Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Töpfern für das Titelblatt
3498335.jpg

Töpfern für das Titelblatt

rov Bardowick. Ein typisch niedersächsisches Hallenhaus mitten im alten Dorfkern, drei Viertel des roten Backsteinhauses ist für die Großfamilie, ein Viertel der Wohnfläche ist mittlerweile Werkstatt. Melanie Follmer hat Textildesign studiert, ist vierfache Mutter und nun auch sehr erfolgreiche Handwerkerin. In ihrem Bauernhaus hat sie ihre Firma mit dem Namen „3punktf“ untergebracht. Hier töpfert sie große Kaffeebecher und kleine Espressotassen, hohe und niedrige Etageren, zierliche Vasen, riesige Tortenplatten, Teller oder auch Müslischüsseln. Neben den Kunden sind es aber vor allem Fotografen, die das 3punktf-Service entdeckt haben – Zeitschriften wie „Schöner Wohnen“, „Essen und Trinken“ oder „Landlust“ haben das Bardowicker Geschirr schon auf der Titelseite gehabt.

Seit etwas über einem Jahr hat die Wahl-Bardowickerin ihre Werkstatt, den Verkaufs- und Ausstellungsraum und ihr Büro auf der Rückseite des alten Bauernhauses untergebracht. Vorher stand die Drehscheibe noch in einer alten Dusche im Haus, die getöpferten Teller trockneten zwischen den Hemden ihres Mannes, und der Ton stapelte sich im Hausflur neben Kinderschuhen und Schulranzen. Aber seitdem die 46-Jährige so erfolgreich ihre Keramik verkauft, reicht der Platz nicht mehr aus. Viele Privatkunden kaufen über ihren Online-Shop, einige kommen vorbei, um die Keramik erstmal anzuschauen. Oder besser gesagt – anzufühlen.

Der Firmenname „3punktf“ ist zugleich auch das Logo auf der Unterseite der Produkte. Die Zahl drei steht dabei für die drei Elemente Erde, Wasser und Feuer – alle benötigt Follmer für ihre Produkte – und der Buchstabe ist der erste ihres Nachnamens. Bei „3punktf“ gibt es zwei Serien. Die eine heißt ,Nord‘, ist aus dunklem Ton gefertigt und wird anthrazit matt und weiß glänzend glasiert. ,Nord‘ wirkt eher schlicht, edel und urban. Das Pendant dazu ist die Serie ,Süd‘. Sie kommt leichter, lockerer und fröhlicher daher. „Das Herzstück jeder Serie ist der Teller, damit fängt alles an“, erklärt die gebürtige Schleswig-Holsteinerin und sagt: „Alles Unikate.“

Mit Einzelstücken hatte Follmer auch nach ihrem Studium in Hamburg zu tun. Mehrere Jahre arbeitete sie bei ‚ThI Punkt‘ in der Mönckebergstraße. Für das angesagte Designer-Bekleidungsgeschäft entwarf sie nicht nur Pullover und entschied, welche Krawatte es ins Verkaufsregal schafft. Hier stand sie auch täglich hinter dem Tresen. Dann kam der Umzug nach Bardowick und mit ihm das Umdenken, denn von hier aus konnte sie nur noch sonnabends nach Hamburg pendeln, um zu arbeiten. Dann kam ihr viertes Kind.

„Ich wusste nicht so recht, was ich tun sollte, ich wollte erst noch gar nicht los vom Stoff und begann zu filzen. Aber dann dachte ich, mach einfach was ganz anderes, und Ton fand ich schon immer spannend.“ Also machte Follmer einen Drehkurs bei einer Töpferin, den Rest entschied das Schicksal. Auf dem Weg zu einer Party in Hamburg bekam die Bardowickerin nämlich eine Drehscheibe geschenkt. Sie sah einen Zettel in einem Schaufenster: „Drehscheibe zu verschenken.“ Der Grund war eine Werkstattauflösung.

Nun töpferte sie so richtig los und gab die erste Ausstellung in einer Galerie in Lüneburg. Hier entdeckten die Betreiber des Cafés „Dreiteiler“ ihr Keramikgeschirr und nahmen es bei der Café-Eröffnung für ihre ersten Kaffees und Kuchen. Aber nicht nur durch das Café bekommt sie ihre Kunden, erklärt Follmer. Mittlerweile bringt die Keramikerin immer öfter Pakete zur Post, um ihr Geschirr nach Bayern, ins Saarland und sogar Wien zu verschicken.

Sicher, der Kaffeebecher bei „3punktf“ kostet nicht drei Euro wie im Kaufhaus, aber da könne man eben fühlen, wo der Unterschied zwischen handgemacht und industriell hergestellt ist. Mit einem Lächeln sagt Follmer noch: „Jedes Mal, wenn aus dem kleinen Klumpen Ton etwas entsteht, geschieht etwas, was fast magisch ist.“