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Der Kranich wird 1,20 Meter groß, hat eine Flügelspannweite von bis zu 2,20 Meter - und ist einer der größten Zugvögel Europas. Foto: nh/dieter damschen
Der Kranich wird 1,20 Meter groß, hat eine Flügelspannweite von bis zu 2,20 Meter - und ist einer der größten Zugvögel Europas. Foto: nh/dieter damschen

Glücksboten auf Reisen

off Bleckede. Er gilt als Symbol des Glücks und der Langlebigkeit. Verzaubert die Menschen seit Jahrhunderten mit seinem Tanz. Und lockt bald wieder Dutzende Vogelkundler an die Elbe: der Kranich. In Schwärmen ziehen die Vögel derzeit wieder aus Skandinavien gen Süden – und machen dabei traditionell auch an der Elbe im Landkreis Lüneburg Rast. Nicht zu Tausenden wie in den großen Rastgebieten an der Ostsee oder in der Diepholzer Moorniederung. „Aber in kleineren Gruppen ist der Kranich auch bei uns zu sehen“, sagt Jann Wübbenhorst, Biologe und Mitglied des Naturschutzbundes (NABU) aus Bleckede.

Wübbenhorst erwartet den Hauptkranichzug Ende Oktober, „vereinzelt sind die Vögel aber auch jetzt schon zu sehen“. Und zu hören. „Die Rufe der Kraniche sind einzigartig“, sagt der Vogelkundler. Laut und trompetenartig. „Die Vögel haben eine extrem lange Luftröhre, die sich mehrmals um das Brustbein windet.“ Das verleiht den „Vögeln des Glücks“ ihre Stimmgewalt – und macht ihre Rufe für Vogelkundler wie Wübbenhorst unverkennbar.

Lange waren die Rufe des Kranichs in Deutschland allerdings nahezu verstummt, „in den 1970er-Jahren war es eine kleine Sensation, in der Elbtalaue auf einen Kranich zu treffen“, sagt Wübbenhorst. Erst vielfältige Schutzbemühungen erreichten, dass die Kraniche nicht nur als Zug-, sondern auch als Brutvogel in Norddeutschland wieder heimisch wurden. Rund 8000 Paare brüten heute nach Schätzungen des NABU in den verbliebenen Bruchwäldern, Gewässern und Auen Nord- und Mitteldeutschlands. Rund 40 davon im Landkreis Lüneburg.

Zur Rückkehr des Kranichs beigetragen haben neben Renaturierungen von Moorgebieten und anderen Feuchtlandschaften Bewachungsaktionen. „Um die wenigen Brutpaare nicht zu stören, haben Naturschützer ihre Nester rund um die Uhr bewacht“, erzählt Wübbenhorst. Genau wie der Schwarzstorch gilt der Kranich als extrem störungsempfindlich, gab sein Nest früher bei der kleinsten Unruhe auf. „Heute scheinen sich die Vögel an Störungen zumindest ein wenig gewöhnt zu haben“, sagt Wübbenhorst. Und trotzdem hängt der Bruterfolg der Vögel oft am seidenen Faden.

Als Bodenbrüter müssen Kraniche ihre Eier vor Feinden wie Wildschweinen besonders schützen, bauen ihre Nester deshalb oft in feuchten, sumpfigen Gebieten. „Doch gerade in den letzten Jahren hatten wir oft sehr trockene Frühjahre“, sagt Wübbenhorst, „und damit leider auch sehr hohe Verluste beim Kranichnachwuchs“.

Eine weitere Gefahr in ihrem Leben teilen die Kraniche mit allen anderen Zugvögeln – die Reise gen Norden oder Süden. Aus ihren Brutgebieten in Skandinavien fliegen die meisten Vögel jetzt in ihre klassischen Winterquartiere nach Spanien oder Frankreich. Einige von ihnen bleiben bei milder Witterung allerdings auch den Winter über im Landkreis Lüneburg – und erfreuen mit ihrer Schönheit, ihrem Tanz und ihrer einzigartigen Stimme auch außerhalb der Zugzeit Vogelkundler wie den Bleckeder Jann Wübbenhorst.