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Nikolai-Orgel wieder bei Stimme

dth Bardowick/Lüneburg. Eine der ältesten Kirchenorgeln im Landkreis Lüneburg erhebt wieder ihre Stimme. Für insgesamt 160 000 Euro wurde das Kircheninstrument auf dem Nikolaihof bei Bardowick saniert. Damit das gelingen konnte, hat die „Sparkassenstiftung Lüneburg“ dafür jetzt 80 000 Euro springen lassen. Die andere Hälfte trägt die Stiftung „Hospital St. Nikolaihof“, die von der Stadt Lüneburg verwaltet wird. Während etwa die benachbarten Männerhäuser des historischen Gebäudeensembles St. Nikolaihof in Kooperation mit Flecken und Samtgemeinde Bardowick saniert, restauriert und in Teilen noch bis Mitte 2015 umgebaut werden, sollen die Arbeiten an dem Kirchengebäude bereits nächsten Monat abgeschlossen werden. Für Sonntag, 8. September, ist dort auch der Wiedereinweihungs-Gottesdienst vorgesehen – mit der wiederbelebten Orgel.

Noch fällt der Besucher im Kircheneingang über zugestaubte Werkzeugkisten, Stromkabel und Baulampen. Aber die Orgel klingt schon. „Das ist ein wahres Prachtstück“, freute sich gestern Reinhard Gräler aus Winsen/Luhe, Orgelrevisor der hannoverschen Landeskirche. Als Fachberater hat er den Ausbau der alten Orgel und den Bau der neuen unter Wiederverwendung alter Orgelpfeifen begleitet. „Von insgesamt acht Registern konnten wir vier retten. Die anderen Pfeifen waren unter anderem von der Zinnpest so zerfressen, dass einige bereits zerbröselten.“ Die erhaltenen Originalpfeifen wurden laut Gräler ursprünglich im 16. Jahrhundert gefertigt. Die nun fast einjährigen Restaurierungsarbeiten wurden von der Orgelbaufirma Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH aus Werder/Havel durchgeführt, die bereits der Orgel im Bardowicker Dom zu neuer Pracht verholfen hatte.

Carsten Junge, Geschäftsführer der Lüneburger Sparkassenstiftung, sagte: „Das ist eine Orgel von herausragender Bedeutung. Deswegen haben wir uns auch entschieden, den Wiederaufbau zu unterstützen.“ Eine ähnliche alte Orgel befindet sich laut Gräler in der St. Johanniskirche in Lüneburg.

Und die Bardowicker Nikolai-Orgel hat noch eine Besonderheit – neben einer „mitteltönigen Stimmung und einer gebrochenen Oktave“ (Gräler): Sie verfügt, etwa ähnlich der Orgel in der Scharnebecker Kirche, über sogenannte Keilbälge, über die die Pfeifen mit Luft versorgt werden. Sind die Bälge im Inneren der hölzernen Orgelmechanik während des Spiels erflacht, können sie mittels zweier großer Holztritthebel wieder mit Luft gefüllt werden. Das heißt, neben dem Organisten an der Klaviatur wird zum Spielen ein „Bälgetreter“ benötigt, der von einer Holzbank aus mit den Füßen die Hebel herunterdrückt.

Doch für den Fall, dass sich niemand für diese Art von Gymnastik findet, ist auch ein Elektromotor eingebaut worden, um die Arbeit zu erledigen. Gräler: „Wenn die Luft ohne Motor zugeführt wird, haben die Töne zum Schluss ein kleines Tremolo, ein Zittern.“ Auch sonst hat die in weiß verkleidete Orgel stimmliche Eigenheiten. Gräler: „Auf ihr kann man Stücke maximal bis Bach spielen. Und je weniger Vorzeichen die Töne haben, desto sauberer klingen sie . . . wie eine langgezogene Schiffshupe.“ Der Preis: „Dafür klingen die Zwischentöne etwas dreckiger.“