wie der Rest der kompletten Kanals, will dem Vögelser nicht in den Kopf. „Der reale Wert der Arbeiten liegt bei 3000 bis maximal 4000 Euro“, rechnet Metterhausen vor. „Mehr auf keinen Fall.“

Mit Vögelsens Bürgermeister Heinz Fricke (SPD) und Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Luhmann (CDU) haben die beiden Unternehmer das Gespräch gesucht. Fricke sagt: „Wir haben als Gemeinde zwar den Bebauungsplan aufgestellt, sind aber – was die Abwasserfrage betrifft – der falsche Ansprechpartner.“ Dafür ist nämlich die Samtgemeinde zuständig. Doch auch der sind nach Luhmanns Worten weitgehend die Hände gebunden: „Wir müssen uns an die Satzung halten“. Deshalb könne er weder an der Höhe der Forderung noch am Zinssatz etwas machen. „Der Jahreszins von sechs Prozent ist gesetzlich festgeschrieben“, erklärt der Rathauschef. Die beiden Unternehmer wollen sich auch gar nicht vor den Anschlusskosten drücken, sind nach eigenen Worten gerne bereit, das bis zu Zehnfache der eigentlichen Kosten zu tragen: „Das wären dann aber 30 000 bis 40 000 Euro, und keine 73 000 Euro“, sagt Martin Metterhausen und fügt hinzu: „Die Samtgemeinde sollte dringend in ihrer Satzung über eine Kostendeckelung nachdenken, denn solche Zahlungen können Unternehmen in den Ruin treiben.“ Doch Luhmann sieht auch da wenig Möglichkeiten.