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Zweieinhalb Wochen nach dem Brand: Berthold Schweers und Elena Schäfer stehen vor dem Hausanbau, wo das Feuer ausgebrochen ist und überlegen, wie es weitergeht.
Zweieinhalb Wochen nach dem Brand: Berthold Schweers und Elena Schäfer stehen vor dem Hausanbau, wo das Feuer ausgebrochen ist und überlegen, wie es weitergeht.

Weiterleben nach dem Brand

off Bardowick. Sie wollte nur kurz zum Frühlingfest ihrer Tochter in den Kindergarten. Als sie zurückkommt, steht ihr Haus in Flammen. Innerhalb weniger Stunden verlieren Elena Schäfer und ihre vier Kinder am 9. Mai fast alles, was ihnen gehört. Eine Katastrophe. Ein Schock. Aber auch ein Moment, in dem die Bardowickerin erfährt: Sie ist nicht allein. Noch am selben Nachmittag steht der Caritas-Geschäftsführer Berthold Schweers auf dem Hof mit einer Soforthilfe der Hilfsaktion „Guter Nachbar“ in der Tasche. „Ein Feuerwehrmann hat uns informiert“, sagt Schweers. Ein weiterer guter Nachbar in der Not.

Zweieinhalb Wochen nach dem Brand, Elena Schäfer tritt aus der Tür des Einfamilienhauses. Ihre Hände sind dreckig, sie entschuldigt sich dafür. „Ich räume auf“, sagt sie. Im Anbau des Hauses hatte vermutlich ein defektes Elektrogerät das Feuer ausgelöst, von dort aus ist der Rauch ins ganze Haus gezogen. Zentimeter dick liegt der Ruß auf Wänden, Armaturen und Fußböden. Der Großteil der Einrichtung liegt bereits in dem drei Tonnen großen Müllcontainer vor dem Haus. Elena Schäfer versucht, das Haus wieder bewohnbar zu machen. Ob es gelingt, weiß die 37 Jahre alte Frau selbst nicht.

Die erste Nacht nach dem Brand hat die alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern Alex (15), Angela (5), Alina (2 Monate) und ihrem Sohn Martin (2) bei Nachbarn verbracht. Seitdem sind sie in einer Notunterkunft der Samtgemeinde untergebracht, Bekannte helfen bei der Kinderbetreuung. Das Nötigste zum Leben haben sie irgendwie zusammengesucht, dabei Unterstützung von Bekannten und hilfsbereiten Bardowickern bekommen. Berthold Schweers ist noch am Brandtag mit Elena Schäfer zur Caritas gefahren, um die Familie mit Kleidung zu versorgen und Windeln, Feuchttücher, Schnuller sowie Cremes für Baby Alina zu kaufen. 250 Euro pro Person, insgesamt 1250 Euro, hat die Familie von der Hilfsaktion von Wohlfahrtsverbänden und Landeszeitung bekommen, „unser fester Satz für Brandopfer“, sagt Schweers.

Zu kämpfen hat die Familie aber nicht nur mit dem materiellen Verlust. Auch die Erinnerungen an den Brand quälen, vor allem die 15-jährige Alex. Sie war mit ihrer zwei Monate alten Schwester allein zu Hause, als das Feuer ausbrach. „Alex hat die Kleine gepackt und ist nach draußen gerannt“, erzählt Mutter Elena Schäfer. „Danach hat sie sich furchtbare Vorwürfe gemacht, dass sie den Brand nicht gelöscht hat.“ Auch die fünfjährige Angela weint oft, „sie vermisst ihr Spielzeug und ihr Prinzessin-Lillifee-Zimmer“. Gerne würde Elena Schäfer die Handwerker rufen, um das Haus rundum zu sanieren. Doch sie hatte keine Gebäudeversicherung und kann die Kosten mit Arbeitslosengeld II nicht bezahlen.

Elena Schäfer versucht es allein. Das Haus gehört ihr, „meine Mutter hat es 2009 gekauft“, sagt sie. Doch nach dem Feuer ist maximal ein Raum bewohnbar, in allen übrigen hat sich der Qualm in Wände und Böden gefressen. Ein Gutachter hat sich den Schaden angeschaut, „um hier wieder wohnen zu können, muss überall der Putz von den Wänden geklopft, der Anbau abgerissen werden“, sagt sie. Wie sie das schaffen will? Elena Schäfer lächelt. Und zuckt dann mit den Achseln. „Irgendwie eben.“ Für sie sei nur eines nach dem Brand wirklich wichtig: „Dass den Kindern nichts passiert ist.“