Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Grün ist der Anfang
Sebastian Lugert (hinten) mit Linda Brummack, Alexandre Alves de Sá und Angela Rohde. Links: Die ersten grünen Hefte waren wirklich grün, längst sehen sie ganz anders aus.
Sebastian Lugert (hinten) mit Linda Brummack, Alexandre Alves de Sá und Angela Rohde. Links: Die ersten grünen Hefte waren wirklich grün, längst sehen sie ganz anders aus.

Grün ist der Anfang

ff Handorf. Neue Zeiten im Musikunterricht: Statt Beethovens Neunter sollte es um die Blödeltruppe Trio gehen, statt ,,Freude schöner Götterfunken“ hieß es nun ,,Da-Da-Da“. Altehrwürdige Professoren der Musikdidaktik waren angefressen, jüngere Lehrer und Schüler dagegen begeistert. Ende der Siebziger entwickelten Wulf-Dieter Lugert und Volker Schütz, beide gelernte Lehrer, in Handorf das Projekt, Rock und Pop ins Klassenzimmer zu tragen. Daraus entstand eine Zeitschriftenreihe, die bis heute „Die grünen Hefte“ genannt wird, obwohl das Cover längst nicht mehr grün ist die Keimzelle eines Verlages, der sich mit Publikationen rund um die Musik breit aufgestellt hat.
Am Anfang waren Schreibmaschine, Schere und Klebstoff: Die ersten Hefte ,,Populäre Musik im Unterricht“ wurden Anfang der Achtziger recht mühsam getippt, Notenbeispiele mit der Hand in die Manuskriptseiten eingepasst, das Ganze dann fotokopiert und zwischen Seitendeckel gepackt, die erst blau und dann eben grün waren. ,,Wir sind jetzt bei 280 Abos angekommen“, vermeldeten die Herausgeber 1981 stolz im Vorwort. Inzwischen stehen sie bei Heft Nummer 116 und rund 6000 Exemplaren, die jedes Vierteljahr bundesweit verschickt werden.
,,Es gibt mittlerweile kaum eine Schule, die uns nicht kennt“, sagt Sebastian Lugert, Geschäftsführer des Lugert Verlages. Hier, an der Handorfer Hauptstraße, sind die Redaktionen für sechs Zeitschriften untergebracht, die von der Kita bis zum Abi alle Jahrgangsstufen mit Musikmaterial versorgen. Ein paar Kilometer weiter, in einem geräumigen Landhaus, in dem einst Schütz und Lugert senior ihre Ideen von der Reform des Musikunterrichts sponnen, ist nun das Lager für Zeitschriften und Bücher untergebracht.
Hier arbeitet auch Alexandre Alves de Sá, ein junger Tüftler, der gerade die fünfte Version des vom Verlag entwickelten Notensatz-Programms ,,Forte“ für den internationalen Markt vorbereitet. Für professionell-piekfeine Hochglanz-Partituren ist es nicht gedacht, ,,es lässt sich leicht bedienen“, so Sebastian Lugert, ,,und richtet sich an Hobby-Musiker. Viele unserer Kunden sind sogar schon im Ruhestand und haben nun wieder viel Zeit für ihr Hobby Musik.“ Aus Fernost importierte Kontrabässe, Geigen und Notenpulte stehen zum Anschauen in einer Ecke, aber der Verkauf von China-Produktionen läuft eher nebenbei, wirklich gefragt sind Klangschalen und einfache Instrumente für die Kleinen.
Die Zeiten, in denen die Verlagsgründer ganz im Geiste ihrer Zeit im Dienste der Volksbildung lustvoll Selbstausbeutung betrieben, sind vorbei. 14 Angestellte hat der Verlag heute, dazu kommen freie Mitarbeiter. Sebastian Lugert studierte Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht, mit Musikpädagogik hatte er zunächst gar nicht so viel am Hut. Zwischenzeitlich war der Stuttgarter Klett Verlag bei den Lugerts ein- und ausgestiegen. Als die Handorfer wieder selbstständig wurden, half Sebastian Lugert seinem Vater zunächst bei der Homepage, seit 2011 ist er nun Geschäftstführer.
Längst hat auch bei den grünen Heften eine neue Generation das Ruder übernommen, die Storys und Noten der aktuellen Ausgabe drehen sich etwa um den schwedischen DJ Avicii, um Cro, den Rapper mit der Pandabären-Maske, und um Phil Collins Musical-Klassiker ,,Youll Be In My Heart“. Als Lugert und Schütz ihre ersten Zeitschriften tippten, da begann auch die Karriere von Genesis mit ihrem Schlagzeuger Collins. Und Stephan Remmler von Trio hat zuletzt 2010 ein Hörbuch eingelesen, die Autobiographie von Keith Richards.