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Im Bleckeder Sportboothafen sollte der Angler eine neue Karriere als Laternenhalter beginnen. Doch sein hölzernes Innenleben ist verottet, der Angler musste zurück auf die Warteposition. Im Frühjahr will ihn der Verein Bleckeder Bootsfreunde sanieren. Foto: t & w
Im Bleckeder Sportboothafen sollte der Angler eine neue Karriere als Laternenhalter beginnen. Doch sein hölzernes Innenleben ist verottet, der Angler musste zurück auf die Warteposition. Im Frühjahr will ihn der Verein Bleckeder Bootsfreunde sanieren. Foto: t & w

Absturz eines Anglers

off Bleckede. Die Elbe ist nur wenige Meter entfernt, doch an den Haken gegangen ist dem Angler schon seit Jahren nichts mehr. Im Bleckeder Sportboothafen hockt der einstige Publikumsliebling vornübergebeugt im faden Grün, ohne Angel und Unterschenkel, das Ölzeug verblichen, der Blick starr auf den Boden gerichtet – die Karriere beendet. Sechs Jahre nach seinem ersten öffentlichen Auftritt auf dem Dach der Lüneburger Sparkasse An der Münze hat die Geschichte des Star-Anglers ihren absoluten Tiefpunkt erreicht. Doch was nach Endstation aussieht, soll für den kantigen Kerl mit Rauschebart schon bald zum Neuanfang werden. Unter dem Titel: Vom Angler zum Laternenhalter.

Für die knapp drei Meter hohe Anglerfigur wäre es nicht der erste Neustart in den vergangenen sechs Jahren. Fischte er nach seiner Schöpfung 2007 zunächst über den Dächern der Hansestadt nach Stint, verlor er mit dem Abzug der Fische zum ersten Mal seinen Job und wurde in die Hafeneinfahrt nach Bleckede versetzt. Dort angelte er auf einem Poller am Elbufer nach der Aufmerksamkeit von Touristen, bis ihn Paragraf 78 des Wasserhaushaltsgesetzes 2010 erneut arbeitslos machte. Der Grund: Illegale Beschäftigung im strengsten Schutzgebiet des Biosphärenreservats sowie Gefährdung für Deiche und Menschen im Überschwemmungsfall. Die Konsequenz: Strafversetzung auf den Bauhof der Stadt Bleckede.

Dort saß der Angler fast zwei Jahre in einer Ecke und starrte zu Boden. „Alle neuen Standorte, die wir für ihn vorgesehen hatten, scheiterten an den Auflagen“, sagt Bleckedes Bürgermeister Jens Böther. Wie gerufen kam da das Angebot des Vereins Bleckeder Bootsfreunde, sich des abgehalfterten Star-Anglers anzunehmen. Vor knapp einem Jahr wechselt die Figur Besitzer und Standort. Der Plan von Bootsvereinsvorsitzendem Erhard Rahmsdorf: Der Angler soll zum neuen Erkennungszeichen des Bleckeder Sportboothafens werden. Nicht mehr mit Fisch, sondern einer Laterne an der Angel.

„Wir hatten schon einen Platz für ihn vorbereitet“, erzählt Rahmsdorf, „hatten Strom für die Laterne verlegt, einen Betonring als Sitzplatz befestigt.“ Doch als die Bootsfreunde den Angler an seinem neuen Arbeitsplatz befestigen wollen, zerfällt das morsche Holzkonstrukt im Innenraum der Figur – „und wir haben ihn aus Sicherheitsgründen erstmal auf die Seite gelegt“. Dann kam das Hochwasser, jetzt der Winter, zum Sanieren des Anglers fehlte die Zeit. „Jetzt wollen wir im Frühjahr einen neuen Anlauf nehmen“, sagt Rahmsdorf. Und dem Angler die Chance auf eine neue Karriere geben.

Sein Ölzeug muss der Fischer dafür allerdings abgeben, sich in ein neues, blau-gelbes Gewand hüllen. „Einige Damen aus unserem Verein haben sich bereit erklärt, der Figur einen neuen Anstrich in den Bleckeder Farben zu verpassen“, sagt Rahmsdorf. Ein weiteres Mitglied mit handwerklichem Geschick will das Innenleben des Anglers reparieren. Entdecken die Bootsfreunde bei der Sanierung keine weiteren unerwarteten Schäden, soll der Angler in der kommenden Bootssaison seinen Einstand als Laternenhalter feiern – und eine neue Karriere starten. „Als der Angler mit Laterne, der für alle Besucher unseres Sportboothafens unvergesslich sein wird“, glaubt Erhard Rahmsdorf.