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Die Jagdhornbläser Böhmsholz (Foto) und die aus Betzendorf sorgten für den festlichen Rahmen beim Kreisjägertag in Bardowick.
Die Jagdhornbläser Böhmsholz (Foto) und die aus Betzendorf sorgten für den festlichen Rahmen beim Kreisjägertag in Bardowick.

Politik entscheidet über Wolf

pet Bardowick. Vor allem um Rehwild, Schwarzwild oder auch Muffelwild geht es, wenn sich die Angehörigen der Jägerschaft des Landkreises Lüneburg zu ihrer Mitgliederversammlung treffen. Seit einiger Zeit beschäftigt aber ein anderer Vierbeiner die Jäger ebenso wie die übrige Bevölkerung in der Region der Wolf. Und so nahm der Bericht über das Grautier den breitesten Raum im Referat ein, das Helmut Dammann-Tamke (Buxtehude), Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), am Sonnabend im Bardowicker Schützenhaus vor mehr als 300 Jägern hielt.

,,Atemlose Stille“ konstatierte Torsten Broder, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Lüneburg, während des Vortrags von Dammann-Tamke. ,,Dass der Wolf zu uns kommen würde, war klar. Aber was niemand vorausgesehen hat, war das Tempo, in dem er kommt“, sagte der LJN-Präsident. Was man feststelle, sei, dass der Wolf die Emotionen hochkochen lässt, dass die Diskussionen zunehmend kontroverser geführt werden.

Über den Umgang mit dem Wolf haben nicht die Jäger zu entscheiden, stellte er klar. Tatsache sei, so Dammann-Tamke, dass der Wolf im Naturschutzrecht den höchsten Schutz genießt, den das Naturschutzrecht überhaupt nur bieten kann. Man könne als Jägerschaft über das Thema mitdiskutieren, aber die Entscheidungen müssen Politik und Gesellschaft treffen. ,,Sie müssen sagen, bis hierhin und nicht weiter.“

Aufgabe der Jäger sei es, die Öffentlichkeit über die Wölfe zu informieren, die Bestände anhand des Wolfs-Monitoring im Blick zu haben. Helmut Dammann-Tamke: ,,Unsere Philosophie ist es: Niemand soll über die Wölfe so gut Bescheid wissen wie wir.“

Interessant sei der Blick in die Lausitz, wo der Wolf zuerst in Deutschland in größerer Zahl aufgetaucht sei, so Dammann-Tamke. ,,Die Menschen dort fühlen sich inzwischen von der Politik verraten und verkauft“, sagte er. Wer wolle es ihnen verdenken, dass sie beunruhigt sind, ,,wenn ihre Kinder morgens um sieben Uhr an der Bushaltestelle auf den Bus warten und 20 Meter dahinter ein Wolfsrudel auftaucht?“

Er habe festgestellt, dass auch in Niedersachsen manche Menschen umschwenken, wenn es um die Verbreitung des Wolfs gehe. Vor allem treffe das im Bereich der Schafhaltung zu. ,,Wie sollen Schafe wirksam geschützt werden, die wir doch so dringend für die Deichpflege brauchen?“ Dammann-Tamke: ,,Unsere Gesellschaft muss sich überlegen, wieviele Wölfe wollen wir ertragen?“

Nicht nur über Wölfe sprach Helmut Dammann-Tamke, auch über Grüne die stellen seit dem Wahlsieg von Rot-Grün in Niedersachsen nämlich sieben von 16 Landwirtschaftsministern in Deutschland. Man habe mit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer gesprochen, aber mittlerweile feststellen müssen, dass sich das Ministerium in jagdlichen Dingen von anderen beraten lasse, etwa dem Ökologischen Jagdverband oder dem Naturschutzbund Deutschland.

