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Stolz präsentiert ModaReMA-Geschäftsführer Lukas (3.v.r.) die Urkunde, mit der die Bardowicker Schülerfirma vom Kultusministerium ausgezeichnet wurde.
Stolz präsentiert ModaReMA-Geschäftsführer Lukas (3.v.r.) die Urkunde, mit der die Bardowicker Schülerfirma vom Kultusministerium ausgezeichnet wurde.

„ModaReMa“ bleibt Vorreiter im Kreis

dth/jeb Bardowick. Als erste Schülerfirma im Landkreis Lüneburg hat die Bardowicker „ModaReMa“ GmbH die Nachhaltigkeitszertifizierung für Schülerfirmen der Stufe Silber erhalten. Erst kürzlich hatte das 13-köpfige Firmenteam aus dem neunten Jahrgang der Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule seine Produkte in Hannover präsentiert: bei der ersten landesweiten Messe des „Netzwerks Nachhaltige Schülerfirmen Niedersachsen“ auf der Expo-Plaza. Jetzt erhielten die Bardowicker Schüler die Zertifizierungsurkunden unterschrieben von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, überreicht von Frank Corleis, Regionalberater für nachhaltige Schülerfirmen der Landesschulbehörde. „Das ist eine große Motivation für die Schüler“, sagt Lehrerin Monika Bruns, Mitbegründerin der Schülerfirma ModaReMa („Mode aus recycelbaren Materialien“), die aus Wegwerfartikeln Modeaccessoires wie Handtaschen, Geldbörsen oder Schlüsselanhänger fertigt.

Zu den ersten Gratulanten zählten Mitglieder der benachbarten Grundschul-Schülerfirma, den Bardowicker und Horburger Küchenmäusen, geleitet von Sozialpädagogin Ines Pottek. In einem Teilbereich kooperieren ModaReMa und die Küchenmäuse: So stellen etwa die Schüler von ModaReMa die Gemüsetüten her, in denen die Küchenmäuse ihre Snacks aus frischem Gemüse und Dipp anbieten. „Das ist eine ziemlich mustergültige Kooperation zwischen den beiden Schülerfirmen“, lobte Corleis. Mit Fotos der beiden Bardowicker Schülerfirmen wirbt auch die Landesschulbehörde neuerdings auf Bannern.

Zu den beliebtesten ModaReMa-Produkten gehören etwa Tragetaschen, die aus alten Capri-Sonnen-Tüten zusammengenäht sind. Derzeit konzeptionieren die Schüler unter anderem neue Federmappen aus Jeans-Stoff und Schwimmflügel-Resten.

Im Rahmen eines Wahlpflichtkurses kümmern sich die Jugendlichen der Schülerfirma unter Anleitung von Monika Bruns zwei Schulstunden pro Woche um den gesamten Betriebsablauf: dazu gehören neben der Produktion das Rechnungswesen oder die Werbung. Für die Buchhaltung sind beispielsweise Joshua (14) und Lars (14) zuständig. „Wer bei ModaReMa mitmachen will, muss einen Nähführerschein ablegen. Und das dauert ein Jahr“, sagt Joshua.

Der Hauptarbeitsbereich von Joshua und Lars ist ein Zimmer neben dem Textilunterrichtsraum. Darin lagern Jeans-Stoffe, alte Capri-Sonne-Verpackungen und Lkw-Planen. Joshua und Lars halten nicht nur das Lager sauber, sondern bestellen auch Materialien nach. „Überstunden“ werden mit freien Schulstunden ausgeglichen. Mit dem eingenommenen Geld kaufen sie entweder neue Produkte, sparen oder investieren zum Beispiel in T-Shirts mit dem Namen der Firma. Die Produkte werden auf Messen, Schulveranstaltungen und Basaren verkauft.

Auch die Geschäftsführung liegt in den Händen der Jugendlichen. Bereits im zweiten Schuljahr hintereinander haben Lukas (14) und Niclas (14) diese Aufgabe übernommen. Lukas: „Eine Aufgabe ist es, die Firma zu repräsentieren und vor vielen Menschen zu sprechen.“ Niclas lobt die Möglichkeit, so einen realistischeren „Einblick in das Berufsleben“ zu erhalten.

Laut Michael Wieske, Leiter des Fachdienstes Schule und Kultur des Landkreises, gibt es an den 18 Schulstandorten in Trägerschaft des Landkreises derzeit rund ein Dutzend Schülerfirmen. Landesweit gibt es 549. Davon haben bisher 46 das Nachhaltigkeitszertifikat erhalten.

Die Zertifizierung soll ein Instrument sein, um die Qualität der Schülerfirmen zu fördern und öffentlich wert zuschätzen, heißt es bei der Landesschulbehörde. Für das Erreichen der Qualifizierungsstufe Silber muss die Schülerfirma eine „betriebsähnliche Organisation“ aufweisen und ein „Bestandteil der Berufsorientierung“ sein. Auch das haben die Mitglieder der Bardowicker ModaReMa, die seit 2006 besteht, erfüllt. Die jetzt überreichte Urkunde ist bis 2017 gültig.