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Die Ilmenau braucht Pflege

ca Wittorf. Die Ilmenau hat viele Freunde, und die machen nun mobil, um die Schiffbarkeit des Flusses zwischen Lüneburg und Hoopte an der Mündung in die Elbe zu erhalten. Mehrere Vereine und Initativen wollen sich zu einem Verein zusammenschließen, die Vorbereitungen gehen auf die Zielgrade. Sie alle eint Kritik an Überlegungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA), Wehre und Schleusen stillzulegen und die Ilmenau stärker der Natur zu überlassen. Bei Versammlungen in den vergangenen Wochen saßen den Organisatoren zufolge Vertreter von Angler- und Umweltgruppierungen ebenso unter den Interessenten, wie Crewmitglieder des Lüneburger Ewers und des Bardowicker Historien-Binnenschiffs Ilmenau, aber auch Vertreter politischer Gemeinden, Denkmalschutz-Engagierte und Hausbesitzer.

Wie berichtet, hat das WSA eine sogenannte Machbarkeitsstudie erstellen lassen, die Perspektiven für die Entwicklung der Ilmenau aufzeigt. Grob zusammengefasst kommt die Lauenburger Behörde zu dem Schluss, angesichts von 150 Booten, die pro Jahr über die Ilmenau ziehen, lohnt es nicht, rund 19 Millionen Euro in die Infrastruktur zu investieren, um den Fluss als Bundeswasserstraße bis in den alten Lüneburger Hafen zu erhalten. Sohlegleiten und halber Stau, also Eingriffe etwa wie Buhnen, würden reichen, um den Wasserstand des Flusses halbwegs konstant zu halten. Um dieses Konzept umzusetzen, müssten „nur“ 3,7 Millionen Euro locker gemacht werden.

Das alles überzeugt die Vereinsgründer nicht. Claus Meyer aus Bardowick, Kai Lübbecke aus Wittorf sowie die beiden Lüneburger Jens-Peter Fiedler und Bernd-Jürgen Strauch zogen bei einem Treffen mit der LZ Zahlen und Aussagen des WSA in Zweifel – durchaus nicht nur aus Empörung heraus, sondern auch mit Sachverstand. Strauch arbeitet als Fachmann für die Ilmenau beim WSA. Das Quartett wirft der Behörde vor, in den vergangenen Jahren nur wenig für den Erhalt von Bauten in Bardowick, Wittorf und Fahrenholz am Fluss getan zu haben, auch deshalb sei die Schleuse in Wittorf vergangenes Jahr wegen angeblicher Baufälligkeit geschlossen worden. Gleichzeitig ist das WSA aber nach Berichten von Augenzeugen mit eigenen Booten durch die Schleuse gefahren. Komplette Sanierungen und neue Wehre müssten nicht sein, Reparaturen seien mit weniger finanziellem Aufwand machbar.

Auch dürften die Nadelwehre nicht einfach verschwinden. Die stünden unter Denkmalschutz. Mit dem Setzen und Ziehen von langen Holzstäben (Nadeln) regulieren Arbeiter seit Jahrhunderten den Wasserstand der Ilmenau, eine nur noch selten erhaltene Technik.

Die Aktivisten argumentieren überdies ähnlich wie der Landkreis in seiner ablehnenden Stellungnahme zur Machbarkeitsstudie: Fällt der Wasserstand des Flusses, können auch der Grundwasserspiegel und das Niveau in Zuläufen sinken. Denkbare Folgen: Fischbesatz ergibt keinen Sinn mehr, weil den Tieren der Wasserstand zu niedrig ist, Biotope trocknen aus, Häuser, die wie im Lüneburger Wasserviertel auf Pfählen gegründet oder wie der Nikolaihof in Bardowick auf einer Moorlinse liegen, geraten in Gefahr – ihre feuchte Basis im Untergrund könnte wegsacken wie ein ausgedrückter Schwamm.

Dass nur wenige Schiffe von der Elbe über die Ilmenau nach Lüneburg segeln und tuckern, hat für die Vereinsgründer auf der Hand liegende Gründe: Zum einen kann kein Boot die gesperrte Wittorfer Schleuse passieren. Zum anderen müsse man für die Fahrt durch die idyllische Landschaft Werbung in Sachen sanfter Tourismus machen. Auf anderen Flüssen würden viel mehr Freizeitkapitäne gesichtet. Aber denen müsse man Anlegestellen mit einer gewissen Ausstattung bieten – ähnlich wie bei einem Stellplatz für Wohnmobile. Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) hatte schon vor Jahren ein Konzept vorgelegt.

Die Aktivisten sind sich sicher, dass sie für ihren Förderverein, der belebte oder lebhafte Ilmenau heißen könnte, eine Menge Mitstreiter finden, die gegen die WSA-Pläne angehen.