Für den Landkreis Lüneburg sicherte Landrat Manfred Nahrstedt in seinem Grußwort weiter enge Zusammenarbeit zu: ,,Sie widmen sich schließlich nicht nur der Jagd, sondern haben das Ziel, unsere artenreiche Flora zu erhalten, unsere Naturlandschaft zu sichern und attraktive Lebensräume für die Tierwelt zu schaffen.“

2 Kommentare

  1. Jetzt geht es also los: die Jägerschaft bläst auch hier zum Angriff auf den „bösen“ Wolf, der ja, wie wir alle seit den Gebrüdern Grimm wissen, Großmuttern frisst und auch die armen Kinderlein nicht verschont!

    Dass das, um es vorsichtig zu sagen, grober Unsinn ist, ist den so genannten Waidmännern und -frauen egal. Worum es eigentlich geht ist nicht Liebe zur Natur oder Sorge um Kinder, sondern schlicht um das Hereinholen der gezahlten Jagdpacht, denn ein gemeines Raubtier tritt plötzlich als Konkurrent auf.

    Wer sich ergebnisoffen mit dem Thema Wolf auseinandersetzt, der wird schnell feststellen, dass Wölfe für den Menschen keine Gefahr darstellen – In den letzten 50! Jahren sind in Europa 5 Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen durch TOLLWÜTIGE Wölfe bekannt geworden!
    Man gleiche das mit der Anzahl von getöteten Menschen bei Autounfällen ab und schon muss der geneigte Leser zum Schluss kommen, dass das Auto vernichtet gehört.
    Auch die Anzahl der bei Jagdunfällen verletzten und getöteten Menschen ist um ein Vielfaches höher – ergo auch die Jagdwaffen verbannen, wenn die Jäger, ihrem eigenen Argument folgend, Schaden von Menschen abwenden wollen.
    So ehrlich und logisch werden die Damen und Herren in Grün aber nicht sein und stattdessen weiter Horrorgeschichten über Wolf, Bär und Luchs verbreiten.

    Es ist schon schade, was für ein belegbarer Unsinn auf fruchtbaren Boden bei denen fällt, die sich mit der Materie nicht auseinandersetzen (wollen)!
    Ich bin übrigens selber Jäger und bin für den Wolf – meine Strecke wird dadurch in Zukunft viel gesünder und kräftiger sein, denn die schwachen Tiere, die kriegt der Wolf!

  2. So entstehen und verbreiten sich Gerüchte und „Moderne Sagen“ (Urban Legends“)

    >>,,wenn ihre Kinder morgens um sieben Uhr an der Bushaltestelle auf den Bus warten und 20 Meter dahinter ein Wolfsrudel auftaucht?” <<

    Das Motiv mit den (bedrohlichen) Wölfen und den durch sie bedrohten Kindern ist ja bekanntlich schon viele Hundert Jahre alt. (Siehe "Rotkäppchen" oder auch "Der Wolf und die sieben Geislein") oder hunderte von Abenteurgeschichten.

    In der aktuellen Variante mit den Schulkindern und der Buhaltestelle geht dieses auf eine Beobachtung eines ungeklärten frischen Blutfleckes bei so einer Schulbushaltestelle zurück, der die Menschen, unabhängig von der Wolfsdiskussion, im Herbst 2009 in der Lausitz beunruhigte.

    Diese beiden Dinge hattte dann der erklärte Wolfkritiker Christian Lissina u.a. in einer Informationsveranstaltung im Februar 2010 im Kreismuseum von Bad Liebenwerda, zur Wiederkehr von "Isegrimm" in der Lausitz, zu der griffigen Formulierung "Erst wenn wir den ersten Schulranzen eines Kindes an der Haltestelle allein auffinden, werden die Menschen aufwachen." verbunden.

    Diese Formulierung wiederum hat nun in Bardowick der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Damman-Tamke zu jener Formulierung variiert, nach der zumindest eine Annäherung eines Wolfsrudels an wartende Schulkinder eine Tatsache sei.