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Südlich von Artlenburg im Landkreis Lüneburg drehen sich bereits fünf Windräder (gelbe Fläche). Standorte für weitere Anlagen (rote Flächen) sollen jetzt im Nachbarkreis Harburg zwischen Bütlingen und Avendorf ausgewiesen werden. Grafik: googlemaps/kleinebrahm
Südlich von Artlenburg im Landkreis Lüneburg drehen sich bereits fünf Windräder (gelbe Fläche). Standorte für weitere Anlagen (rote Flächen) sollen jetzt im Nachbarkreis Harburg zwischen Bütlingen und Avendorf ausgewiesen werden. Grafik: googlemaps/kleinebrahm

Guter Windpark, schlechter Windpark

dth Barum/Bütlingen. Freud und Leid liegen bei der Planung von Windkraft-Vorrangflächen oft nur wenige Kilometer auseinander. So auch in der Samtgemeinde Bardowick. Die feilt einerseits zusammen mit dem Bauernverband Nordost-Niedersachsen an der Entwicklung eines Bürgerwindparks nordöstlich des Domfleckens Bardowick. Auf der anderen Seite verfolgt die Mitgliedsgemeinde Barum mit Argusaugen die Vorplanungen eines anderen Bürgerwindparks in der benachbarten Samtgemeinde Elbmarsch. Barums Bürgermeister Torsten Rödenbeck fürchtet um den Naherholungswert am Barumer See, wenn rund 2,7 Kilometer Luftlinie entfernt bei Bütlingen der Bürgerwindpark Elbmarsch Realität werden sollte, für den eine Initiative bereits Kapital sammelt. Und auch der Landkreis Lüneburg hat gegen jene Planungen große Vorbehalte wegen der Bedeutung der Elbmarsch-Region für die Vogelwelt.

Ähnlich wie der Landkreis Lüneburg überarbeitet auch der Kreis Harburg derzeit sein Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) mit dem Ziel, den Bau von Windkraftanlagen zu steuern. „Wir sind im Moment noch in der Phase zu entscheiden, welche Flächen in die nähere Prüfung aufgenommen werden sollen“, sagt Johannes Freudewald, Sprecher des Kreises Harburg, auf LZ-Nachfrage.

Dabei fallen auch kritische Flächen in die Vorbetrachtung, so zwei Teilareale östlich und nordöstlich von Bütlingen mit einer Größe von 22 beziehungsweise 33 Hektar, die Platz böten für schätzungsweise jeweils vier neue Windkraftanlagen. Neben anderen Potenzialflächen im Kreis Harburg tragen jene beiden sogenannten Areale „EL 16“ und „EL 17“ die Bezeichnung „Diskussionsflächen“.

Denn im Umkreis wurde bereits der streng geschützte Rotmilan gesichtet. Nachgewiesene Nistplätze hatten unter anderem schon für das Aus der Windkraft-Vorrangfläche Vögelsen auf Lüneburger Gebiet gesorgt. Ob der Greifvogel oder andere auch dem Windpark in der Samtgemeinde Elbmarsch in die Quere kommen, müssen noch avifaunistische Gutachten klären, die derzeit erarbeitet werden. Freudewald: „Es könnte eventuell zum Ausschluss der Fläche führen, aber wir wollen erst das offizielle Prüfungsverfahren abwarten.“

Der Harburger Kreistag wird voraussichtlich am 5. Mai über die öffentliche Auslegung des ersten Entwurfs der Windkraft-Vorrangflächen entscheiden. In der dann parallel laufenden Beteiligung der Träger öffentlicher Belange könnte der Landkreis Lüneburg mit seiner Stellungnahme zum Zuge kommen.

Bei einer kürzlichen CDU-Wahlkampfveranstaltung im Barumer Gasthaus Flindt kündigte Lüneburgs Kreisrätin Monika Scherf an, beim Landkreis Harburg in guter Nachbarschaft „eine kritische Stellungnahme“ zu den Windkraftflächen in der Elbmarsch abzugeben. „Wir sind der Ansicht, die Elbmarsch sollte wegen ihrer Bedeutung für den Vogelflug und den Vogelschutz von Windkraftanlagen freigehalten werden.“

Diese Auseinandersetzung dürfte interessant werden. Denn Harburgs Kreissprecher Freudewald sagt: „Wir haben die Flächen bei Bütlingen mit in die Betrachtung genommen, weil sie aus unserer Sicht eine Verlängerung der bereits bestehenden Windkraftfläche auf Lüneburger Kreisgebiet südlich von Artlenburg darstellen würde.“ Tatsächlich stehen dort, rund 2,5 Kilometer Luftlinie südöstlich von der geplanten Fläche Bütlingen-Avendorf entfernt, fünf ältere und nach dem aktuellen Stand der Technik eher kleinere Windräder mit jeweils einer Nabenhöhe von 85 Metern und einem Rotordurchmesser von 77 Metern.

Aus Sicht der Samtgemeinde Bardowick sagt Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann auf LZ-Nachfrage: „Wir beschäftigen uns mit der Stellungnahme zu den Planungen in der Nachbar-Samtgemeinde eingehend, wenn das Beteiligungsverfahren läuft. Aber ich werde das Thema schon einmal bei der kommenden Sitzung des Samtgemeinderates in Barum ansprechen.“ Die öffentliche Sitzung des Samtgemeinderates Bardowick findet statt am Dienstag, 1. April. Beginn ist um 19 Uhr im Gasthaus Flindt in Barum. Auf der Tagesordnung stehen wird dann auch die Beteiligung am „Bürgerwindpark Bardowick“.