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Ministerpräsident Stephan Weil (l.) und Landesbischof Ralf Meister äußerten ihre Gedanken zum Thema ,,Unser täglich Brot, Pastorin Christiane Plöhn (r.) führte in den Gottesdienst im Bardowicker Dom ein. Auch Landwirtschaftminister Christian Meyer (hinter Weil links) war zum landesweiten Erntedankfest gekommen. Foto: t&w
Ministerpräsident Stephan Weil (l.) und Landesbischof Ralf Meister äußerten ihre Gedanken zum Thema ,,Unser täglich Brot, Pastorin Christiane Plöhn (r.) führte in den Gottesdienst im Bardowicker Dom ein. Auch Landwirtschaftminister Christian Meyer (hinter Weil links) war zum landesweiten Erntedankfest gekommen. Foto: t&w

„Unser täglich Brot“

kre Bardowick. Diese Botschaft zum Erntedank war wahrlich nicht leicht zu verdauen: Landesbischof Ralf Meister kam am Sonntag, 5. Oktober, in den Dom zu Bardowick und predigte den Gläubigen ordentlich ins Gewissen: „Unser täglich Brot…“  für viele oft nicht einmal mehr ein Gedanke wert  ist eben alles andere als selbstverständlich. Hunderte Millionen Menschen auf der Welt hungern, haben nicht genug zu essen  ,,und uns fehlt das Maß“, wetterte der Geistliche. Und weiter: ,,Wir sind eine Gesellschaft der Völlerei, die das Übermaß verehrt. Es ist ein Skandal, wie viele Lebensmittel nicht in den Verbraucherkreislauf kommen, weil sie bestimmten Normen nicht entsprechen oder wegen kleiner Abweichungen nicht verkauft werden dürfen.“

Bischof Meister fand deutliche Worte und er wählte sie bewusst. Denn in Bardowick fand gestern das erste gemeinsame landesweite Erntedankfest statt, zu dem auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erschienen war.

Während rund um den Altar die Erntegaben drapiert waren, informierten im Eingangsbereich des Doms und im Freien verschiedene Vereine, Verbände und Organisationen rund um das Thema Landwirtschaft und Ernährung. Diana Reif von der ,,Vernetzungsstelle Schulverpflegung“ von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung etwa ist überzeugt: ,,Ernährungsbildung wird auch an deutschen Schulen schon in absehbarer Zeit ein ganz großes Zukunftsthema werden.“

Wie man dem Problem der Nahrungsmittelknappheit weltweit und wirksam begegnen kann, glaubt Dr. med. vet. Nils Th. Grabowski zu wissen: Der Wissenschaftler vom Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit setzt auf Insekten. Im RTL-Dschungelcamp sorgten die kleinen Krabbeltiere für den Ekelfaktor, jetzt sollen sie nach Grabowskis Willen auch in Deutschland möglichst oft auf den Tisch kommen. ,,Das ist nur eine Sache des Kopfes, dass wir Insekten eklig finden“, erklärte Grabowski gestern freundlich lächend neugierigen Besuchern vor dem Dom, „in anderen Ländern sind die Tierchen eine Delikatesse“. Und eine beliebte dazu: ,,Bei 2,5 Milliarden Menschen stehen sie täglich auf dem Speiseplan.“ Belgier und Niederländer haben seinen Worten zufolge dieses Potenzial erkannt  „wir Deutsche müssen aufpassen, dass wir nicht abgehängt werden“.
Stattdessen landen in Deutschland täglich Lebensmittel im Abfall, achtlos entsorgt.

,,Wir leben in einer Überflussgesellschaft“, stellte auch Ministerpräsident Stephan Weil in seinem Grußwort fest und nannte eine Zahl, die zu Denken gibt: ,,Statistisch gesehen, wirft jeder Bundesdeutsche pro Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel in die Tonne.“ Eine maßlose Verschwendung, auf die dieser erste landesweite Erntedankgottesdienst aufmerksam machen möchte. Doch trotz dieses Überflusses gibt es Menschen, die auf das so genannte ,,Containern“  das Verwerten von Essbarem aus den Abfalltonnen  ebenso angewiesen sind wie auf die ,,Tafeln“, die es mittlerweile überall im Lande gibt und die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen. ,,Für diese Menschen ist das ,tägliche Brot eine tägliche Herausforderung“, weiß Weil.

,,Das tägliche Brot“: Für viele ist es gleichbedeutend mit einer ,,Lebensmittelmaximalversorgung“, mahnte Bischof Meister, doch das sei ein Trugschluss. Jesu Formulierung sei eindeutig: Danach bedeute ,,täglich“ eine Rationierung des Brotes. ,,Es heißt: das, was wir heute für heute brauchen. Nicht mehr, nicht weniger.“ Doch diese Haltung, bedauerte der Landesbischof aus Hannover, sei der Überfluss-Gesellschaft beim Gang durch die Supermarktregale abhanden gekommen.