Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Bei den Ausgrabungen an der Steinstraße nahm Jan Joost Assendorp zur Orientierung einen Kupferstich von Daniel Frese zur Hilfe. Foto: t&w
Bei den Ausgrabungen an der Steinstraße nahm Jan Joost Assendorp zur Orientierung einen Kupferstich von Daniel Frese zur Hilfe. Foto: t&w

Geschmeide aus Bardowicks Erdreich

dth Bardowick. Der Knaller kam zum Schluss: Anlässlich der Vortragsreihe über Bardowicks Geschichte referierte Lüneburgs Bezirksarchäologe Jan Joost Assendorp vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege über die jüngsten Ergebnisse archäologischer Untersuchungen im Domflecken. Zu den Funden zählte zuletzt neben einem gedrechselten Holzpokal aus dem Mittelalter, ein bemerkenswertes feuervergoldetes Kupferstück und ein goldener Ring. In seinem Vortrag vor rund 80 Zuhörern im Bardowicker Gildehaus stellte er die jüngsten Grabungen an der Steinstraße in den Kontext bisheriger Untersuchungen und äußerte sich deutlicher als bisher zu archäologischen Hinweisen auf eine mittelalterliche Münzprägestätte in Bardowick. Denn in den 2012 freigelegten Ofenresten an der Großen Straße, wo heute der Discounter steht, wurde doch Silber gefunden.

Vermutlich wollte Assendorp seinerzeit auch keine Schatzsucher nach Bardowick locken und hatte sich sehr vorsichtig über die Rolle der acht entdeckten Ofenstandorte auf dem damals noch freiliegenden Gelände des heutigen Discounters geäußert. Angesichts des damaligen Stands der metallurgischen Untersuchungen durch die Uni Hannover ließ Assendorp immerhin den Schluss zu, „das metallverarbeitende Zentrum“ im mittelalterlichen Bardowick entdeckt zu haben. Nach weiteren Untersuchungen wurde er jetzt konkreter.

Assendorp: „Von den acht Öfen hat nur einer sein Geheimnis preis gegeben.“ Er gehörte zu dem Schmelztiegel, von dem die Experten Fragmente gefunden haben mit anhaftenden Metallschlacken. „Bei den Untersuchungen haben wir darin dann 87 Prozent Silber und acht Prozent Kupfer angetroffen. Diese Mischung ist bekannt aus dem Bardowicker Agrippiner, das Münzgeld, das im 11. Jahrhundert in Bardowick geprägt worden ist. Es ist ganz offensichtlich so, dass das Silber, das auch zur Münzprägung genutzt worden ist, hier verarbeitet wurde. Die Münzen selber haben wir dort leider nicht gefunden.“ Dafür aber eine Klappwaage, ein Arbeitswerkzeug für Silberschmiede oder -händler.

Für Aufsehen hatte zuletzt eine Grabung im Frühjahr unter Leitung von Assendorp gesorgt, als sein Team im Vorfeld der Bauarbeiten für das Domspatz-Wohnprojekt an der Steinstraße einen sogenannten Bartmann-Krug gefunden hatte. Zudem legten sie im weiteren Verlauf die Spuren von Grubenhäusern frei sowie vier Brunnen einer mittelalterlichen Hofstelle (LZ berichtete), deren Holzreste bis zurück in das 10. Jahrhundert verweisen. Das haben dendrologische Untersuchungen des Deutschen Archäologischen Insituts in Berlin ergeben.

Im weiteren Verlauf des Jahres leitete Assendorp in der Nähe eine Lehrgrabung der Uni Hamburg an, bei der ein benachbarter Bereich untersucht wurde, in dem die Versorgungsleitungen für das Wohnprojekt entlangführen mit weiteren besonderen Funden, die allerdings noch einer genaueren Einordnung bedürfen. Zum Beispiel eine Fibel oder ein Anhänger, „ein Kupferkörper, der feuervergoldet ist“. Das Stück zeigt einen menschlichen Körper ausgestattet mit Flügeln, Tatzen und einem Vogelkopf. Zudem haben die archäologischen Grabungen dort einen goldenen Ring zu Tage befördert. „Da das Grabungsgelände relativ nah dran ist an der ehemaligen Domherrenscheune, wo jetzt die Domschänke ist, stellt sich die Frage, ob wir es hier schon mit dem Abfall aus dem Domherren-Bereich zutun haben.“ Unterdessen sind Fundstücke wie die vergoldete Fibel zur weiteren Analyse in Hannover.

Bei der Einordnung eines „komischen Fundes“, wie Bezirksarchäologe Assendorp sagte, hofft er indes auf Unterstützung aus der Bevölkerung und zeigte das Bild eines bärtigen Männchens aus Sandstein, ähnlich einer überdimensionierten Schachfigur. „Angeblich ist diese Figur in einem Bardowicker Obstgarten im Altdorf gefunden worden. Vielleicht weiß jemand Genaueres?“

Hinweise zu dem Fundstück nimmt das Regionalteam Lüneburg des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege entgegen unter Tel.04131/152935 oder via E-Mail an jan-joost.assendorp@nld.niedersachsen.de.

Die Vortragsreihe zur Bardowicker Geschichte wird ausgerichtet vom Kulturraum Bardowick sowie vom Windmühlenverein Bardowick Verein für Heimatkunde. Der letzte Vortrag der Reihe findet am Freitag, 24. Oktober, statt um 19 Uhr im Gildehaus (St- Johannis-Straße 3). Historiker Uwe Meyer referiert zum Thema „Das Bardowicker Kollegiat-Stift im Mittelalter“. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.