Mittwoch , 28. September 2016
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Johann-Jürgen und Hanna Neben ist der Schritt geglückt: Sie haben ihren Hof an Sohn Carl übergeben - nicht ohne Auseinandersetzungen, aber ohne großen Streit. Das ist keine Selbstverständlichkeit - und deshalb bietet der Bauerverband seinen Mitgliedern jetzt Hilfe an. Foto: t&w
Johann-Jürgen und Hanna Neben ist der Schritt geglückt: Sie haben ihren Hof an Sohn Carl übergeben - nicht ohne Auseinandersetzungen, aber ohne großen Streit. Das ist keine Selbstverständlichkeit - und deshalb bietet der Bauerverband seinen Mitgliedern jetzt Hilfe an. Foto: t&w

Wenn der Junior plötzlich Chef ist . . .

off Mechtersen. 34 Jahre lang war Johann-Jürgen Neben Chef. Er hat entschieden, welcher Trecker gekauft und wann das Getreide verkauft wird, welche Kartoffelsorte auf seinen Feldern wächst und wie viel Land er pachtet. Fast sein halbes Leben lang lag die Verantwortung für den Mechterser Bauernhof in seiner Hand. Jetzt hat Neben sie mit 65 Jahren an seinen Sohn Carl abgegeben. Ein Schritt, den die Landwirte über Jahre vorbereitet haben – wohlwissend, wie schnell eine Hofübergabe zur familiären Zerreißprobe werden kann.

Es ist ein Thema, über das Bauern nicht gerne sprechen. Zu privat, zu heikel, zu persönlich, „Probleme bei der Hofübergabe sind ein Tabu“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, Urte Rötz. Dabei weiß sie aus eigener Erfahrung: „Die Betriebsübergabe läuft in fast keiner Familie völlig reibungslos ab.“ Sie selbst hat mit 19 Jahren den Milchviehbetrieb ihrer Schwiegereltern übernommen, den Hof erst vor wenigen Monaten an ihren Sohn übergeben. Die 48-Jährige kennt beide Perspektiven – und begleitet heute andere Landwirte durch den Übergabeprozess. Wie, darüber spricht die Unternehmenstrainerin am Donnerstag, 5. Dezember, in der Trainingsakademie Dahlenburg. Ein Vortrag, der Landwirte dazu ermuntern soll, mit dem Tabu Hofübergabe zu brechen. Und Hilfe zu holen, wenn Hilfe gebraucht wird.

Johann-Jürgen Neben und sein Sohn Carl haben den Übergabeprozess allein bewältigt, sich nur in rechtlichen und steuerlichen Fragen Unterstützung geholt. „Das heißt nicht, dass es zwischen uns keine Auseinandersetzungen gab“, sagt der Senior. Die Verantwortung nach 34 Jahren abzugeben, nicht mehr der Chef zu sein, das Schicksal des Hofes in andere Hände zu geben, das fällt schwer. Egal wie lange der Schritt geplant wurde.

Trotzdem haben Johann-Jürgen Neben und seine Frau Hanna den Hof nicht mit Wehmut abgegeben, sie sehen die Situation auch als Chance. Im Dorf baut sich das Paar ein neues Haus, wird den Hof in naher Zukunft verlassen. „Als Betriebsleiter gehört jetzt Carl auf den Hof“, sagt der Senior, „und wir machen Platz.“ Eine Entscheidung, die den Generationenwechsel sichtbar macht und klare Verhältnisse schaffen soll. Chef auf dem Hof ist jetzt Carl Neben. „Und wir vertrauen ihm“, sagt Hanna Neben.

Drei Jahre hat der 31 Jahre alte Carl Neben auf dem Hof noch „unter“ seinem Vater gearbeitet, mit jeder Saison mehr Verantwortung übernommen und immer mehr Entscheidungen getroffen. Was mit der Unterzeichnung des Hofübergabevertrages im Juli offiziell wurde, hatten Vater und Sohn bereits Schritt für Schritt realisiert. Auch weil Johann-Jürgen wusste, dass eine Hofübergabe nicht einfach ist – und er sich darauf vorbereitet hat. In Seminaren, in Gesprächen mit seiner Frau, in Diskussionen mit seinem Sohn und in der Auseinandersetzung mit sich selbst. Leicht war es trotzdem nicht. „Aber ich kann sagen, wir haben das gut hingekriegt.“

Was Nebens gelungen ist, glückt nicht allen Landwirten. „Die Hofübergabe ist die vielleicht größte Herausforderung im Leben von Bauernfamilien“, sagt Urte Rötz, „und viele holen sich leider erst Hilfe, wenn es bereits zu spät ist.“ Wenn die Verletzungen auf beiden Seiten tief sitzen, die Fronten verhärtet sind und die Situation so unerträglich geworden ist, dass der Hofnachfolger im Extremfall sogar auf die Übernahme des Betriebs verzichtet.

Dabei können schon kleine Schritte die Hofübergabe erleichtern, „zum Beispiel der Platzwechsel am Esstisch, der Umzug vom Erd- ins Dachgeschoss oder die Suche nach einem Hobby.“ Am wichtigsten aber ist: „Man muss sich rechtzeitig kümmern“, sagt Urte Rötz. Und man muss sich bewusst darüber sein, wie schnell eine Hofübergabe zur familiären Zerreißprobe werden kann.

Für den Bauerverband berät Urte Rötz Landwirte auch einzelbetrieblich, Tel.: 058 41/977 00. Ihr Vortrag beginnt am 5. Dezember, 10 Uhr, Trainingsakademie Dahlenburg, Industriestraße 4.