Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Endet Streit um Krippe und Wehr?
Der Radbrucher Sascha Melcher (2.v.r) wurde zum neuen Gemeindebrandmeister ernannt. Der Handorfer Sascha Wenzl (2.v.l.) ist sein Stellvertreter. Die Urkunden überreichten Achim Gründel (l.) und  Heiner Luhmann.  Foto: dth
Der Radbrucher Sascha Melcher (2.v.r) wurde zum neuen Gemeindebrandmeister ernannt. Der Handorfer Sascha Wenzl (2.v.l.) ist sein Stellvertreter. Die Urkunden überreichten Achim Gründel (l.) und Heiner Luhmann. Foto: dth

Endet Streit um Krippe und Wehr?

dth Bardowick. Es hätte sich gelohnt, Eintrittsgeld zu verlangen, nicht nur wegen der mit rund 60 relativ vielen Zuhörer, die der Bardowicker Samtgemeinderatssitzung am Dienstagabend im Rathaus beiwohnten. Einerseits waren viele Feuerwehrmitglieder anwesend wegen der, infolge interner Querelen, frühzeitigen Entlassung ihrer bisherigen Führungsspitze und der Ernennung der neuen. Zudem formiert sich im Flecken derzeit eine Bürgerinitiative, die den geplanten Windpark nordwestlich des Ortes kritisiert und nun erstmals öffentlich ihre Sorgen vortrug, darunter die befürchtete Verwirbelung und Weiterverbreitung hochallergener Raupenhaare durch die Windräder. Im nichtöffentlichen Teil hatte sich der Samtgemeinderat zudem auf das weitere Vorgehen im Barumer Krippenstreit verständigt.

Wie berichtet, hatte sich zuletzt Barums Bürgermeister Torsten Rödenbeck entgegen gefasster Beschlüsse von Gemeinde- und Samtgemeinderat dagegen ausgesprochen, die Trägerschaft der Krippe zu übernehmen. Die zusätzliche Finanzbelastung aus Zinsen für Investitionskredite und Abschreibungen würde den Barumer Haushalt über Gebühr belasten. Nach der nichtöffentlichen Beratung bestätigte Joachim Päper (SPD), Samtgemeinderatsherr und stellvertretender Bürgermeister von Barum, doch an den Ratsbeschlüssen festzuhalten.

Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) sagte auf LZ-Nachfrage, dass nun nach einer Lösung gesucht werde, die einerseits die geflossenen Krippen-Zuschüsse nicht gefährde und für die Gemeinde Barum über die Betriebskosten hinaus keine zusätzliche finanzielle Belastung bedeute. Die Frage der Trägerschaft muss bald gelöst werden, damit die Betriebsgenehmigung der Krippe Ende des Jahres nicht erlischt.

Zum Thema Windpark meldeten sich besorgte Bardowicker Bürger zu Wort, hinterfragten das von Samtgemeinde und Bauernverband Nordost-Niedersachsen geplante Projekt. „Wieviele Unterschriften müssen wir sammeln, um das zu verhindern?“ fragte etwa Kai Greve von der „Initiative Windkraft in der SamBa“. Dazu Ratsvorsitzender Achim Gründel (SPD): „Wenn wir den Windpark nicht bauen, machen das andere und dann werden wir von externen Kapitalgesellschaften fremdbestimmt.“ Sowohl Verwaltungschef Luhmann als auch Gründel gaben sich redlich Mühe, den schon mehr als ein Jahr dauernden, öffentlich geführten Diskussionsprozess nachzuzeichnen.

Auf Einwohnerfragen, ob später die Windräder die giftigen Härchen des Eichenprozessionsspinners, der am südlichen Ende des Plangebietes vorkomme, kilometerweit über Bardowick weitertragen könnten, wusste der Rat keine abschließende Antwort zu geben.

Luhmann bot sich weiterhin als Gesprächspartner an. Und auch Gründel verwies auf eine geplante Informationsveranstaltung der Samtgemeinde zum Thema Windpark: am Dienstag, 18. November, um 19 Uhr in der Bardowicker Schützenhalle. Vorher lädt die Bürgerinitiative ihrerseits zu einer Infoveranstaltung ein und zwar bereits am Dienstag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr im Bardowicker Gasthaus Zum Anker.

Nach Unstimmigkeiten innerhalb der Samtgemeindefeuerwehr hatten Gemeindebrandmeister Claus Fehrmann und sein Stellvertreter Bernd Wehling nach rund zwei Jahren Amtszeit das Handtuch geworfen (LZ berichtete). Jetzt erhielten sie ihre Entlassungsurkunden aus dem Ehrenbeamtenverhältnis. Gründel dankte ihnen, dass sie in einer Zeit eingesprungen seien, als händeringend jemand gesucht wurde, der Verantwortung übernimmt.

Auch Luhmann sprach den beiden großen Dank für ihren Einsatz aus. Fehrmann und Wehling verzichteten ihrerseits auf Abschiedsworte. Auf mehrheitlichen Vorschlag der Feuerwehren ernannte der Rat einstimmig die Nachfolger: neuer Gemeindebrandmeister ist der Radbrucher Sascha Melcher, sein Stellvertreter ist der Handorfer Sascha Wenzl. Melcher versprach, die Freiwilligen Feuerwehren „auf der Basis von alten Werten wie Kameradschaft“ zu führen. Nur für die Kommunalpolitiker dürften die beiden Neuen im Ringen um Feuerwehr-Investitionen nicht pflegeleichter als ihre Vorgänger werden: Melcher und Wenzl sind Berufsfeuerwehrleute.