Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Einblick ins mittelalterliche Bardowick
Eine Bardowicker Besonderheit: Hier wurde im Mittelalter offenbar ein zweiter Brunnenschacht eingebaut, nachdem der Vorgänger vermutlich eingefallen war. Mit den Holzresten wurde auch lehmverputztes Korbgeflecht entdeckt.
Eine Bardowicker Besonderheit: Hier wurde im Mittelalter offenbar ein zweiter Brunnenschacht eingebaut, nachdem der Vorgänger vermutlich eingefallen war. Mit den Holzresten wurde auch lehmverputztes Korbgeflecht entdeckt.

Einblick ins mittelalterliche Bardowick

dth Bardowick. Nach dem Fund eines mittelalterlichen Bartmannkruges im Bardowicker Erdreich hat Lüneburgs Bezirksarchäologe Jan Joost Assendorp mit seinem Team nun bei den aktuellen Ausgrabungen im Dom-Umfeld weitere bemerkenswerte Entdeckungen gemacht: Insgesamt vier Brunnen einer ehemaligen Hofstelle in der Steinstraße hat er jetzt freigelegt. Von den Brunnen, die unter Verwendung von vermutlich eingehandelten Wein-Fässern konstruiert wurden, sind noch ringförmig angeordnete Längshölzer im Boden erhalten. Ein Eindruck, der nur noch von kurzer Dauer sein wird. Denn bald gehen die Bauarbeiten für den nächsten Bauabschnitt des privaten „Domspatz“-Wohnprojektes weiter.

Bereits seit Ende März ist Assendorp zusammen mit Diplom-Ausgrabungsingenieurin Solveig Binnewies und Ausgrabungsassistent Detlef Trapp in den ausgeschachteten Baugruben zugange. Assendorp: „Wir kriegen unter der oberen Bodenschicht hier einen Einblick in das mittelalterliche Bardowick. Es geht uns vor allem darum, zu sehen, wie die damalige Stadt Bardowick an dieser Stelle aufgebaut gewesen oder wieder aufgebaut worden ist nach der Zerstörung Bardowicks durch Heinrich den Löwen im Jahr 1189.“ In der Steinstraße haben die Archäologen bisher vor allem Funde aus dem 13. und 14. Jahrhundert machen können. Dazu zählen auch die vier Brunnen. „Auf jeden Fall wurden hier nach der Zerstörung zwei Häuser neu gebaut, vielleicht auch ein drittes, das aber nicht erhalten ist, weil dort in späterer Zeit ein großer Bauernhof neu errichtet wurde.“

Dass bei der relativ kleinen Hofstelle gleich mehrere mittelalterliche Brunnen auftauchen, erklärt Assendorp so: „Offenbar hat man, wenn ein Brunnen zur Trinkwasserversorgung nicht mehr sauber war, einen neuen geschlagen. Meistens, das wissen wir von Datierungen aus dem hinteren Bereich der Steinstraße, haben die Brunnen um die 50 bis 100 Jahre gehalten.“

Drei der vier jetzt gefundenen Brunnen wurden mit Hilfe von Fässern konstruiert. Zuvor wurde der Boden ausgeschlagen und das Fass grundwassernah auf eine Sandschicht gesetzt, die als Filter wirkte. Die erste Holzkonstruktion reichte aber in der Regel nicht an die Oberfläche, sodass noch ein zweites Fass oben draufgesetzt wurde, das schließlich den Brunnenschacht trug. Wurde nun der Brunnen nicht mehr benutzt, verblieb das erste Fass im Boden. Assendorp: „Und sofern es sich weiter im Grundwasserbereich befand, hat es die Jahrhunderte überdauert.“

Assendorp hockt sich neben einen der Brunnenreste in der Nähe des Kreuzschnittes, den sein Team aus dem Boden herausgearbeitet hat. Der Bezirksarchäologe deutet auf die dunkel gefärbten Holzreste aus einem äußeren und einem inneren Ring, die einige Zentimeter aus der Erde ragen. Assendorp: „Dieser Brunnen hier ist eine große Besonderheit. Hier hat es offenbar einen älteren Brunnenschacht gegeben, der in sich zusammengebrochen ist, und dann hat man einen weiteren Brunnenschacht an der Stelle neu eingegraben.“ Und auf den Hölzern habe sich ein lehmverschmiertes Korbgeflecht befunden, das zylindrisch nach oben gezogen war. „So etwas haben wir noch nie gefunden.“

Gleichwohl wird jener Fund nie in einem Museum zu sehen sein. „Die Hölzer haben nur noch eine Länge von 20 bis 30 Zentimetern und sind in schlechtem Zustand. Wir sind froh, wenn eine Jahrrings-Analyse der Hölzer in Berlin ein genaues Fälldatum ergibt.“

Einer der alten Brunnen führt nach der Freilegung sogar wieder Grundwasser. Darin schwimmen vermutlich jahrhundertealte Strohreste. Auch die werden im Labor analysiert.

Doch heute sollen auf dem vorderen Bauplatz für die dort geplanten barrierefreien Mehrfamilienhäuser des Wohnprojektes „Domspatz“ die Pumparbeiten beginnen, damit nach der Grundwasserabsenkung der Fahrstuhlschacht gesetzt werden kann. Bauherr Gerhard Brandenburg schaute gestern auch noch einmal bei den Ausgrabungen vorbei: „Wir haben uns mit den Archäologen hier gut arrangiert, und Herr Assendorp macht mit seinem Team eine ganz tolle Arbeit.“ Die Ausgrabungen gehen bald in der zweiten Baugrube weiter.

Eindrücke von den archäologischen Untersuchungen gibt es im Laufe des Tages auch im Video unter www.facebook.com/landeszeitung.de