Dienstag , 27. September 2016
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Niedersachsens ehemaliger Umweltminister Hans-Heinrich Sander (l.) und Bleckedes Bürgermeister Jens Böther gestern auf dem zweiten und letzten Abschnitt des Deichs bei Alt Garge - auch Sander kennt sich dort bestens aus. Foto: t & w
Niedersachsens ehemaliger Umweltminister Hans-Heinrich Sander (l.) und Bleckedes Bürgermeister Jens Böther gestern auf dem zweiten und letzten Abschnitt des Deichs bei Alt Garge - auch Sander kennt sich dort bestens aus. Foto: t & w

Ein Deich namens Sander

pet Bleckede. Freundlich war im Festzelt vor dem Feuerwehrhaus in Alt Garge der Beifall für den Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols, für Landrat Manfred Nahrstedt oder Dr. Johannes Prüter vom Biosphärenreservat. Stürmisch wurde der Applaus, als Hans-Heinrich Sander begrüßt wurde. Der ehemalige niedersächsische Umweltminister (2003 bis 2012) war gestern zu Gast, als der Elbdeich bei Alt Garge eingeweiht und auf den Namen „Hans-Heinrich-Sander-Deich“ getauft wurde. Alt Garges Ortsvorsteher Dieter Ossenkopp hatte die Namensgebung vorgeschlagen, der Bleckeder Rat hatte sie beschlossen.

Neun Jahre lang war Sander (FDP) niedersächsischer Umweltminister – aber an kaum ein Projekt seiner Amtszeit kann er sich so gut erinnern wie an den Alt Garger Elbdeich und dessen lange Vorgeschichte. Ob Bleckedes Bürgermeister Jens Böther, Landrat Manfred Nahrstedt (SPD), die aktuelle Staatssekretärin im Umweltministerium Almut Kottwitz (Grüne) oder auch Sander selbst – sie alle erinnerten an den mühsamen Weg bis zum Beginn des Deichbaus.

Ein Rückblick: Zwischen Juli 2007 und September 2012 entstanden die Deichabschnitte bei Alt Wendischthun und Walmsburg – zu 95 Prozent finanziert vom Land Niedersachsen, zu fünf Prozent von der Stadt Bleckede. Im Herbst 2010 kam dann der Schock, als es an das dritte Teilstück ging: Das Umweltministerium teilte mit, dass für den Abschnitt bei Alt Garge nur noch eine 70-prozentige Förderung möglich sei. Der Deichbau geriet in Gefahr. „Der Finanzminister wollte mir nicht mehr geben“, erinnert sich Hans-Heinrich Sander.

Er kam nach Bleckede, sicherte zu, sich um eine Lösung zu bemühen. Das Deichprojekt sollte abgespeckt werden, eine Umschichtung aus EU-Mitteln geprüft werden – möglicher Baubeginn: 2013. Dann kam das Januarhochwasser 2011, nur mit Notdeichen konnten Teile von Alt Garge vor den gewaltigen Wassermassen gerettet werden, dreimal war Hans-Heinrich Sander während der Flut vor Ort. Der Minister war überzeugt, dass sofort gehandelt werden müsse. Zurück in Hannover gelang es ihm innerhalb weniger Wochen, Haushaltsmittel umzuschichten und für den Alt Garger Deich zu sichern. Im August 2011 begannen die Bauarbeiten.

„Man glaubt gar nicht, wie viel Geld in diesem Land zur Verfügung steht, wenn man überzeugende Argumente hat“, erzählte Sander gestern aus dieser Zeit – als Minister im Ruhestand kann er das. Und Almut Kottwitz, heute Staatssekretärin im Umweltministerium, zu Sanders Zeiten Abteilungsleiterin Wasserwirtschaft, erinnerte sich: „Nach normalen Richtlinien wäre es eigentlich nicht möglich gewesen, den Deich zu finanzieren.“ Sander: „Die Richtlinien kannte ich nicht.“ Und Bürgermeister Böther meinte lächelnd zu Sander. „Ich will lieber gar nicht wissen, wie Sie das geschafft haben.“

Dass Hans-Heinrich Sander die „richtige Nase gehabt hatte“ (Kottwitz), zeigte sich dann in diesem Sommer, als das Juni-Hochwasser neue Rekordwasserstände an die Elbe brachte – und Alt Garge, wie auch Alt Wendischthun und Walmsburg sicher hinter den neuen Deichen lagen. „Mit ganz viel Herzblut“ als Beobachter aus der Ferne dabei war Sander, der seit seiner Zeit als Minister auf dem eigenen Hof als Landwirt aktiv ist.

Für 15,3 Millionen Euro Gesamtkosten wurden die Deiche bei Alt Wendischthun, Walmsburg und Alt Garge zwischen 2007 und 2013 gebaut – gesamte Länge: 7,3 Kilometer. Die Baukosten betrugen 12,1 Millionen Euro. Je etwa 2,4 Kilometer lang sind die Abschnitte Alt Wendischthun, Walmsburg und Alt Garge (unterteilt in Bereiche von 1,8 und 0,6 Kilometer). Verbaut wurden insgesamt 362 000 Kubikmeter Sand, 139 000 Kubikmeter Klei, bei Alt Garge 660 Tonnen Stahl für die Spundwand. Im Zuge des Baus wurden auch Regenrückhaltebecken, Schöpfwerke und Spundwände errichtet, bei Alt Wendischthun archäologische Stücke aus der Bronzezeit gefunden.

One comment

  1. Ich findes es vollkommen unpassend, öffentliche Bauprojekte nach noch lebenden Ministern / Politikern oder Ex-Ministern zu benennen. Sonst hätten wir bald eine „Olaf von Beust-Philharmonie“, einen „Peter-Ramsauer-Tunnel“ oder einen „Klaus-Wowereit-Flughafen“