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Wir spielen alles aus dem Kopf, haben uns das ohne Noten selber beigebracht, sagt Horst Blanquett (r.), Gründungsmitglied der Bewicker Harmonikanten, bestehend aus Volkmar Düffert (v.l.), Peter Dammann, Helmut Röttger und Hermann Blanquett. Foto: t&w
Wir spielen alles aus dem Kopf, haben uns das ohne Noten selber beigebracht, sagt Horst Blanquett (r.), Gründungsmitglied der Bewicker Harmonikanten, bestehend aus Volkmar Düffert (v.l.), Peter Dammann, Helmut Röttger und Hermann Blanquett. Foto: t&w

Männerfreundschaft mit Musik + + + Mit LZplay-Video

dth Bardowick. „Das hat mich richtig aufgemuntert. Als meine Frau gestorben war, brauchte ich irgendetwas. Und dies ist schön. Ich bin als Ältester zwar das jüngste Mitglied“, sagt der 82-Jährige, „aber was solls. Mir bedeutet das alles. Musik ist für mich alles.“ Helmut Röttger ist vor sieben Jahren in die musikalische Männerrunde aufgenommen worden, die als „De Bewicker Harmonikanten“ jetzt ihr 20-jähriges Bestehen feiern mit Handharmonikas und Teufelsgeigen. Am Sonntag, 20. Juli, ab 10.30 Uhr geben sie mit befreundeten Gruppen auf dem Sommerfest der Siedlergemeinschaft ein Geburtstagskonzert im Bardowicker Forsthaus.

Die Geburtsstunde der Bewicker Harmonikanten fällt mit einem besonderen Ereignis zusammen, der feierlichen Einweihung der restaurierten Windmühle im Domflecken im November 1994. Der damalige Müllermeister Manfred Meyer gehörte zu den Gründern der Bardowicker Musikertruppe neben Horst Blanquett, Harry Stein und Karl Soetebeer. Horst Blanquett: „Wir alle kannten uns von Kindesbeinen an. Zur Mühleneinweihung haben wir dann spontan unsere Quetschen in die Hand genommen. Wir probten nur einen Abend vorher und konnten schließlich eine Handvoll Lieder gemeinsam spielen. Heute können wir drei, vier Stunden am Stück spielen, ohne uns zu wiederholen“, sagt der 70-Jährige. In Hochzeiten zählte die Truppe neun Mann, vier sind mittlerweile verstorben, Horst Blanquett ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied.

Volkmar Düffert, seit 2000 dabei, spielt, so wie Hermann Blanquett, die aus Eschenholz selbstgedrechselte Teufelsgeige, bestehend aus Schellen, Tambourin und Taktstock mit Satans-Köpfchen oben drauf, das im Rhythmus mit auf- und abspringt. Horst Blanquett, Helmut Röttger und Peter Dammann musizieren mit der Handharmonika. Horst Blanquett sagt: „Man kann unsere Instrumente nicht mit einem Akkordeon vergleichen. Das Akkordeon hat bei Zug und Druck den gleichen Ton. Und die Handharmonika hat auf Zug und Druck, wie bei einer Mundharmonika, zwei verschiedene Töne.“ Da die Handharmonika im Norden nicht so verbreitet ist, machen sich die Bardowicker Sorgen um den musikalischen Nachwuchs. Vielleicht meldet sich ja beim Geburtstagskonzert am Sonntag ein Interessierter bei der Männertruppe, so wie vor zehn Jahren, als Peter Dammann spontan dazu stieß: „Das hat mich so gereizt und so interessiert, dann habe ich mich da rangeschmissen und um Gutwetter angehalten, ob sie nicht noch einen gebrauchen können. Ein bisschen jabbeln konnt ich schon.“

„De Bewicker Harmonikanten“ spielen nicht nur bei Geburtstagen, sondern brachten auch schon mehrmals das NDR-Fernsehpublikum zum Schunkeln. Und sie gehören zur festen Ausstattung des Tanzballs der Ilmenauschiffer, auch weil sie „noch ohne Steckdose einen Saal-Aufmarsch machen“ können. Bei ihrem Geburtstagskonzert am Sonntag werden sie unter anderem unterstützt vom Lüneburger Shanty Chor und den Original Amelinghausener Schrammlern.

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