Mittwoch , 28. September 2016
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Nicht nur Bardowicks Ortsbrandmeister Frank Peter (r.) und der stellvertretende Gemeindebrandmeister Bernd Wehling fragen sich, mit welchem Fahrzeug künftig die Gefahrgutgruppe unter anderem ihre Chemikalienschutzanzüge zu den Einsätzen bringen soll. Foto: dth
Nicht nur Bardowicks Ortsbrandmeister Frank Peter (r.) und der stellvertretende Gemeindebrandmeister Bernd Wehling fragen sich, mit welchem Fahrzeug künftig die Gefahrgutgruppe unter anderem ihre Chemikalienschutzanzüge zu den Einsätzen bringen soll. Foto: dth

Mit Mietwagen zum Einsatz?

dth Bardowick. Der TÜV-Prüfer hat die Plakette vom Feuerwehrwagen gekratzt. Mindestens 7000 Euro müssten für Reparaturen in das Fahrzeug Baujahr 1993 gesteckt werden. Die Bardowicker Gefahrgutgruppe mit ihren Chemiekalienschutzanzügen steht jetzt erst einmal ohne fahrbaren Untersatz da. Ein Ersatz ist zwar im Haushalt der Samtgemeinde vorgemerkt für 80000 Euro, aber erst 2015. Trotz des Ausfalls soll der Kauf nach dem Willen der Mehrheitsgruppe nicht vorgezogen werden. Stattdessen soll die Verwaltung prüfen, ob sie für die Übergangszeit ein Fahrzeug mieten kann, so die einstimmige Empfehlung des Feuerwehrausschusses der Samtgemeinde bei der jüngsten Sitzung im Rathaus.

„Ist überhaupt ein Ersatzfahrzeug gewünscht oder wollen wir die Ausrüstung auf Schultern tragen?“, fragte eingangs Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) ketzerisch in die Ausschussrunde. Gleichwohl ließ er keinen Zweifel daran, dass es Einigkeit darüber gab, ein Ersatzfahrzeug beschaffen zu müssen. Offen war nur wie und wann. Bardowicks Gemeindebrandmeister Claus Fehrmann, der bereits jüngst wegen des gestrichenen Hubrettungswagen mit den Kommunalpolitikern aneinander geraten war, gab sich wortkarg: „Ich kann nur darum bitten: Wir brauchen das Fahrzeug unbedingt.“ Die Notwendigkeit darzustellen, überließ er Radbruchs Ortsbrandmeister Sascha Melcher. Der ist Berufsfeuerwehrmann in Hamburg und skizzierte ein düsteres Szenario.

Sei es der Kesselwaggon auf der Bahnstrecke oder der Tankwagen auf der Autobahn: Die Gefahr sei real, dass sich in der Samtgemeinde ein Unfall mit Gefahrgut, etwa Chlorgas, ereigne. Zur Menschenrettung sei es zwingend notwendig, ein Logistikfahrzeug für die Gefahrgutgruppe vorzuhalten, damit Atemschutzträger in Chemiekalienschutzanzügen schnell vor Ort sein können, um Menschen aus der Gefahrenzone zu holen. Melcher plädierte für einen neuen 7,5-Tonner als Logistikfahrzeug. Und: „Die untere Schmerzgrenze bei unserer Ausrüstung ist erreicht. Ich kann nicht mit 30 Jahre alter Technik Probleme von 2014 lösen. Der Ausschuss wird sich wundern, was für Probleme noch auf uns zukommen.“

Mehrheitsgruppen-Chef Manfred Mundt (SPD) sagte: „Das wirft unseren Plan durcheinander, aber über die Notwendigkeit gibt es keinen Dissens.“ Allerdings wolle er einen Nachtragshaushalt verhindern. Scheinbar ungehört verhallte der Vorschlag von Verwaltungschef Luhmann, die 80.000 Euro für den Ersatz „aus der Verpflichtungsermächtigung herauszubrechen“, die eigentlich für den umstrittenen Hubrettungswagen gedacht war.

Auf Mundts Vorschlag hin, den Kauf erst im nächsten Jahr vorzunehmen, warf Roland Krause (CDU) ein, dass es mindestens sieben Monate dauere, bis der neue Haushalt stünde. Eine Lösung müsse schnell her.

Für die Übergangszeit schlug Magrit Hinrichsen-Meyer (WfB) vor, ein Einsatzfahrzeug zu mieten, „nur über die Kosten müssten wir uns noch schlau machen“. Der Vorschlag wurde zunächst von einzelnen der mehr als 20 Feuerwehrmitglieder in den Zuhöhrerreihen mit Gelächter quittiert. Doch schließlich fand er im Ausschuss einhellige Zustimmung. Jetzt soll der nichtöffentliche Samtgemeindeausschuss darüber entscheiden.

Im Landkreis Lüneburg wären die Bardowicker wohl die Ersten, die ein Feuerwehrfahrzeug mieten. Dass es für die Vermietung von Einsatzfahrzeugen an klamme Kommunen einen Markt gibt, zeigt das Beispiel „FeuKomRent“ im Kreis Pinneberg. Geschäftsführer Lorenz Hartwig sagte auf LZ-Nachfrage: „Ins Blaue gefischt würde die Miete für einen Gerätewagen-Logistik so 1200 bis 1400 Euro pro Monat betragen, ohne jetzt die genau gewünschten Fahrzeugdetails zu kennen.“ Eine Vermietung für wenige Monate aber hat er nicht im Angebot. „Das lohnt sich nicht, da wir die Mietfahrzeuge nach den Wünschen des Kunden bauen lassen. Die Mietdauer müsste mindestens vier, fünf Jahre betragen.“ Ob so ein Modell eine Option für die Bardowicker wäre, ist fraglich. Auch über die Reparatur des alten Fahrzeugs für die Übergangszeit wurde nicht weiter diskutiert.