Donnerstag , 29. September 2016
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Sabine Gebert, Lennart Nielsen, Bianca Schmidtke und Laura Gesell (v.l.) verlesen per Hand die sogenannten Fehlwürfe aus dem Biomüll. Foto: kre
Sabine Gebert, Lennart Nielsen, Bianca Schmidtke und Laura Gesell (v.l.) verlesen per Hand die sogenannten Fehlwürfe aus dem Biomüll. Foto: kre

Kraftpaket aus der Tonne

kre Bardowick. Deckel auf, runzelige Kartoffeln, Äpfel- oder Eierschalen, schlappe Gurken und benutzte Kaffeefilter rein, Deckel zu! Was nicht mehr auf den Tisch soll, gammelig geworden ist und in Küche und Vorratskammer stört, kommt in die Biotonne. So solls sein. Was danach mit dem organischen Abfall passiert, hat sich jetzt die Landeszeitung im Kompostwerk auf dem Gelände der GfA in Bardowick angesehen.

Um es vorweg zu nehmen: Viel schneller als bei der Kompostierung kann man den Kreislauf der Natur nicht nachvollziehen: In nur wenigen Wochen wird aus dem ursprünglich muffeligen und unappetitlichen Grünabfall wertvoller Kompost. Der absolut nichts mehr gemein hat mit der Konsistenz seiner Ausgangsstoffe. Der nicht stinkt – der vor allem aber ein echtes und dazu absolut natürliches Kraftpaket ist für die Pflanzen im heimischen Garten.

,,Warum wir Ihnen das alles erzählen und zeigen?“, fragen schmunzelnd die GfA-Expertinnen Marleen Knust und Katja Richter und antworten: ,,Weil sich die GfA als Entsorger auch an der Europäischen Woche zur Abfallvermeidung beteiligt.“ Und Katja Richter ergänzt: ,,Die Veranstaltung steht in diesem Jahr unter dem Motto ,Lebensmittelverschwendung.“

Wenn also die Lebensmittel schon nicht verzehrt werden, gehören sie in die Biotonne – ,,damit sie dem ökologischen Kreislauf zurückgeführt werden können“, sagen Marleen Knust und Katja Richter. So weit, so gut also. Wenn da nicht die sogenannten ,,Fehlwürfe“ wären: Abfall, der in die graue Restmüll-, aber nicht in die Biotonne gehört. Sabine Gebert und ihre Kollegen Lennart Nielsen, Bianca Schmidtke und Laura Gesell können ein Lied davon singen: Die vier stehen in der Sortierkabine. Vor ihnen auf dem Band läuft das vorbei, was die Lüneburger in Stadt und Kreis in die Biotonne geworfen haben. Die Aufgabe der vier: Das per Hand auszusortieren, was der Kunde später nicht im fertigen Kompost-Produkt finden möchte. Kein Job für empfindliche Nasen. ,,Es gibt fast nichts, was wir nicht schon im Biomüll gefunden haben“, sagt Bianca Schmidtke. Gartengeräte, Gebisse, Unterwäsche, selbst Fahrzeugpapiere und tote Schafe haben die GfA-Mitarbeiter schon entdeckt – und gewissenhaft aussortiert. Vor allem die Plastiktüten machen den Mitarbeitern zu schaffen. ,,Die haben in der Biotonne doch nun wirklich nichts zu suchen“, versteht Katja Richter den Ärger ihrer Kollegen.

Der in Handarbeit kontrollierte und nun ,,sauberere“ Abfall aus der Biotonne geht weiter in den Rotteprozess, wird umgesetzt, gesiebt und wird so von Tag zu Tag mehr fertiger Kompost. Genauso, wie die Grünabfälle, die wenige Meter weiter im Freien – aber vom Bioabfall streng getrennt – zu Kompost verarbeitet werden.

Am Ende des Prozesses sind beide Kompostarten – aus Grünabfällen und aus der Biotonne – nicht mehr zu unterscheiden. ,,Ein absolut natürliches Produkt“, betonen Marleen Knust und Katja Richter. Strengstens überwacht und kontrolliert durch ein unabhängiges Labor.

Den Vorteil des Kompostierens im großen Stil wie bei der GfA, im Vergleich zum heimischen Garten-Komposter, erklärt Gartenbau-Ingenieurin Marleen Knust: ,,Wir erzielen in unseren Mieten beim Rotteprozess deutlich länger und deutlich höhere Temperaturen, über mehrere Wochen bis zu 75 Grad.“ Dadurch werden Krankheitserreger und Unkrautsamen abgetötet. Der Kompost wird ,,hygienisiert“.

Rund 20000 Tonnen Kompost produziert die GfA jährlich, vertreibt ihn unter dem Firmenlogo ,,Lüneland“. Lose für Selbstabholer, aber auch sauber abgepackt in 30-Liter-Tüten auf dem GfA-Gelände in Bardowick.

Für die beiden Garten-Expertinnen Knust und Richter gibt es nichts Besseres und Natürlicheres für den heimischen Garten als die Kompostgabe: ,,Naturkompost reguliert den ph-Wert des Bodens, gleicht den Humusabbau aus, speichert Wasser und sorgt für eine gute Durchlüftung des Bodens“, sagen die beiden.

Selbst mit alten Lebensmitteln kann man also der Natur helfen – man muss sie nur in die richtige Tonne werfen.

Aktion auf dem Platz Am Sande
Anlässlich der Europäischen Woche zur Abfallvermeidung wird die GfA am Sonnabend, 22. November, von 10 Uhr bis 16 Uhr mit einem Stand vor dem Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg auf dem Platz Am Sande in Lüneburg stehen und Interessierten alles rund um das Thema Kompost erklären. Dabei zeigen die Abfallexperten auch, was in die Bio- beziehungsweise in die grüne Tonne gehört und was nicht. Plastiktüten, zum Beispiel. Außerdem werden an diesem Tag Fachleute für Pflanzenkrankheiten am GfA-Stand vertreten sein. Gartenfreunde können also Proben von befallenen Pflanzen mitbringen und vor Ort um Rat fragen.kre