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Mit einem Delfin-Stofftier auf dem Schoß sitzt Jouline in ihrer Spielzeugkiste und lacht. Im September sah die Achtjährige in der Türkei zum ersten Mal einen echten Delfin, jetzt sammeln ihre Eltern für eine zweite Therapie mit den Säugetieren. Foto: t&w
Mit einem Delfin-Stofftier auf dem Schoß sitzt Jouline in ihrer Spielzeugkiste und lacht. Im September sah die Achtjährige in der Türkei zum ersten Mal einen echten Delfin, jetzt sammeln ihre Eltern für eine zweite Therapie mit den Säugetieren. Foto: t&w

Ein Stück Hoffnung für Jouline

Der Erfolg der Therapie ist wissenschaftlich nicht bewiesen, die heilende Kraft des Delfins für Kritiker nicht mehr als ein Mythos. Trotzdem hat sich die Arbeitsgemeinschaft Guter Nachbar entschieden, die achtjährige Jouline Braknis und ihre Eltern im Kampf um eine zweite Delfintherapie für das behinderte Mädchen zu unterstützen — mit einer Spende von 1500 Euro. Für die Aktion von Wohlfahrtsverbänden und Landeszeitung ein ungewöhnlicher Hilfseinsatz. „Doch wir waren uns einig“, sagt Vorsitzender Berthold Schweers, „dass wir in diesem Fall auch Hoffnung unterstützen dürfen“. Eine Nachricht, die die LZ der Familie kurz vor Weihnachten in Breetze überbracht hat — und Gabriela Braknis damit einen Moment lang sprachlos machte.

off Breetze. Joulines Zuhause liegt mitten im Grünen. Ein kleines Einfamilienhaus am Dorfrand, weite Wiesen, Wald und Familienhund Celly, der Besucher schwanzwedelnd an der Gartenpforte erwartet. Es ist ein kleines Idyll, das Gabriela Braknis und Udo Eschke in Breetze aufgebaut haben. Für sich. Aber vor allem für Jouline. Seit Jahren kämpft das Paar dafür, dem Mädchen alles zu bieten, was sie haben, Jouline so gut wie irgend möglich zu fördern. Mit täglichen Übungen zu Hause. Regelmäßigen Besuchen bei Spezialärzten. Und allen denkbaren Therapien. Manches hilft. Manches nicht. Doch eine spezielle Therapie hat alle Erwartungen übertroffen. Und daher sammeln Joulines Eltern nun erneut Spenden — für eine zweite Reise zu den Delfinen.

Udo Eschke arbeitet als Elektriker, Gabriela Braknis hat seit Joulines Einschulung vergeblich nach einem Halbtagsjob gesucht, das Geld der Familie ist knapp. „Alleine hätten wir die erste Delfin-Therapie nie bezahlen können“, sagt Gabriela Braknis. Doch mit vielen Eigenaktionen, eisener Sparsamkeit und der Unterstützung zahlreicher Spender stand im Spätsommer endlich die magische Summe von 11000 Euro auf dem Auzug des Spendenkontos. Und am 14. September sah Jouline im türkischen Belek zum ersten Mal in ihrem Leben einen echten Delfin.

Drei Monate später. Jouline ist vor wenigen Minuten nach Hause gekommen, jetzt sitzt sie in ihrem Zimmer vor einer Spielzeugkiste und drückt den Brummkreisel in ihrer Hand. Wieder und wieder. „Jetzt entspannt sie sich eine halbe Stunde, spielt ganz in Ruhe für sich“, sagt Gabriela Braknis. Vor der Delfin-Therapie undenkbar. Genau wie eine Nacht, in der Jouline nicht mindestens dreimal aufwacht und rebelliert. Oder ein Abendessen, bei dem sie fünf Minuten auf ein Brot wartet, ohne zu schreien.

Jouline ist von Geburt an körperlich und geistig behindert. „Alle Symptome deuten auf das Angelman-Syndrom“, sagt Udo Eschke, „doch den genetischen Beweis dafür konnten die Ärzte bisher nicht finden.“ Wer das Mädchen mit der lustigen Zahnlücke, den wilden braunen Haaren und dem fröhlichen Lachen genau ist, steht auf ihrer eigenen Internetseite: „Ich bin nicht mehr ganz klein, aber auch nicht groß. Ich wiege knapp 30 Kilogramm, aber wer mich trägt, der tippt auf … viel mehr! Ich kann nicht sprechen, aber sehr laut lachen oder schreien. Ein Wort verstehe ich schon… Nein! … aber gefallen tut es mir nicht. Seit dem Frühjahr 2010 mache ich meine ersten Schritte. Und ich werde immer besser.“

Auch der Delfin hat Joulines geis“tige und körperliche Behinderung nicht rückgängig gemacht. Und es ist ihm nicht gelungen, dem Mädchen das Sprechen beizubringen. „Doch für uns hat er kleine Wunder vollbracht“, sagt Gabriela Braknis. „Jouline ist ruhiger geworden, kann sich besser konzentrieren.“ Ein Eindruck, den auch die Lehrer teilen. Und der die Familie nach ihrer Rückkehr aus der Türkei darin bestätigt hat, weiter für eine zweite Delfintherapie zu sammeln.

Knapp 4000 Euro sind bereits zusammengekommen. Jetzt spendet der Gute Nachbar weitere 1500 Euro. Für Gabriela Braknis ein Weihnachtsgeschenk, das ihr für einen Moment die Sprache verschlägt. Als sie die Worte wieder gefunden hat, sagt sie unter Tränen: „Das sind die Momente, die uns Kraft geben, weiterzumachen und uns zeigen: Wir sind nicht allein.“ Momente, die ihr weit mehr wert sind als 1500 Euro.

Die 45-Jährige und ihr Partner machen sich keine Illusionen, setzen sich keine Ziele, die Jouline erreichen muss. „Wer Erwartungen hat, wird enttäuscht“, sagt sie, „das haben wird in den letzten acht Jahren gelernt.“ Trotzdem wollen sie keine Chance versäumen, soll Jouline alles bekommen, was ihr hilft — und dazu gehört für Gabriela Braknis und Udo Eschke auch die zweite Delfin-Therapie. Dass sie dafür um Geld bitten müssen, dass sie statt mit Freunden ins Kino zu gehen, 20 Euro auf Joulines Spendenkonto überweisen, haben die beiden Breetzer längst akzeptiert. „Fürs eigene Kind tut man doch alles“, sagt Gabriela Braknis. Auch wenn wissenschaftliche Beweise fehlen und Kritiker sagen, die Heilkraft des Delfins sei ein Mythos.

Wer mehr über Jouline wissen will, kann sich im Internet unter www.jouline.de über die Achtjährige informieren.

One comment

  1. Vielen, herzlichen Dank für diesen tollen Bericht.
    Wir wünschen allen ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest.
    Wer Fragen hat, kann sich sehr gerne an uns wenden.
    Auf der Homepage unter: http://www.jouline.de stehen unsere Kontaktdaten.
    Liebe Grüße… Gabriela Braknis