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Eine Runde weiter ist die Strecke Lüneburg-Bleckede. Sollte sie mithilfe des Landes ertüchtigt werden, würde das auch die Arbeitsplätze im Eisenbahnausbesserungswerk Bleckede sichern. Foto: A
Eine Runde weiter ist die Strecke Lüneburg-Bleckede. Sollte sie mithilfe des Landes ertüchtigt werden, würde das auch die Arbeitsplätze im Eisenbahnausbesserungswerk Bleckede sichern. Foto: A

Wunschliste kräftig ausgesiebt

dth Lüneburg/Winsen. Rund zwei Drittel stillgelegter Bahnstrecken wurden jetzt im ersten Schritt ausgesiebt, die zunächst auf Landesebene zur Reaktivierung für den Personennahverkehr vorgeschlagen wurden. Nach dem Ausschlussprinzip sind von 79 untersuchten Strecken vorläufig nur noch maximal 25 Verbindungen im Rennen. Das geht aus den Ergebnissen der ersten Untersuchungsstufe hervor, die der LZ in Kopie vorliegen. Zur weiteren Überprüfung vom Niedersächsischen Verkehrsministerium empfohlen werden unter anderem die Bahnstrecken Lüneburg-Bleckede, Lüneburg-Soltau und Winsen-Hützel-Soltau. Raus sind nach der vorläufigen Betrachtung hingegen Strecken wie Dannenberg-Lüchow, Dannenberg-Uelzen, Dannenberg-Wustrow-Salzwedel, Winsen-Niedermarschacht oder Walsrode-Bomlitz.

Wie berichtet, hatten in den vergangenen Wochen Kommunen, Landkreise und Verbände die Gelegenheit, sich zu möglichen Trassen-Reaktivierungen gegenüber der Landesregierung zu äußern. Begleitet wird der Auswahlprozess neben dem Verkehrsministerium in Hannover von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und einem Lenkungskreis, in dem auch Vertreter von Verkehrsverbünden bis hin zu kommunalen Spitzenverbänden mitwirken.

Die Art der bisherigen Auswahl (siehe Kasten rechts) sorgt vor allem im Kreis Lüchow-Dannenberg für Unmut. „Wie wir gesagt hatten, waren die Kriterien von vornherein so angelegt, dass die Strecken im Landkreis keine Chance hatten“, kritisiert etwa Kurt Herzog von der SOLI-Fraktion im Kreistag Lüchow-Dannenberg. Für den Landkreis selbst nimmt Jürgen Schwarz Stellung, Leiter des Fachdienstes Kreisentwicklung: „Wir sind enttäuscht.“ Die Hoffnungen ruhten darauf, beispielsweise für das Mittelzentrum Lüchow wieder eine Bahnverbindung in Richtung Lüneburg und Hamburg einzurichten. Schwarz: „Aus strukturpolitischer Sicht wurde hier eine große Chance für die Entwicklung unserer Region vertan.“ Solche Entwicklungskriterien seien bei der ersten Betrachtung zu kurz gekommen.

Hingegen verfolgt der Landkreis Lüneburg das weitere Verfahren „mit Interesse, und wir freuen uns, darüber, dass die Strecken Lüneburg-Bleckede und Lüneburg-Soltau weiter geprüft werden“, sagt Kreissprecherin Elena Bartels. „Durch die Reaktivierung dieser Strecken würden unsere touristischen Schwerpunkte Heide und Elbe gestärkt.“

Bis Ende 2014 sollen nach einer Nutzwert- und Wirtschaftlichkeitsanalyse bis zu acht Strecken zur Reaktivierung ausgewählt werden.

Noch ist aber nichts entschieden, manches sei weiterhin verhandelbar, heißt es. Zumindest könnten „Vorhabenträger noch bis zum 22. Oktober Einwendungen zur Liste oder zu Einzelvorschlägen vorbringen“, sagt auf LZ-Nachfrage Christian Budde, Sprecher des Verkehrsministeriums. Denn dann trifft sich erneut der Lenkungskreis bei der LNVG in Hannover, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Kritik an der geplanten Finanzierung von Strecken-Reaktivierungen äußert bereits jetzt der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB). Meinhard Abel vertritt die Interessen des NSGB auch in dem Lenkungskreis des Landes. Auf LZ-Nachfrage sagt er: „In dem bisherigen Konzept ist vorgesehen, dass das Land die Kosten der Reaktivierung nur zu 75 Prozent trägt und die betroffenen Kommunen zu 25 Prozent an den Kosten beteiligt werden sollen. Das lehnen wir ab. Wir fordern eine Gleichbehandlung mit bestehenden Strecken und damit eine 100-prozentige Finanzierung durch das Land Niedersachsen.“