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Lehrer Ulf Jacob ist in die Knie gegangen, um mit seinem Sparringspartner John auf Augenhöhe  zu sein. Foto: sel
Lehrer Ulf Jacob ist in die Knie gegangen, um mit seinem Sparringspartner John auf Augenhöhe zu sein. Foto: sel

Schlagabtausch im Boxring

sel Bleckede. Selten geht ein Lehrer vor einem Schüler in die Knie, schon gar nicht im Boxring. Für Ulf Jacob war dieser „Kniefall“ bei der Veranstaltung „Schule im Ring“ eine Selbstverständlichkeit, denn so befand sich der Sport-, Englisch- und Deutschlehrer der Bleckeder Jörg-Immendorff-Schule auf Augenhöhe mit seinem Schüler und „Sparringspartner“ John (11).

„Ulf Jacob macht instinktiv das Richtige. Indem er in die Knie geht, leistet er bei dieser Übung eine Differenzierung“, lobt Dr. Arwed Marquardt. Der Lüneburger Förderschullehrer leitet den Verein Box! Edukation, einen Förderverein, der das Leichtkontaktboxen in die Schulen bringt. Bereits zum sechsten Mal sind Marquardt und sein Team mit der „Schule im Ring“ unterwegs. Rund 40 Schüler unterschiedlichen Alters und von nahezu allen Schulformen aus ganz Niedersachsen nahmen jetzt an dem Training in der Schulsporthalle Bleckede teil. An unterschiedlichen Stationen übten sich Kinder von Förder-, Haupt-, Oberschulen und Gymnasien in Schlagkraft, Koordination und Muskelaufbautraining. „Das Boxen ist dabei Mittel zum Zweck“, erläutert Marquardt, während er aufmerksam die Sparringspartner im Boxring beobachtet. Die Schüler sollen sich auspowern, ihre Impulskontrolle trainieren und vor allem ihre eigenen Grenzen und die der anderen kennen. So ist es im Boxring beispielsweise verboten, den „Gegner“ zu touchieren. Kommt es doch einmal zu einer Berührung, müssen „zur Strafe“ zwei Liegestützen absolviert werden.

„Julien, nimm eine Hand hinter den Rücken und box nur mit der anderen weiter“, sagt Marquardt, während er ein „ungleiches“ Paar im Boxring beobachtet. „Wir achten sehr genau auf Differenzierung“, erklärt er. Denn zu den Prinzipien der Veranstaltung gehört auch, dass alle Teilnehmer gleichberechtigt sind: Mädchen und Jungen ebenso wie eher untrainierte Kinder und aktive Sportler. „Am meisten beeindruckt hat mich die Fairness der Schüler“, bestätigt auch Pädagoge Jacob. „Es geht nicht um ein Gegenein­ander, was man beim Boxen ja erwarten kann. Sondern um ein Miteinander, das ist toll.“ Der 42-Jährige wird bei der nächsten Fortbildung des Vereins teilnehmen. Denn Box! Edukation bietet nicht nur die Veranstaltung „Schule im Ring“ an, sondern auch Fortbildungen für Lehrkräfte. Außerdem versucht der Verein, Eltern mit einzubeziehen. Seit zwei Jahren ist zum Beispiel Vater Torsten Bollow dabei und unterstützt den Verein als Trainer.

Am Ende will Marquardt von den Teilnehmern wissen, welche der Stationen am anstrengendsten war. „Die Schlagkraft-Station“ lautet das übereinstimmende Fazit. Da gilt es, mit Boxhandschuhen auf dicke Matten an der Wand einzuschlagen. „Ich bin fix und foxi“, bekennt auch Sportlehrer Jacob nach seinem „Schlagabtausch“ mit Schüler John.
Weitere Infos gibt es im Internet unter der Adresse:
29www.box-edukation.de