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Zur Regulierung des Wasserstands werden an den denkmalgeschützten Nadelwehren jeweils einzelne Holzbohlen entlang einer Metallkonstruktion gesetzt oder gezogen  wie hier beim Nadelwehr in Bardowick zu sehen.
Zur Regulierung des Wasserstands werden an den denkmalgeschützten Nadelwehren jeweils einzelne Holzbohlen entlang einer Metallkonstruktion gesetzt oder gezogen  wie hier beim Nadelwehr in Bardowick zu sehen.

Technik mit Seltenheitswert

dth Bardowick/Lüneburg. Sollte die Ilmenau tatsächlich, wie vom Bundesverkehrsministerium angedacht, den Status als Bundeswasserstraße verlieren, sind auch drei technische Anlagen in Gefahr, die in Niedersachsen ihresgleichen suchen. In der bisherigen Diskussion um den Ilmenau-Status wurden vor allem die möglichen Konsequenzen für Anrainer, Landwirtschaft, Tourismus und Naturhaushalt beleuchtet, sollten die den Wasserstand regulierenden Bauwerke ganz oder teilweise zurückgebaut werden. Die Frage des Denkmalschutzes der Schleusen und Wehre stand bisher hinten an. So auch in der vielzitierten Machbarkeitsstudie von 2012, die verschiedene Varianten zum Erhalt der Ilmenau vorschlägt (siehe rechts). Der Schutz der technischen Kulturdenkmale findet darin kaum Beachtung. Dabei gibt es in Niedersachsen nur noch vier dieser sogenannten Nadelwehre.

„Früher waren Nadelwehre Teil einer durchaus gängigen Technologie. Heute sind sie sehr selten geworden“, sagt auf LZ-Nachfrage Dr. Gernot Fischer vom Landesamt für Denkmalpflege in Lüneburg. „Von den vier in Niedersachsen noch erhaltenen Nadelwehren befindet sich eines bei Hann. Münden und drei an der Ilme-nau bei Bardowick, Wittorf und Fahrenholz.“ Auch im bundesweiten Vergleich sind diese technischen Kulturdenkmäler sehr selten geworden. Fischer: „In den alten Bundesländern gibt es nur noch die vier Nadelwehre in Niedersachsen. In den neuen Bundesländern soll es nur in Brandenburg noch einige wenige Exemplare geben.“

Erbaut wurden die Ensemble aus Wehren, Schleusen und Schleusenwärterhäusern bei Fahrenholz und Wittorf im Jahr 1892/93. Das Ensemble in Bardowick ist zwar wesentlich jünger (1934), steht aber auch unter Denkmalschutz. An den jeweiligen Standorten gabelt sich der Fluss Ilmenau. Wie auf einer Insel steht das Haus des Schleusenwärters in der Mitte zwischen Schleusenkanal und dem sogenannten Wehrarm. Die Nadelwehre werden zur Regulierung des Wasserstandes eingesetzt. Der Fluss wird ganz oder teilweise durch das Setzen der Nadeln (mehrere Meter lange Holzbohlen) aufgestaut oder abgelassen. Die Schleusen dienen der Schiffahrt, um die Niveauunterschiede des Wasserstandes vor und hinter dem Wehr auszugleichen und passieren zu können. Die Bedienung der Nadelwehre erfolgt manuell und ist augenscheinlich Schwerstarbeit. Vermutlich ein weiterer Grund, der aus Sicht des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg gegen einen Erhalt der Nadelwehre spricht.

Dennoch sagt Dr. Gernot Fischer: „Der Denkmalschutz ergibt sich aus der Seltenheit. Bei den nun extrem seltenen Nadelwehren an der Ilmenau handelt es sich um besonders erhaltenswerte technische Kulturdenkmäler.“ Doch der Regionalreferent Fischer kann nur appellieren. Lange Zeit hat der Lüneburger Stützpunkt des Landesamtes für Denkmalpflege die Schleusen und Wehre begleitet. Sogar als die Machbarkeitsstudie in Arbeit war, führten die Verfasser mit den Lüneburger Denkmalpflegern dazu Vorgespräche. Doch im Mai 2011 wurden per Gesetzesänderung die Kompetenzen der Lüneburger Denkmalpfleger beschnitten. Unter anderem ging die Zuständigkeit für Bauwerke an Bundeswasserstraßen verloren und direkt ans Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Fischer zur später vorgelegten Machbarkeitsstudie: „Offenbar haben wir die Ergebnisse noch als Ausdruck der Höflichkeit erhalten. Aber die meisten unserer Fragen zum Umgang mit dem Denkmalschutz blieben unbeantwortet.“

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