Aktuell
Home | Lokales | Bleckede | Kritik an Hochwassermodell
Die Elbe in Bleckede Anfang November. Ein traumhafter Anblick. Doch schnell kann der Fluss für die Elbanrainer zum Alptraum werden. Die CDU drängt auf schnelleren Rückschnitt. Foto: t&w
Die Elbe in Bleckede Anfang November. Ein traumhafter Anblick. Doch schnell kann der Fluss für die Elbanrainer zum Alptraum werden. Die CDU drängt auf schnelleren Rückschnitt. Foto: t&w

Kritik an Hochwassermodell

cw Karze. Wenn es um Maßnahmen zum Hochwasserschutz geht, scheiden sich schnell die Geister. Nur in einem Punkt sind sich alle einig: Es muss etwas passieren, und zwar schnell. Abhilfe soll das neue 2-D-Modell bringen, das kürzlich im Bleckeder Elbschloss vorgestellt wurde (die LZ berichtete). Damit sollen die Auswirkungen von Hochwasserschutzmaßnahmen berechenbar werden. Doch es könnte Jahre dauern, bis konkrete Maßnahmen greifen.

Das geht Monika Scherf (Kreisrätin und Landratskandidatin) nicht schnell genug: „Ich möchte nicht wieder im Krisenstab sitzen und sagen müssen, dass wir noch nicht so weit sind.“ Bei einer Podiumsdiskussion des CDU-Gemeindeverbandes Elbe zum Thema Hochwasserschutz in Karze machte Scherf am Dienstagabend deutlich, dass vor allem der Rückschnitt der Verbuschung für sie keinen Aufschub duldet. „Ich möchte, dass die fünf wichtigsten Rückschnittmaßnahmen sofort umgesetzt werden.“ Dafür soll sich das Umweltministerium in Brüssel einsetzen.

Scherf bemängelt an dem 2-D-Modell vor allem, dass es mit Daten aus dem Jahr 2006 arbeitet und damit schon wieder veraltet ist, dass die Umsetzung zu lange dauert: „Der Rahmenplan soll 2015 vorliegen und dann kommen noch die Genehmigungsverfahren dazu“, erklärte sie.

Mit ihrer Forderung nach schnellen Reaktionen und dem Rückschnitt war sie an diesem Abend nicht allein: Auch der Deichhauptmann des Artlenburger Deichverbandes, Hartmut Burmester, und der Vorsitzende des Vereins zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums, Jürgen Siems, plädierten für einen schnellen Rückschnitt. „Unsere Deiche sind zwar standsicher, aber nicht hoch genug“, betonte Burmester. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Wassermassen schnell abgeleitet werden. Siems forderte, die Schutzgebiete auf die 600-Meter-Regelung aus dem Jahre 1902 zurückzufahren.

Bei der Diskussion wurde deutlich, dass auch die meisten Zuhörer den Rückschnitt befürworten. Selbst BUND-Vertreter Bernhard Stilke sprach sich nicht dagegen aus: „Wir sind für diese fünf Bereiche, weil es nach Recht und Gesetz geht und nicht aus reiner Willkür geschieht“, erklärte er. Auch viele andere Rückschnittaktionen bewertet der BUND positiv, wenn sie entsprechend ausgeglichen werden.

„Wir müssen radikal zurückschneiden, um Zeit zu gewinnen, damit wir die Deiche erhöhen können“, befand dagegen Hans-Werner Stabe. Doch Scherf nahm ihm gleich den Wind aus den Segeln: „Das letzte, was in Niedersachsen kommen wird, ist eine Erhöhung der Deiche“, sagte sie.

Auffallend häufig wurde in der Diskussion auf alte Hochwasser-Unterlagen verwiesen, die bereits zu den gleichen Ergebnissen kommen, die heute debattiert werden. Das älteste ist ein hydromechanisches Gutachten aus dem Jahr 1899, das sich ebenfalls für Rückschnitt und Ausdehnungsflächen ausspricht.