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Lebensretter mit Defibrillator: ASB-Rettungssanitäter Victor Haselhorst (v.l.), Ortsbrandmeister Andreas Borst, Sascha Wenzl, Jan Schäfer und Carsten Behr. Foto: t&w
Lebensretter mit Defibrillator: ASB-Rettungssanitäter Victor Haselhorst (v.l.), Ortsbrandmeister Andreas Borst, Sascha Wenzl, Jan Schäfer und Carsten Behr. Foto: t&w

Lebensretter machen Druck

dth Handorf. Glück im Unglück: Der 79-Jährige erlitt seinen Herzinfarkt im Kreise vieler Helfer bei der Jahresversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Handorf im Gasthaus Zur Mühle. Die Handorfer kämpften erfolgreich um das Leben des Fördervereinsmitglieds. Dabei kam ein Gerät zum Einsatz, dessen Anschaffung die Samtgemeinde Bardowick und die Gemeinde Handorf bisher zumindest skeptisch gesehen haben. Den „Automatischen Externen Defibrillator“ (AED) hatte schließlich der DRK-Ortsverein erworben und seit Januar im videoüberwachten Bereich der Volksbankfiliale Handorf öffentlich zur Verfügung gestellt. Nach dem erfolgreichen Ersteinsatz fordern die Lebensretter die Bereitstellung von AED in jedem Ort.

Als am letzten Freitagabend Handorfs Ortsbrandmeister Andreas Borst gerade noch die Begrüßungsrede hält, brüllt bereits jemand in den Raum hinein „Ruf mal jemand die 112!“ Der ältere Herr ist bereits zusammengebrochen, liegt am Boden. Die Atmung hat ausgesetzt, Puls ist auch nicht mehr zu spüren. Die Helfer reagieren sofort: Ortsbrandmeister Borst, Gruppenführer Carsten Behr, Jan Schäfer, stellvertretender Ortsbrandmeister Sascha Wenzl und ASB-Rettungssanitäter Victor Haselhorst kümmern sich um den Mann, unterstützen sich gegenseitig, wechseln sich ab mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage. Pa-rallel wird der Notruf abgesetzt. Meike Mennerich, Tochter der DRK-Ortsvereinsvorsitzenden, fährt los, holt den Defibrillator aus der Bankfiliale.

Als Borst das handtaschengroße Gerät auspackt und in Betrieb setzt, meldet sich eine weibliche elektronische Stimme. Sie gibt Anweisungen wie „Notruf absetzen“, oder „die gesamte Kleidung des Oberkörpers entfernen“, sie erklärt, wie die Elektroden von der Schutzfolie befreit und auf den Oberkörper des Patienten aufgebracht werden sollen. Dann die wiederholte Warnung: „Nicht berühren!“ Und: „Schock wird vorbereitet!“

200, 300 oder sogar 360 Joule gibt der AED im Notfall ab, um die Sinuskurve des Patienten wieder in Schwung zu bringen. „Vorher misst das Gerät aber, ob überhaupt ein Schock notwendig ist, ob beispielsweise ein Kammerflimmern vorliegt“, sagt Andreas Klask vom DRK-Kreisverband Harburg, dem die Handorfer zugehörig sind, in der Rückschau. Und Kammerflimmern lag diesmal vor.

Ortsbrandmeister Borst sagt: „Wenn wir das Gerät nicht gehabt hätten, hätten wir schlechtere Chancen gehabt.“ Bereits Anfang 2013 hatte Borst die Anschaffung eines AED für die Handorfer Feuerwehr gefordert. Sein Wunsch wurde aber von der Samtgemeinde Bardowick nicht erfüllt wegen Bedenken des „Kommunalen Schadenausgleichs“ (KSA) in Fragen der Haftung. Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann sagt auf Nachfrage: „Ich bin ein Befürworter der Geräte und kann die Vorbehalte der KSA nicht nachvollziehen. Aber solange die Haftungsfragen nicht geklärt sind, werden wir die Feuerwehren nicht mit AED ausstatten.“ Dass stattdessen das DRK tätig geworden ist, lobt Ortsbrandmeister Borst: „Jeder Ort sollte so einen Defibrillator vorhalten. Denn jeder ist damit in der Lage, im Notfall zu helfen.“ Als am Freitagabend der Rettungsdienst nach rund zehn Minuten eintrifft, liegt der Patient in stabiler Seitenlage und sein Herz schlägt wieder.

One comment

  1. Herzlichen Glückwunsch an die Retter für die geleistete Arbeit und dem Betroffenen alles Gute für eine baldige Genesung.